
- IMSLP-5th-Anniversary-Banner - Petrucci Music Library
Ein Musikportal, das mittlerweile Tausende von Klassik-Noten und -Audiodateien zum Download bereithält, präsentiert sich den Nutzern weltweit als Petrucci Music Library (IMSLP). Der Gedanke, der dieser Seite zugrunde liegt, ist der kostenlose Down- und Upload von Musiknoten als pdf und Audiodateien in Form von mp3. Innerhalb kurzer Zeit ist das Portal zu einer der größten Quellen von Noten geworden. Der Upload von mehreren Tausend Dateien pro Monat ist beachtlich. Die Seite selbst bezeichnet die Philosophie wie folgt: „Unser Ziel ist die Schaffung einer virtuellen Bibliothek, die alle gemeinfreien Musikstücke enthält, sowie Musik von Komponisten, die ihre Werke der Welt gerne kostenlos zur Verfügung stellen möchten.“ Der Begriff „gemeinfrei“ ist hierbei aber mit Vorsicht zu genießen.
Von der Idee zur Umsetzung
Der Gründer Edward W. Guo rief die Seite 2006 mit damals 19 Jahren ins Leben. Bereits während seiner Kindheit in China ärgerte er sich darüber, wie wenig Orchesternoten zum Kauf zur Verfügung stehen. Später studierte er Komposition am New England Conservatory of Music in Boston und hatte besten Zugang zu Notenmaterial. Dennoch blieb die Erinnerung an den Mangel von Noten an ihm haften, so dass die Idee einer Datenbank digitaler Noten eines Winters Form annahm. Während nur eines Monats programmierte er das IMSLP (International Music Score Library Project). Unter dem Decknamen „Feldmahler“, ein Wortspiel aus den Komponistennamen Morton Feldman und Gustav Mahler, lud er die erste Datei hoch, so berichtet die New York Times, die mit dem Macher gesprochen hat.
Internetadresse und Open Source Character
Erreichbar ist die Originalversion der Seite unter der URL http://imslp.org/, die deutsche Variante unter http://imslp.org/wiki/Hauptseite. Die Abkürzung IMSLP bedeutet übrigens „International Music Score Library Project“.
Aufgebaut nach Wikipedia-Design entpuppt sich IMSLP als sogenanntes Mitmachweb. Mit diesem Wiedererkennungswert erleichtert es dem User an der Musikbibliothek aktiv mitzuwirken. Kostenloses Hochladen von Noten- oder Audiodateien, sowie deren Herunterladen, sind leicht machbar. Zumal der Nutzer eine Anleitung angeboten bekommt.
Upload und Download
Die Seite lebt von den Dateien, die User hochladen. Wer mitwirken möchte, kann genauestens in der „Kurzanleitung zum Einstellen von Noten“ die Vorgänge der Seite nachlesen. Mehrfach hervorgehoben ist der Link zur Seite „Urheberrecht einfach gemacht“. Hier wird das geltende Urheberrecht in Kanada (dem Standort der IMSLP Server), den USA und der EU genau beschrieben. Wer diese Rechte befolgt, hat grünes Licht für den Upload von Noten. Um die Qualität der Scans hochwertig zu halten, gibt es sogar eine Anleitung „Partituren scannen“. Wer einen künstlerischen Beitrag (Audiodatei) hinzufügen möchte, kann sich auf dem Künstlerportal schlau machen.
Aufbau der Seite und Navigieren nach Noten und Büchern
Die Seite ist hierarchisch aufgebaut und in viele Unterverzeichnisse gegliedert. Ein User, der nach Musik sucht, hat die Möglichkeit nach Noten und Aufnahmen zu stöbern.
Möchte der Nutzer nach Noten suchen, kann er sich in den Rubriken „Komponisten“, „Epoche“, „Nationalität der Komponisten“ und „Gattung, Instrumentierung oder Sprache“ kundig machen. Befindet er sich in der Rubrik „Komponisten“, findet er eine alphabetische Sortierung vor. Hier kann er sich auf Einzelseiten der Komponisten durchklicken.
Befindet er sich in der Sparte „Epoche“, eröffnet sich ihm eine Zeittafel (Antike, Mittelalter, Renaissance, Barock, Klassik, Romantik, Frühes 20. Jhd., Moderne), durch die er sich wiederum in die alphabetische Liste klicken kann.
