Petersilie, in jedem Supermarkt erhältlich, ist deutlich mehr als nur ein Gewürz. Die wassertreibende Wirkung dieses vermeintlichen Küchenkrauts war schon früh bekannt, doch viele einstige Verwendungsarten sind heute in Vergessenheit geraten.
Abtreibung und Liebeslust
Aphrodisierend und abortiv wirkt dieses Kräutlein und in vielen Städten findet man noch heute ein sogenanntes „Peterles Gässchen“. Dieser Name stammt aus dem Mittelalter und bezeichnete jene Gassen, in denen sich die Bordelle befanden. Eine Anspielung auf die potenzfördernde und auch abtreibende Wirkung der Petersilie.
Das ätherische Öl dieser Pflanze, welches vornehmlich in ihren Früchten enthalten ist, fördert die Nierentätigkeit und regt die Verdauungsorgane an. Zugleich fördert es auch die Menstruation und die Uteruskontraktion, sodass das Öl in größeren Dosen sogar eine Fehlgeburt auszulösen vermag.
Petersilienfrüchte sollen einst in den Apotheken die beliebtesten volkstümlichen Abtreibungsmittel gewesen sein. Allerdings waren bei hoher Dosierung schwere Vergiftungen die Folge, die teils gar mit dem Leben bezahlt worden sind.
In keinem Kräuterbuch seit dem Spätmittelalter ist diese Gefahr noch erwähnt, wird der Genuss von Petersilienfrüchten innerhalb der Schwangerschaft verboten. Die Verwendung des Krautes allerdings ist unbedenklich!
Die Geschichte der Petersilie
Petersilie wurde von den Griechen und Römern der Antike als Heilkraut verehrt, insbesondere seine harntreibende Wirkung. Sogar Kränze zur Begrüßung von Gästen wurden aus ihr geflochten. Die erste schriftliche Erwähnung, die nicht in Zweifel gezogen werden kann, findet sich bei Plinius (23 - 79 n. Chr.). Dioskurides beschrieb sie in seiner „Materia medica“ als harn- und blähungstreibend.
Karl der Große ordnete in seiner "Capitulare de villis" den Anbau des Heil- und Küchenkrautes in den Gütern und Klostergärten an, der Klosterplan von Sankt Gallen verzeichnete die Petersilie und Hildegard von Bingen (1096 - 1179) empfahl das Kraut roh oder gekocht gegen Gicht, Herz- und Milzschmerzen, Nieren- und Blasenleiden, Wasseransammlung und auch Steinleiden.
Paracelsus (1493 - 1541) sah Petersilie als steintreibend an, der deutsche Botaniker und Mediziner Adam Lonitzer (Lonicerus, 1528 - 1586) schrieb ihr zahlreiche Wirkungen zu, neben der diuretischen und steintreibenden auch eine gedächtnisstärkende, verdauungsfördernde, menstruationsauslösende wie auch geburtsbeschleunigende. Sebastian Kneipp (1821 - 1897) nannte die Petersilie „in mehr denn hundertfach erprobtes und bewährtes Mittel gegen Wassersucht“.
Das Küchenkraut
Es gibt zwei wichtige Unterarten der Petersilie: Die Blattpetersilie mit ihren krausen oder glatten Blättern und die Wurzelpetersilie. Petersilie gewann im Laufe der Jahrhunderte dann auch zunehmend Bedeutung im kulinarischen Bereich. Köche würzten vor allem Fetthaltiges mit diesem Kraut, um diese Speisen verdaulicher zu machen, Blähungen vorzubeugen.
Seit dem 16. Jahrhundert wurde die Pflanze kultiviert, auch ihre Wurzeln (in diesem Fall die der Wurzelpetersilie) fanden als Sellerie ähnliches Gemüse Verwendung. Noch heute verwendet man diese als Suppengemüse. Petersilie ist in Deutschland das beliebteste Küchengewürz.
Steinzeitwissen und Botanik
Die Wildform der Petersilie, die im ersten Jahr Wurzeln und Blätter, im zweiten erst Früchte trägt, stammt vermutlich aus dem östlichen Mittelmeergebiet und Nordafrika. Dort wurde die Pflanze schon vor über 5000 Jahren kultiviert und bereits aus der Jungsteinzeit gibt es archäologische Funde der Früchte nördlich der Alpen. Der botanische Gattungsname Petroselinium leitet sich vermutlich von petros (griechisch: Felsen) und selinon (Sellerie), einer allgemeinen Bezeichnung für Doldengewächse ab.
Inhaltsstoffe und Wirkung der Petersilie
Petersilien enthalten Vitamin A, C, B1, B2 sowie auch Eisen und Calcium. Das ätherische Öl der Petersilie regt die Nierentätigkeit an und fördert die Harnausscheidung. Wurzeln und Kraut werden daher als Tee zur Durchspültherapie der Niere bei Erkrankungen der Harnwege und bei Reizblase verwendet. Auch bei Nierengrieß hilft Petersilie. Sie ist verdauungsanregend, hilfreich bei Magen-Darm-Beschwerden und bei Verstopfung. Das Kraut und auch die Wurzeln kommen in der Phytotherapie auch bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege und bei besagtem Nierengrieß zum Einsatz.
In der Volksheilkunde gilt frisch zerquetschte Petersilie als Heilmittel gegen Mückenstiche und Geschwüre. Das Kauen der Blätter ist ein altes Hausmittel gegen Mundgeruch, äußerlich werden wässrige und auch ölige Auszüge als Mückenschutz und gegen Krätzmilben und Kopfläuse eingesetzt.
Kontraindikation und Vorsichtsmaßnahmen
Das im ätherischen Öl enthaltene Apiol steigert in höheren Dosen die Kontraktion der glatten Muskulatur der Gebärmutter, von Darm und Blase. Aufgrund dessen ist innerhalb der Schwangerschaft unbedingt auf den Gebrauch von Petersilienfrüchten, am besten auch auf das Kraut zu verzichten.
(Bei Versuchen starben mit Petersilienkraut gefütterte Meerschweinchen bereits nach wenigen Stunden.) Aufgrund dieser Risiken erhielten die Petersilienfrüchte von der Kommission E 1989 eine Negativ-Monographie. Das Kraut hingegen wurde als positiv bewertet. Apiol schädigt in größeren Mengen aufgenommen Leber, Niere und Herz. Daher verzehrt man heute grundsätzlich vor allem das Kraut.
Empfindliche Personen sollten ihre Haut vor der Sonne schützen, da die in der Petersilie enthaltenen Furanocumarine unter Sonneneinstrahlung juckenden Ausschlag hervorrufen können.
Die Heilpflanzenkunde ersetzt bei Beschwerden nicht den Besuch eines Arztes oder Heilpraktikers. Auch übernehmen weder Autor noch Suite 101 jedwede Verantwortung für die Risiken einer Eigenbehandlung infolge des Artikels.
Quellen:
- Unterlagen Ausbildung Phytotherapie, Heilpflanzenschule Calendula
- Die Heilpflanzenapotheke, Kosmos Verlag
- PTA-Forum 06/06
