Durch ein nicht optimales Training können Pferde eine unausgeglichene Muskulatur zeigen. Im Laufe der Zeit entwickeln sie bestimmte Bewegungsgewohnheiten aufgrund ihrer Erfahrungen und daraus resultieren wiederum bestimmte Muskelbilder. Sie hängen von der Nutzung aber auch vom Temperament und der Rasse ab. Einflüsse auf den Muskelaufbau haben außer dem Reiter auch der Beschlag, die Haltung und Fütterung, bisherige Ausbildung und der Sattel.

Pferde und Muskelaufbau

Ein Pferd ist eigentlich nicht dazu geschaffen worden, um ein Reitergewicht auf seinem Rücken zu tragen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass sich ein Reiter/eine Reiterin in jeder Situation gut ausbalancieren kann. Idealerweise sollte im Bereich der mittleren Brustwirbelsäule gesessen werden, also nicht zu weit hinten. Wenn der Reiter seinen Platz zu weit hinten einnimmt, drückt das Gewicht direkt einen Reflexpunkt. Durch die ungewollte Stimulation kann der Vierbeiner in diesem Moment gar nicht anders reagieren und drückt sich automatisch weg.

Durch viel Bodenarbeit und das Gehen über Bodenhindernisse lernt das Pferd sich selbst mit dem Gewicht auf seinem Rücken besser auszubalancieren. Nach einigen Wochen kann man bereits sehen, dass sich die Muskeln im Umbau bzw. Aufbau befinden. Besonders gut ist dies auch bei jungen Pferden zu beobachten, die gerade ein- bzw. angeritten werden.

Der richtige Muskelaufbau beim Pferd ist eine Herausforderung

Der Trab ist die ideale Gangart, um muskuläre Defizite auszugleichen. Die gesamte Kondition wird beim Muskelaufbau gekräftigt und damit auch die Bauchmuskulatur so trainiert, dass sie in der Lage ist, den Rücken gut zu stützen. Der Bauchmuskel muss gut arbeiten, damit die Rückenmuskulatur lang werden kann. Dadurch wird es dem Pferd ermöglicht, sich frei zu bewegen, sodass es den Kopf in eine tiefe Dehnungshaltung bringen kann. Je tiefer der Kopf und der Hals fallen, desto mehr muss die Nasenlinie vor die Senkrechte. Ein Pferd vorwärts-abwärts zu reiten, entspricht dem klassischen Weg der Ausbildung. Wenn das Pferd gut vorwärts geht, dehnt es dabei seinen Hals und gibt den Rücken her, das wiederum hat zur Folge, dass die Nackenmuskeln richtig arbeiten und sich der Hals von selbst formt.

Pferde mögen Abwechslung beim Muskeln aufbauen

Das optimale Ausbalancieren über alle vier Füße,Takt und Losgelassenheit müssen geschult werden. Die Entwicklung der Rückenmuskeln erfordert einen freien und taktmäßigen Gang und die Losgelassenheit des Rückens. Förderlich für diese Muskulatur sind auch Angaloppieren aus dem Trab, Tempowechsel und nicht ebenes Gelände.

Das Pferd und der richtig Muskelaufbau fordern den Reiter

Der Galopp ist zur reinen Kraftbildung da. Hinterhand- und Vorhandmuskeln werden durch lange ruhige Galoppaden und Reiten in unebenem Gelände und Klettern kräftiger. Die Muskulatur der Hinterhand wird durch häufiges Angaloppieren und versammelnde Übungen gekräftigt. Es dauert ungefähr acht bis zwölf Wochen, bevor ein Pferd (wieder) muskulär auf der Reihe ist. Nicht nur beim Muskelaufbau für Pferde spielt die biologische Halbwertzeit eine wichtige Rolle. Die Muskulatur, die stützt, schützt und bewegt, braucht eine bestimmte Zeit, um in vernünftigem Maße aufgebaut zu werden. Arbeit am Boden, Doppellongenarbeit und Führarbeit nach Linda Tellington-Jones sind immer hilfreiche Übungen.

Eine regelmäßige Kontrolle des Muskelbildes hilft dem Reiter zu erkennen, ob das Training für den Muskelaufbau richtig oder falsch ist. Beim Aufbau der Muskulatur ist außerdem zu berücksichtigen, dass sich der Körper des Pferdes verändert und die Passgenauigkeit des Sattels in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden muss, um Satteldruck mit seinen unangenehmen Folgen zu vermeiden.

Aufhören vor dem Ermüdungspunkt

Eine Schwierigkeit beim Training ist das rechtzeitige Aufhören vor dem Erreichen des Ermüdungspunktes, ihm aber doch relativ nahe zu kommen, um trotzdem eine bestimmte Leistung zu erreichen. Ist das Pferd erst müde, beginnt es den Rücken wegzudrücken, das muss auf jeden Fall vermieden werden. Beginnt das Pferd während des Muskelaufbaus plötzlich zu lahmen ist dies eindeutig ein Zeichen für das falsche Training. Sehnenschäden und Gelenkprobleme sind ebenfalls ein Indiz für häufiges Arbeiten über den Ermüdungspunkt hinaus. Erst nach ungefähr drei Monaten ist die Muskulatur so gefestigt, dass Pferde die drei Grundgangarten gut beherrschen. Sie gehen mit einem Reiter ins Gelände und können das Gewicht gut tragen, ohne dass sich gesundheitliche Probleme einstellen.

Beim Muskelaufbau eines Pferde kann Ergänzungsfutter nötig sein

Da jeder Organismus anders arbeitet, ist es eventuell nötig, das Training/die Muskulatur mit entsprechendem Zusatzfutter zu unterstützen. Das Futter sollte auf jeden Fall genug Magnesium enthalten. Der erfahrene Reiter/Pferdetrainer muss das Verhalten seines Pferdes immer genau beobachten. Bei der Berechnung der Futtermenge ist zu berücksichtigen, ob sich das Pferd noch beim Muskelaufbau oder schon in der Erhaltungsphase befindet. Zu viel Mineralfutter kann sich ebenso negativ auswirken wie zu wenig.

Um bei einer stärkeren Belastung auch die Gelenke zu unterstützen, kann es sinnvoll sein, dies mit Hilfe von Hyaluronsäure zu tun. Olympiatierarzt Dr. Björn Nolting: "Hyaluronsäure setzen wir nicht nur bei bereits bestehenden Gelenkerkrankungen, sondern auch vorbeugend mit großem Erfolg ein."

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Quellen:

  • Al Thawi, Ausbildungszentrum und Vollblutarabergestüt, Tatiana Peter, Melle
  • Der Reiter formt das Pferd, Udo Bürger-Otto Zietzschmann, FN Verlag
  • Brigitte Schulz, Pferdetrainerin vom Immenhof