Bei der Suchoption „Nationalität der Komponisten“ gelangt man zu einer weiteren alphabetischen Liste. Diese ist nach derzeit 71 Nationalitäten sortiert.
In der vierten Suchvariante, der nach „Gattung, Instrumentierung oder Sprache“, gelangt der Nutzer zu weiteren Untergruppierung. Der kann seine Suche fortsetzen nach „Werkart“, „Besetzung“, „Instrument“ und „Sprache". Auch hier findet man alphabetische Listen vor. Diese Kategorie bietet komplette Bücher zum Download an.
Navigieren nach Aufnahmen
Bei der Recherche nach Audioaufnahmen kann der Besucher mittels zweier Suchwege vorgehen. Zum einen klickt er sich über den Button „Komponisten“ auf der Startseite zur alphabetischen Unterseite der Komponisten. Zum anderen navigiert er auf die Verzeichnisseite der Künstler, wo Interpreten alphabetisch aufgelistet sind und auf deren jeweilige Einzelseite verlinkt ist.
Einzelseiten der Komponisten
Alle alphabetischen Übersichtsseiten sind auf die jeweiligen Unterseiten der Komponisten, Künstler usw. verlinkt. Exemplarisch erklären kann man dies am besten an einem Komponisten mit großem Repertoire, wie Beethoven. Der Gast der Seite findet externe Links zur Biographie des Künstlers oder einer Werkliste bei Wikipedia und interne Links zu einer Liste nach Opus-Nummern oder Klaviersonaten sowie zur Gesamtausgabe. Auch diese Seiten sind wiederum mit vielen weiterführenden Links versehen.
Ort der Download-Dateien
Weiter unten befinden sich die Links der Kompositionen Beethovens, von wo aus man zu den gewünschten Download-Dateien gelangt. Beim Klick auf das Werk „Für Elise“ findet man „Performances“ mit einem downloadfähigen mp3-file und den Inhaltsbereich „Scores“, der pdf Dateien der Noten zum Download anbietet sowie „Arrangements and Transcriptions“ zum gleichen Zweck.
Rechtliche Hintergründe
Die Möglichkeit kostenlos Audio- und Notendateien herunterzuladen, fürchten kommerzielle Musik Unternehmen sehr. Ihre Argumente: Es würde zwar keine direkte Bedrohung sein, aber die Verkäufe würden zurückgehen. Der Profit aus den Verkäufen helfe aber dabei, weitere Kompositionen zu veröffentlichen.
Schließlich legte die Universal Edition Europa im Jahr 2007 eine Unterlassungserkärung wegen Urheberrechtsverletzung vor. Da der Macher Guo nicht das Geld und die Zeit hatte alle betroffenen Dateien von der Internetseite zu nehmen, schloss er diese. Daraufhin reagierten User mit Empörung.
Die damals 15.000 hochgeladenen Notendateien ließ er mit Blick auf Urheberrechtsverstöße prüfen und gründete die Firma „Project Petrucci“, um sich von persönlicher Haftbarkeit zu distanzieren. Gleichzeitig werden die Nutzer darauf hingewiesen, auf das Urheberrecht ihres eigenen Landes zu achten. Seit Juli 2008 ist die Library wieder online. Genauer nachzulesen ist die rechtliche Komponente in der New York Times online.
Marketing und Merchandising
Zum 5-jährigen Jubiläum kann man ein IMSLP-Petrucci Music Library T-Shirt und eine Petrucci Music Library-Tasse online bestellen. Das Motiv entspricht dem Motiv des Homepagebanners. Die Noten stellt das Odhecaton von Ottaviano Petrucci dar, die am frühesten gedruckte polyphone Musik. Petruccy veröffentlichte sie 1501. Das T-Shirt ist in weiß oder blau erhältlich und kostet 9,99 Britische Pfund, die Tasse gibt es für 7,99 zu bestellen. Zwei Pfund aus jedem Verkauf werden für die Server und andere Kosten verwendet.
Quellen:
Artikel in der New York Times: Free Trove of Music Scores on Web Hits Sensitive Copyright Note (22. Februar 2011)
Homepage der Seite International Music Score Library Project
