Pferde aussacken - Nützliche Grundausbildung oder Schabernack?

Bitte nicht mit Gebiss - Nicole Köpke
Bitte nicht mit Gebiss - Nicole Köpke
Pferde aussacken ist ein wichtiger Grundstein der Pferdeausbildung, wird jedoch leider oftmals nicht angewendet. Lesen Sie, wie man es richtig macht!

Jeder Reiter wünscht sich ein sicheres Pferd, mit dem er nicht nur in einer begrenzten Halle seine Runden drehen kann, sondern um, wie es gerade viele Freizeitreiter lieben, einen schönen Ausritt ins Gelände zu machen. Aber nicht jedes Pferd erweist sich dabei als sicher. Schon eine wehende Plastiktüte im Busch kann ein unsicheres Pferd zum gefährlichen Durchgehen bringen. Auch ein gut erzogenes Pferd kann sich erschrecken und durchgehen, aber die Gefahr bei einer guten Grundausbildung ist geringer und die Chance größer, es wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Was ist Aussacken?

Der Begriff Aussacken stammt noch aus alten Tagen, als man Pferde an einem Pflock angebunden und mit allen Möglichen Schreckgespenstern konfrontiert hat. Meist nahm man einen mit Dosen gefüllten Sack dazu, so hatte man akustische wie auch visuelle Reize. Viel Zeit stand dabei nicht zur Verfügung, denn Zeit war Geld. Rücksicht auf das Pferd wurde in den wenigsten Fällen genommen, alles mußte schnell gehen. Das Pferd wurde also ohne große Vorwarnung mit den Schreckgespenstern konfrontiert. Wenn man überhaupt wert auf eine solche Ausbildung legte. Das Pferd wurde dabei wie schon beschrieben angebunden und hatte keine Fluchtmöglichkeit. Oftmals agierten mehrere Personen an einem Tier.

Der Nachteil dieser Methode liegt klar auf der Hand, psychischer Stress. Dieser Schuss kann nach hinten losgehen, denn durch diese Methode bekommt man kein gelassenes Pferd, sondern ein unterwürfiges, verängstigtes Pferd, das das Vertrauen in den Menschen schnell verloren hat.

Fluchttier Pferd - was gibt es zu beachten?

Das Pferd ist ein Herden- und Fluchttier. Doch auch zwischen Reiter und Pferd besteht eine Hierarchie, eine Rangordnung. Ist der Reiter der Ranghöchste, so bedeutet das, das das Pferd dem Reiter bedingungslos folgt. Dort ist es sicher, denn die Leitstute (nicht der Leithengst) zeigt der Herde immer den sichersten Weg, auch durch Gefahren. Die Instinkte des Pferdes lassen es bei Gefahr weglaufen, Abstand gewinnen, um dann die Lage zu begutachten. So ist es sicherer. Schließlich hatten sie in der freien Natur keine Zeit, erst dem Feind zu begegnen und dann zu fliehen. Die Flucht nach vorn sicherte dem Pferd sein Überleben und auch das der ganzen Herde.

Das geeignete Pferd - weder Rasse, Geschlecht noch Alter spielt eine Rolle

Beim Aussacken ist es unerheblich welcher Rasse das Pferd angehört, auch das Alter spielt keine Rolle oder welchen Geschlechts es ist. Dennoch sollte man möglichst schon vom Fohlen an mit dem Aussacken beginnen, natürlich dem Alter und Intellekt des Pferdes angepaßt. Aber auch wenn man ein älteres Pferd gekauft hat, kann man es ihm beibringen. Es lohnt sich immer. Ein Pferd muß auch kein besonders schlaues Pferd sein.

Grundsätzlich sollte das Pferd auf jeden Fall gesund sein, also keine körperlichen Schäden haben, durch das es durch die Übungen Schmerzen erleiden könnte.

Soll ein Pferd nicht geritten werden, sei es für immer oder durch eine Krankheit, so dient das Aussacken als willkommene Abwechslung und fördert zudem noch das Vertrauen ineinander. Ein besonders widerspenstiges Pferd sollte durch fachkundige Hände Schritt für Schritt an die verschiedenen Situationen herangeführt werden.

