Er gilt als der Erbauer des Elbe-Lübeck-Kanals und als derjenige, der Lübecks Hafen für große Seeschiffe geöffnet hat: Der Oberbaudirektor Peter Rehder (1843 – 1920) . Im Süden Lübecks erinnert an ihn eine Brücke, aber kaum einer von den vielen Kraftfahrern und Fußgängern, die diese täglich passieren, weiß noch etwas mit diesem Namen anzufangen. Daran haben auch zwei Ausstellungen in den Jahren 2006 und 2007 im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk und im Elbschifffahrtsmuseum Lauenburg wenig geändert: Das eine Museum ist zu abgelegen und hat zu beschränkte Öffnungszeiten, das andere wenig bekannt und vor allem eine lokale touristische Attraktion.
Der geniale Hafenbaumeister stammte aus Ost-Jork im Alten Land, legte am Gymnasium in Stade das Abitur ab und studierte in Hannover. Anschließend trat er in den Dienst der preußischen Wasserbauverwaltung, bevor er 1875 in den Lübecker Staatsdienst trat. Hier wurde er 1888 Wasserbaudirektor. Bereits zuvor hatte er sich mit dem Ausbau der Trave als Großschifffahrtsweg befasst – eine Aufgabe, die ihn auch in den folgenden Jahrzehnten in Anspruch nehmen sollte. Noch im Jahre seiner Ernennung legte er einen Plan für den Ausbau der Lübecker Seehäfen vor. Die entsprachen zu dieser Zeit noch den Verhältnissen der Segelschiffszeit.
Elbe-Lübeck-Kanal
Seine bedeutendste ausgeführte Leistung ist die des Baus des Elbe-Lübeck-Kanals in den Jahren 1896 bis 1900, wobei er zum Teil völlig neue technische Maßstäbe setzte. Die geniale Schöpfung der Hubbrücke an der Einmündung des Kanals in die Trave ist bis heute ein einmaliges technisches Denkmal.
1906 legte er eine Studie über den Ausbau der Lübecker Häfen „Die bauliche und wirtschaftliche Ausgestaltung und Nutzbarmachung der lübeckischen Hauptschiffahrts-Straßen“ vor. Mit diesem Gutachten – in dem er auch die jetzt verwirkte Brücke im Zuge der Nord-Tangente vorschlug –war er seiner Zeit weit voraus. Er nach dem Zweiten Weltkrieg sind wesentliche Teile seiner Vorschläge umgesetzt worden. Wobei der Hafenbahnhof erst in unseren Tagen gebaut worden ist.
Denkschrift für Nord-Süd-Kanal
Als Rehder 1910 - mit 67 Jahren - in den Ruhestand trat, wurde er mit Ehren überhäuft. 1911 legte er eine Denkschrift über einen Nord-Süd-Kanal vor, der von Hamburg ausgehend bis Fallersleben an den damals im Bau befindlichen Mittellandkanal führen sollte. Die Pläne sind später mehrfach aufgegriffen worden. Der Zweite Weltkrieg und später die deutsche Teilung haben die Umsetzung verhindet. Der 1976 eröffnete Elbe-Seiten-Kanal knüpft an diese Pläne an.
Als Rehder am 25. April 1920 starb, rühmte ihn der Lübecker Senat als einen Mann „von außergewöhnlicher technischer und volkswirtschaftlicher Begabung“. Die in den Ausstellungen gezeigten Dokumentationen - für die der in Bad Schwartau beheimatete Architekt Otto Kastorff liegen jetzt in gedruckter Form vor. Ermöglicht wurde dem „Verein für Lübecker Industrie- und Arbeitkultur“ als Herausgeber dies durch die Förderung der Reinhard-Jarchow-Stiftung. Leider ist die Broschüre nur in der Geschichtswerkstatt Herrenwyk und im Kulturforum Burgkloster erhältlich.
Otto Kastorff: Peter Rehder und die Entwicklung der Lübecker Häfen. Verein für LübeckerIndustrie- und Arbeiterkultur, Lübeck 2008.
