
- Die Felsenstadt Petra - François Maher Presley
Die verlassene Stadt Petra liegt Im heutigen Jordanien auf halben Weg zwischen dem Toten Meer und dem Golf von Akaba. Ihre monumentalen Bauten, die Tempel, deren Fassaden direkt aus dem Felsen geschlagen sind, ihr ebenso aus dem Fels geschlagenes römisches Theater und die Wohnhäuser, macht sie zu einem einzigartigen Kulturdenkmal im Nahen Osten. Sie wurde 1985 zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt.
Die Lage Petras
Die Lage in einem Talkessel im Bergland von Edomauf etwa 800 bis 1.350 Meter hoch, erklärt den Erfolg Petras als bedeutender Handelsplatz vom 5. Jahrhundert vor bis zum 3. Jahrhundert nach Christus. Denn hier kreuzten sich die Karawanenwege, die Ägypten mit Syrien und Arabien mit dem Mittelmeer, hier bei Gaza verbanden.
Ein weiterer Vorzug dieses Ortes ist seine versteckte Lage. Entweder erreichte man den Ort nur über einen schmalen Gebirgspfad oder aber von Osten durch eine circa 1,5 Killometer lange Felsschlucht, den Siq (Schacht) genannt. Diese Schlucht ist nicht nur an manchen Stellen 200 tief, sondern oft auch nur zwei Meter breit. Somit konnte der Zugang zur Stadt gut kontrolliert werden, Fremde oder Feinde wurden schnell ausgemacht und hatten nur wenig Chancen, unbemerkt nach Petra einzudringen.
Beeindruckende Technik und Bauten
Beeindruckend ist das Wassersystem der Stadt. Aus allen möglichen natürlichen Quellen in der Umgebung wurde Trink- oder auch Brauchwasser durch in den Fels gemeißelte Aquädukte und durch Terrakotta-Röhren, die in die Felsen eingelassen und mit Gips abgedichtet wurden, in die Stadt geleitet. Zudem umfasste das Versorgungssystem noch 200 Zisternen, die eine gewisse Unabhängigkeit bei der Versorgung der Stadt zuließen. In der Fähigkeit der Wasserbewirtschaftung der Nabatäer liegt zudem auch die Begründung dieser Stadt. Sie nämlich legten eine künstliche Oase an und schufen damit die Voraussetzungen für das später so erfolgreiche Gemeinwesen.
Petras große Vergangenheit
Die vielen Karawanen rasteten nicht nur hier, es entwickelte sich ein Zwischenhandel. Petra erhob auch Zölle. So erlangten die Nabatäer mit den Jahren Reichtum, der wiederum Petra auch architektonisch gedeihen ließ, denn das Nomadenvolk siedelte nun, feste Bauten ersetzten Zeltlager. Der aus dem Griechischen stammende Name der Stadt „Petra“ (Fels) war wohl nicht der ursprüngliche. Man vermutet, dass die Nabatäer ihre Metropole sinngemäß „Reqem, Reqmu oder Rakmu“, was soviel wie die „Rote“ oder die „Bunte“ bedeutet, nannten, sicherlich in Anspielung auf den roten Stein der dortigen Gebirgswelt. Da die Nabatäer nur wenig Schriftliches hinterließen, bleibt den Historikern nur der Umweg über biblische, griechische oder römische Quellen, die Geschichte der Stadt zu erschließen.
