
- Grunerstraße defekte Fahrbahn zur Jülicherstraße - Jörg Tilmes
Schon seit den 1970er-Jahren hat es Überlegungen in Düsseldorf gegeben, eine neue U-Bahn-Linie quer durch die Stadt zu bauen. Sie sollte den Kernbereich der Innenstadt unterqueren und den Stadtteil Bilk besser mit der City verbinden. Der Bau der insgesamt 3,4 Kilometer langen Strecke wurde 1999 vom Rat der Stadt beschlossen und soll 494,4 Millionen Euro kosten. Darin sind 343 Millionen Euro Zuwendungen von Bund und Land enthalten und auch Planungskosten (33,4 Mio), Grunderwerb (5), Baubetreuung und Bauüberwachung (7,5) eingeschlossen. Aber geht dieses imageträchtige Bauvorhaben zu Lasten der Sanierung der Stadtteilwege?
Düsseldorf, Grunerstraße: Eine Straße mit gefährlicher Oberflächenbeschaffenheit
Der Stadtteil Düsseltal wird von der Bevölkerung auch Zooviertel genannt. Dies deswegen, weil auf dem Gelände des heutigen Zooparks der frühere Tierpark beheimatet gewesen ist. Direkt am Zoopark verläuft die Grunerstraße: Eine vorbildlich glatte Fahrbahn, an deren Rand teure Eigentumswohnungen stehen. Doch das weniger nobel bebaute Teilstück zwischen Brehmstraße in Richtung Kreuzung Grunerstraße / Ahnfeldstraße verärgert die Autofahrer erheblich. Die Oberfläche der Fahrbahn ist zerklüftet, stark beschädigt und beeinflusst mittels starker Spurrillen das Fahrverhalten der Kraftfahrzeuge.
Gerät ein Wagen mit seiner Bereifung in eine der Spurrillen auf dem Teilstück der Grunerstraße, das an der Einmündung Windscheidstraße einen Linksknick zur Kreuzung Grunerstraße / Ahnfeldstraße macht, kann es dazu kommen, dass das Fahrzeug nicht der vom Fahrer vorbestimmten Richtung folgt, sondern die Fahrspur verlässt und mit einem danebenfahrenden Wagen kollidiert. Die Grunerstraße ist nämlich auf diesem Teilstück in beiden Fahrtrichtungen zweispurig. Sie gilt als Querverbindung zwischen den Stadtteilen Pempelfort und Mörsenbroich, wobei sie durch Düsseltal führt. Entsprechend hoch ist das Verkehrsaufkommen.
Düsseldorf, Grunerstraße: Neben der Sicherheit ist auch der Fahrkomfort geschmälert
Während Düsseldorf sich in den Medien und der Fachwelt des Straßenbaus der Erfindung des Düsseldorfer Flüsterasphalts rühmt – der in der Tat eine Senkung des Geräuschpegels beim Befahren bietet – so erleben die Autofahrer, die das vorstehend beschriebene und defekte Teilstück der Grunerstraße in Richtung Jülicherstraße befahren, ein Rumpeln und Poltern, als wären sie auf einer Straße in einem Kriegsgebiet unterwegs. Zeuge Uwe T. aus Solingen: „Ich dachte, es reisst mir den Lenker aus der Hand und irgendwas am Auto sei zerbrochen.“ Der Mann fährt immerhin eine Luxuslimousine, die normalerweise die Straßenoberflächenbeschaffenheit wegbügelt.
Düsseldorf, Grunerstraße: Die Gegenfahrbahn ist glatt wie der sprichwörtliche Kinderpopo
Aberwitzig und sachlich nicht nachvollziehbar ist angesichts des schlechten Zustandes der einen Seite der Grunerstraße in Richtung Jülicherstraße der Zustand der Gegenfahrbahn. Diese wurde nämlich von der Kreuzung Grunerstraße / Ahnfeldstraße an dermaßen gut, vollständig und perfekt saniert, dass von der Fahrbahn in einem Wagen nichts zu spüren ist. Glatt wie der sprichwörtliche Kinderpopo präsentiert sich das Teilstück der Grunerstraße von der vorgenannten Kreuzung bis hin zur Kreuzung Brehmstraße; aalglatt und auf dem neuesten Stand. Aus welchem Grund die Gegenfahrbahn nicht saniert wurde, konnte seitens der Stadt nicht in Erfahrung gebracht werden.
So sind es zwei Welten, die sich dem Zeitgenossen mit dieser Momentaufnahme zeigen: Einerseits pumpt die Stadt Düsseldorf Millionen in das Prestigeprojekt Wehrhahnlinie, vernachlässigte zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Artikels aber die Pflege ihres bestehenden Straßennetzes. Zwar wurde zeitgleich auch der Zubringer zur Autobahn A52 mit neuem Flüsterasphalt versehen, der nur wenige Autominuten entfernt zur Grunerstraße liegt, aber dieses Zubringerteilstück war bei weitem nicht so stark beschädigt und gefährlich, wie die defekte Oberfläche der Grunerstraße des hier besprochenen Teilstücks es ist. Müssen erst Menschen und Fahrzeuge zu Schaden kommen, bevor die Stadt eingreift und an dieser Stelle nachbessert?
