
- Bauer beim Pflanzenschutz - Rainer Sturm / pixelio.de
Hersteller von Pestiziden versichern all zu gerne die „Umweltverträglichkeit“ ihrer Produkte, Konsumenten verlassen sich oft auf dieses Urteil der Industrie. Aber das Risiko der Wirkungen und Nebenwirkungen auf Menschen, Tiere und ganze Ökosysteme ist oft nicht einmal gänzlich erforscht.
Anreicherung von Pestiziden in der Nahrungskette
Die konventionelle Landwirtschaft setzt immer noch auf den großflächigen Einsatz chemisch synthetischer Pflanzenschutzmittel, also auf Gift. Und dieses landet mitunter auf den Tellern der Verbraucher. Unter Bioakkumulation wird die Anreicherung von Stoffen in der Nahrungskette verstanden. Vögel, die vergiftete Insekten fressen, werden selbst vergiftet und erleiden damit eine Sekundärvergiftung. Dies trifft ebenso Fische, die in Gewässern leben, wo Pestizide aus Flüssen oder durch das Grundwasser eingeschwemmt werden. Werden die Fische für den menschlichen Verzehr gefangen, schließt sich der Kreis zum Konsumenten. Die Anwendung von Pestiziden stellt immer einen Eingriff in ein Ökosystem dar. Und manchmal stellt sich erst nach jahrelangem Einsatz einer Chemikalie deren Gefährlichkeit heraus. Rückstände von DDT wurden noch Jahre, nachdem der Einsatz in Europa verboten wurde, in Obst, Gemüse, Grundwasser und Muttermilch nachgewiesen.
Kein zielgruppenspezifischer Einsatz von Pestiziden
Die zielgerichtete Ausbringung von Pestiziden ist niemals vollständig gewährleistet. Häufig treffen zum Beispiel Insektizide nicht nur die eigentliche Zielgruppe, sondern vernichten auch die Nützlinge, die ihren biologischen Beitrag zur Schädlingsbekämpfung damit nicht mehr leisten können. Das ökologische Gleichgewicht gerät immer weiter aus den Fugen. Durch Auswaschungen oder Verwehungen durch den Wind gelangen die Pestizide auch an Orte, wo sie gar nicht sein sollten. Ein Bio-Feld, in Mitten von Feldern die nach konventionellen Methoden bewirtschaftet werden, wird gewissermaßen mit Pestiziden zwangsbeglückt. Aber auch Ökosysteme abseits von landwirtschaftlich genutzten Flächen partizipieren zwangsläufig an der Verbreitung der Chemikalien durch Wind und Wasser. Ein Rodentizid (Nagetiergift), das in Häusern ausgebracht wird, kann für die eigenen Kinder oder Haustiere gefährlich werden. Das heimtückische an diesen Giften ist, dass sie erst zeitverzögert nach der Einnahme wirken. Eine Zuordnung, woher die Vergiftung stammt, ist danach oft schwierig.
Gesundheitsgefährdende Wirkung von Pestiziden
Bei vielen Pestiziden ist mittlerweile die krebserregende Wirkung bestätigt, dennoch sind sie immer noch in Verwendung. Auch Auswirkungen auf den Hormonhaushalt sind möglich. Durch Langzeitstudien wurde inzwischen sogar bewiesen, dass selbst Kinder von Müttern, die während ihrer Schwangerschaft einer Pestizidbelastung ausgesetzt waren, häufiger an Krebs erkranken. Betroffen sind davon sehr häufig Brust- und Hodenkrebs, deren Anzahl in den letzten 40 Jahren stark gestiegen ist. Manche Mittel sind als erbgutschädigend und fortpflanzungsschädlich bekannt, oder wirken als Nervengift und beeinträchtigen das Immunsystem. Einige Mittel, wie zum Beispiel das Ameisengift Chlorpyrifos, sind derart giftig, dass sie aufgrund von Vergiftungs- und Selbstmordfällen in einigen Ländern bereits verboten wurden.
Neue EU-Verordnung über Pestizide (Juni 2011) und Notfallerlasse
Im Juni 2011 tritt eine neue EU-Verordnung in Kraft, die die Konsumenten besser gegen giftige und krebserregende Pestizide schützen soll, aber gleichzeitig ein Hintertürchen für Industrie und Landwirtschaft für den Einsatz von verbotenen Pestiziden im Notfall offen lässt. Durch so genannte Notfallerlasse dürfen nicht mehr zugelassene und gefährliche Pestizide nämlich wieder verwendet werden. Die Industrie schreckt auch nicht davor zurück, ihre gesundheitsgefährdenden Chemikalien in Nicht-EU-Staaten weiter zu verkaufen.
Quelle:
- Österreichische Umweltschutzorganisation GLobal 2000: Umweltmagazin; Webauftritt von Global 2000, 2011
- Kreuter, Marie-Luise: Der Bio-Garten, Verlag: BLV, 2004
- Tributsch, Ingrid u.a.: Natur-Nische Hausgarten, Naturnaher Pflanzenschutz und Nützlinge in Haus und Garten; Herausgeber: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, 2005