Siedlung seit 9.000 Jahren
Doch die Geschichte dieses Hochtals ist älter. Es wurde schon 9.000 Jahre vor Christi besiedelt. In der Bibel liest man von Horitern und Edomitern, die das Gebiet ab 1.500 vor Christi bewohnten. Dann eroberten es die Perser im 6. Jahrhundert vor Christi und zuletzt gelang es dem aus dem Inneren Arabiens stammenden semitischen Volk der Nabatäer um 500 vor Christi, die Edomiter zu verdrängen. Damit verschoben sich die wirtschaftlichen Interessen von der Weidewirtschaft hin zum Handel und zur Kontrolle der Handelswege. Mit der Zeit verschwanden die Zeltlager der nun sesshaft gewordenen Nomaden und man begann, Behausungen, ja Tempel, Gräber und sonstige Anlagen in die Felsen zu schlagen. Petra entwickelte sich zu einer reichen Metropole und im Laufe der folgenden Jahrhunderte zu einem stabilen Königreich, das sich mit König Aretas III. Philhellen (87 bis 62 vor Christi) anschickte, zu einer regionalen Großmacht zu werden. Er eroberte Damaskus und belagerte Jerusalem. Doch der Feldherr Marcus Aemilius Scaurus besiegte Aretas III. Wenngleich Petra nun zu einem Vasallen-Staat Roms wurde, konnte es seine innere Autonomie und Unabhängigkeit noch lange bewahren. Die goldene Zeit der Stadt dokumentiert sich noch heute durch ihre Bauten, die immer monumentalere Züge bekamen. Um die Zeit Christus herum sollen bereits 30.000 bis 40.000 Menschen in Petra gelebt haben.
Die Römer und das Ende von Petra
Doch zuletzt kam mit den Römern auch das schleichende Ende des Reiches. Zuerst einmal wurde die Hauptstadt des Reiches nach Bostra im heutigen Syrien verlegt, später gemeindeten die Römer das Königreich dann endgültig unter dem Namen Provinz Arabia Petraea vollständig ins eigene Reich ein. Als dann noch die Karawanenwege nach Palmyra in Syrien umgelenkt wurden, war es um die Bedeutung Petras geschehen, der Untergang war besiegelt. Die Stadt blieb noch bis in die byzantinische Zeit besiedelt, wurde noch zur Provinz-Hauptstadt „Palaestina salutaris“ ernannt und war in der Spätantike damit auch Sitz eines Bischofs.
Erdbeben besorgten den Rest
Nach zwei schweren Erdbeben 363 und 551 und der Eroberung der Region durch die Araber 663 verließen die letzten Einwohner die Stadt und damit begann dann auch schon der Verfall, wie es in vielen der antiken Städte des Mittleren Ostens oder Nordafrikas nach der gewaltsamen Islamisierung geschehen ist.
Ausgrabungen und Touristenattraktion
Seit dem letzten Jahrhundert jedoch scheint Petra wieder erwacht. Noch heute kann man in Petra die Anlage der gewaltigen Stadt, ihre Hauptstraße und ihre Plätze sehen, das aus den Felsen geschlagene römische Theater, das immerhin bis zu 5.000 Menschen Platz bot. Auch sind die Gräber der „Königswand“ mit seinen 12 monumentalen Grabtempeln zu bewundern und bald 800 weitere Baudenkmäler und Opferplätze. Insgesamt sind auf einer Fläche von circa 20 Quadratkilometer circa 1.000 Gebäude und Gebäudereste festzustellen, von denen etwa 20 Prozent bisher ausgegraben wurden.
Petra ist ein Erlebnis und zudem eines der wenigen, die das heutige Jordanien neben einigen noch erhaltenen christlichen Bau- und Kunstschätzen zu bieten hat. Es ist der internationalen Aufmerksamkeit, den Reisenden und den Archäologen aus Europa zu verdanken, dass dieses Zeugnis der Menschheitsgeschichte derart gut erhalten und gepflegt dazu beiträgt, den in der Umgebung lebenden Menschen vom Stamm der B’doul, die zwangsweise aus Petra in das Gebiet drum herum umgesiedelt wurden, eine Existenzmöglichkeit zu schaffen. Die Tagestouristen aus Israel und dem Westjordanland stellten vor der zweiten Intifada im Jahre 2000 über die Hälfte der rund eine Million Touristen. Diese Einnahmequelle ist sehr bedeutend in einem Land, das keine Bodenschätze hat, nicht in Industrien investiert und in dem es selbst in Großstädten wie Amman vor Trostlosigkeit und Langeweile kaum länger als zwei Tage auszuhalten ist.
Quellen und weiterführende Informationen:
