
- Das blaue Portal (Teil 1) - Eldur Verlag
Alles begann mit den sprechenden Pferden im Weinkeller.
Als der Trinker Friedrich im Keller von Burg Grauenfels nach einem Tröpfchen guten Weines sucht, stößt er auf etwas, das er erst für eine Halluzination hält. Sprechende Pferde? So etwas gibt es nun wirklich nicht. Auch nicht in volltrunkenem Zustand. Und eine hinter einer Mauer versteckte Treppe, die scheinbar unendlich weit nach unten führt? Die gesamte Familie – das sind Eva, eine 15-jährige Göre mit grünem Haar und frechem Mundwerk, ihr Vater Otto und eben ihr Onkel Friedrich – macht sich auf eine Entdeckungsreise der anderen Art.
Zeitsprünge, sprechende Pferde und Unterhessen
Peter Lancester gelingt es auf geschickte Art und Weise, seine Leser bei Laune zu halten. Wenn man nicht gerade die Vorbereitungen für die bevorstehende Expedition ins Unbekannte auf Burg Grauenfels beobachten kann, erfährt man in einem zweiten Handlungsstrang von der Vergangenheit, wo man einem Mann namens Wilhelm folgt, der in Verbindung mit Burg Grauenfels steht, wie er seine ganz eigenen Geheimnisse lüftet und sich durchs dunkle Mittelalter schlägt. Dritter und definitiv außergewöhnlichster und faszinierendster Teil der Geschichte ist das Schicksal der sprechenden Minipferde, die ebenso erstaunliche wie liebenswerte Charaktere darstellen.
Dass es derart menschliche Pferde gibt, woher sie kommen und welch düstere Vergangenheit die Burg erlebt hat, erfährt man langsam, Stück für Stück, und schwankt beim Lesen zwischen Überraschung, Ekel und Faszination.
Pubertierende Mädchen
Obwohl der Roman "Das blaue Portal" nun wirklich nicht als Mädchenbuch bezeichnet werden kann – viel zu viel Gewalt, viel zu wenig Liebesgeschichte – ist einer der Hauptcharaktere und Helden die junge Eva, die neben der Spannung um die endlose Wendeltreppe auch noch mit dem ganz normalen Wahnsinn des Erwachsenwerdens klarkommen muss. Das jüngste Kind nicht mehr ganz so junger Eltern zu sein, ist aber auch nicht leicht. Dass sie die Liebe mit sehr nüchternem, fast mathematischem Blick begegnet, hilft dabei auch nicht wirklich.
"Das blaue Portal" ist erst der Anfang
Wer nach diesem Buch mehr über Unterhessen, die Pferde und Evas Schicksal wissen möchte – und die Wahrscheinlichkeit ist groß, da das Buch in einem ziemlichen Cliffhanger endet – hat Grund zur Freude. "Das blaue Portal" ist erst der erste Band einer fünfteiligen Serie mit dem klingenden Namen "Die Chroniken der Anderwelten", die nicht nur linear von Evas Familie und den Geschehnissen auf Burg Grauenfels erzählt, sondern weit über die Grenzen dieser kleinen Welt hinausgeht und die unterschiedlichsten Charaktere von verschiedenen Seiten beleuchtet.
Weiters sehr erfreulich ist, dass die Buchcover, deren grelle Farben natürlich Geschmackssache sind, perfekt zur Handlung passen. So etwas gibt es leider viel zu selten, vor allem bei Fantasybüchern und sollte mehr gelobt werden.
Mehr über den Autor, findet man auf seiner Seite beim Eldur-Verlag. Wer dort direkt ein Buch bestellt und nett fragt, hat sogar gute Chancen auf ein signiertes Exemplar.
Peter Lancester: Das blaue Portal. Eldur-Verlag 2004. Taschenbuch, 372 Seiten. Euro 9,95.
