Peter Schreier - ein großer Tenor

LP
LP "Peter Schreier singt Weihnachtslieder - Siegfried Lauterwasser
Die Stimme des lyrischen Tenors Peter Schreier gehört zu den großen Stimmen des 20. Jahrhunderts.

Das Album „Peter Schreier singt Weihnachtslieder“ war mit rund 1,4 Millionen Exemplaren der am meisten verkaufte Tonträger, zumeist Schallplatten, in der Geschichte der DDR. Im Zeitalter der CD´s, MP3 ist es um den heute 76 jährigen Sänger, der als Sohn eines Kantors im sächsischen Meißen geboren wurde, etwas ruhiger geworden. Doch seine Stimme bleibt in den Ohren der Menschen, die sie einmal gehört haben.

Beruflicher Werdegang

Peter Schreier begann schon sehr früh im Dresdner Kreuzchor mit dem Singen und machte als Knabenaltstimme auf sich aufmerksam. Nach seinem Stimmbruch wurde er ein lyrischer Tenor. Er schloss sein Studium für Gesang und Dirigieren im Jahr 1959 an der Carl Maria von Weber Hochschule für Musik in Dresden ab. Danach wurde er sofort ins Opernstudio der Staatsoper Dresden und nach zwei Jahren in das bestehende Opernensemble aufgenommen. Doch seine internationale Karriere begann erst 1962 nach dem Debüt an der Deutschen Staatsoper in Berlin. Auf dieses Debüt folgten in den nächsten Jahren Auftritte an der Wiener Staatsoper, verschiedenen Konzerthäusern Wiens und zu den Salzburger Festspielen. Neben seiner Rolle als Evangelist in Oratorien von Bach wurde er immer mehr als Mozart Tenor gefragt. So folgte im Jahr 1967 die Rolle des Tamino in Mozarts „Zauberflöte“ an der Metropolian Opera in New York und im darauffolgenden Jahr an der Mailänder Scala.

Peter Schreier – die Stimme

Die Stimme von Peter Schreiers hat etwas Besonderes. Sie ist hell und leicht ansprechend, schlank und vibratoarm in der Tongebung, aber doch kraftvoll und dazu mit einer phänomenalen Textverständlichkeit. Es schien gerade, als ob seine Stimme ewig jung bliebe und man in seinen Gestaltungen bis zum Schluss den Kreuzchor-Knabenalt weiter mithörte. Die Stimme behielt ihre Frische und damit verbunden ein gewisses Moment unmittelbarer Herzlichkeit. Völlig selbstverständlich und schnörkellos war sie einfach ein Genuss für die Gehörgänge. Dies machte ihn auch zu einem glaubhaft innigen jugendlichen Liebhaber etwa bei Mozart oder Händel.

Peter Schreier besaß nicht nur eine der schönsten und vielseitigsten lyrischen Tenorstimmen. Er zählte auch zu den intelligentesten musikalischen Liedgestaltern. Aufgrund der Vielseitigkeit seiner Stimme war das Repertoire breit gefächert. Neben dem Lied- und Oratorienbereich, arbeitete er im Opern- und auch im Operettenfach.

Peter Schreier und die Oper

Peter Schreier sang etliche Rollen in Opern, wie „Fidelio“, „Die Entführung aus dem Serail“, „Die Zauberflöte“, „Das Rheingold“ und „Pfitzners Palistrina“. Obwohl sein Repertoire nicht auf eine Rolle eingeschränkt werden kann, galt er als der ideale Mozart Opern Tenor, der auf einer Ebene mit dem zu tragisch, früh verstorbenen Fritz Wunderlich zu nennen ist.

Peter Schreier als Evangelist in Oratorien und Kantaten

Peter Schreier wurde in der Rolle verschiedener Evangelistenpartien weltweit als Konzertsänger bekannt. Er setzte Standards in der Interpretation von Kantaten und Oratorien Johann Sebastian Bachs, die bis heute eine Herausforderung für jeden Darsteller bleiben.

Peter Schreier singt Lieder

Das Liedrepertoire Peter Schreiers ist auf einen lyrischen Tenor zugeschnitten. Hierzu zählen zahlreiche Volkslieder sowie Lieder von Franz Schubert, Robert Schumann und Mendelssohn.

Eine besondere Beziehung hat Peter Schreier zu den Liedern von Robert Schumann, der für ihn der eigentliche Liedkomponist ist. Bereits während seiner Mitgliedschaft im Dresdner Kreuzchor kam er unwillkürlich mit dieser Musik in Berührung. Dies lag zunächst vor allem in den natürlichen Voraussetzungen begründet, denn zu Schumann gehört eine lyrische Stimme. Hier konnte er seine gestalterischen Fähigkeiten und Möglichkeiten erproben und seine stimmlichen Voraussetzungen ausschöpfen. Noch mehr als die Lieder Schuberts lagen ihm diese Lieder, die durch ihre Feinnervigkeit, die raffinierte eingesetzte Harmonik und differenzierte Wortbehandlung eine Symbiose von Text und Musik bilden. Für eine angemessene Interpretation war für ihn stets wichtig, eine Vorstellung davon zu haben, was die Lieder erzählen und welche dramatische Wirkung sie erzielen können. Jedes Lied ist für ihn eine kleine Spielszene, die es dem Publikum zu „erzählen“ gilt. Das Wichtigste liegt jedoch in der Tatsache begründet, dass Schreier die Liedinterpetation dem gleichen Gesetz unterordnet, dem auch das Lied als Gattung untersteht, dem Gesetz von der „einfachsten Formel“, auf die man etwas bringen kann, ohne das es durch Vereinfachung den Reiz des Charakteristischen verliert. Es ist die Kunst der Einfachheit, deren Kunst in ihrer scheinbaren Kunstlosigkeit liegt.

Peter Schreier singt nicht mehr

Im Jahr 2005 hat Peter Schreier seine Gesangskarriere beendet. Nach seinen eigenen Aussagen singt er nicht mehr, nicht einmal mehr im Bad oder ein Ständchen für seine Ehefrau. Seinen 75. Geburtstag hat er auf einem Elbdampfer mit seiner Familie und guten Freunden gefeiert. Weiterhin gibt er aber sein Wissen in Meisterkursen an die junge Generation weiter und arbeitet als Dirigent mit großen Orchestern. Nach einer Herzoperation ist er etwas kürzer getreten und lebt zufrieden als Ehemann, zweifacher Vater, siebenfacher Groß- und Urgroßvater mit seiner Ehefrau Renate, einer Mischlingshündin und zwei Haflingern in seinem Haus am Hang des Elbufers in Dresden-Loschwitz.

Quellen:

Biographie und Aktuelles: Sächsische Zeitung von 15.06.2010/29.07.2010

Schallplatten: „Peter Schreier singt Volkslieder“, „Sei mir gegrüßt – Peter Schreier singt Lieder von Franz Schubert, Felix Mendelssohn Bartholdy und Franz Schubert“, „Odem der Liebe – Peter Schreier als Mozart-Tenor“ ETERNA, VEB Deutscher Schallplattenverlag der DDR, Berlin

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