Methoden - spielerisch das Pferd an beängstigende Dinge gewöhnen

Der Reiter kann sich die natürliche Neugierde und den Spieltrieb des Pferdes zunutze machen. Wer sein Pferd kennt, weiß, wann es unter- aber auch überfordert ist. Beenden Sie eine Übung immer positiv und ohne Druck. Pferde merken sich das und sind dann auch beim nächsten Mal wieder begeisterter bei der Sache. Gehen Sie lieber wieder einen Schritt zurück, als einen zu voreilig nach vorn!

Es gibt mannigfaltige Möglichkeiten, ein Pferd an alles zu gewöhnen. Fangen Sie am Besten klein an. Schauen Sie anfangs, wie weit sie gehen dürfen. Sie sollten dabei allein und auf einem umzäunten Platz arbeiten. Zu der Ausrüstung komme ich noch weiter unten.

Nehmen Sie eine Plastiktüte, einen Regenschirm, Plane, Flatterband, Tonnen und was Sie so alles im näheren Umkreis finden. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Nun schauen Sie, was Ihr Pferd mitmacht und vor was es am Meisten Angst hat. Gehen Sie ruhig vor und loben Sie bei den kleinsten Erfolgen. Das Lob kann später und bei besserer Ausbildung reduziert werden.

Anfangs gehen Sie weiter weg und lassen das Pferd frei herumlaufen, während Sie die Utensilien vor sich aufbauen oder in der Hand halten und damit herumwedeln. So sieht es die vermeindliche Gefahr von Weitem und kann selbst und frei entscheiden, ob es sich ihr nähert oder eben nicht. Das Spiel spielen Sie so lange, bis Ihr Pferd entspannt vor Ihnen steht und keine Angst zeigt. Dies kann je nach Vertrauen und Pferdepersönlichkeit am ersten Tag sein, aber auch erst nach Wochen oder gar Monaten.

Der nächste Schritt wird sein, es daran schnüffeln oder damit spielen zu lassen. Aber immer frei. Später kann man das Schreckgespenst plötzlich auftauchen lassen, aber das dauert eine Weile. Bitte übereilen Sie nichts!

So gehen Sie weiter vor, mit allen Gegenständen, die das Pferd näher kennenlernen soll und vor denen es Angst hat. Später können Sie alles auch als eine Art Parcours aufbauen und kombinieren. Das macht Spaß und es können auch andere Reiter mit ihren Pferden mitmachen. So nutzt man den Herdentrieb und schreckhaftere Pferde lernen von den "Profis".

Wenn Ihr Pferd alles gut beherrscht, können Sie sich ins Gelände wagen, denn dort werden Sie sich ja häufig mit Ihrem Freizeitpartner aufhalten. Trecker, Kühe, Radfahrer, Holzhacker und spielende Kinder. Die Liste der für das Pferd offensichtlichen Gefahren ist lang und vieles, was uns als gar nicht beängstigend erscheint, kann dem Pferd das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Im Westernreitsport gibt es eine tolle Disziplin, in der solche Dinge vorkommen: der Trail.

Wie verhalte ich mich als Reiter und was gibt es zu beachten?

Der Reiter muß immer freundlich und konsequent bleiben und sollte dafür sorgen, das das Pferd mit einem positiven Gefühl aus der Übung entlassen wird. Leckerlies eignen sich sehr gut als Belohnung, es sollte jedoch vermieden werden, das das Pferd während der Übungen nur noch bettelt. Man kann z.B. die Hosentaschenseite wechseln, eine Gürteltasche nach hinten tragen oder andere Dinge ausprobieren.

Wägen Sie gut ab, wann eine strenge Hand nötig ist und wann Sie die "Zügel" auch mal locker lassen können!

Der Reiter sollte feste Schuhe tragen und gute, nicht zu dünne Handschuhe, möglichst aus Leder. Eine Reitkappe liegt im Ermessen des Reiters. Er kann zwar bei den Übungen nicht vom Pferd stürzen, jedoch bei einem ausschlagenden Pferd am Kopf getroffen werden. Des Weiteren darf der Reiter niemals den Strick um sein Handgelenk binden. Im Falles eines Durchgehens kann er sich schwere Verletzungen zuziehen bis hin zum Verlust der Hand, schließlich ziehen dann je nach Rasse bis zu einer Tonne und mehr an ihrem Handgelenk und der Führstrick zieht sich zu.

Quelle: Eigene Erfahrung

Die Reiterzeitschrift Cavallo hat eine kostenlose PDF-Broschüre herausgebracht