Vergleich "Phaeton" vs. "S-Klasse" en miniature

Luxusklasseduell: Volkswagen gegen Mercedes im Maßstab 1:18

Phaeton 1:18 von AutoArt - Jörg Tilmes
Phaeton 1:18 von AutoArt - Jörg Tilmes
AutoArt verkleinert den Phaeton von Volkswagen und die Baureihe W221 von Mercedes. Ein Vergleichstest in der Luxusklasse der Modellautowelt.

Ferdinand Piech, der geniale Ingenieur, der die Marken Audi und Volkswagen zu dem gemacht hat, was sie heute sind, stellte im Jahr 2002 sein Meisterstück vor: Der Phaeton sollte gegen die Luxuslimousine von Mercedes, die S-Klasse, antreten.

Der Phaeton

Für ihn wurde in Dresden eigens die "Gläserne Manufaktur" gebaut. Der Phaeton beeindruckt durch hochwertige Verarbeitung und bietet sechs bis zwölf Zylinder. Das Interieur mit seinen Hölzern und Ledern legt ein Zeugnis dessen ab, was in Sachsen an handwerklichem Können seit langem zu Hause ist. Piech hatte Erfahrung mit der Einführung neuer Luxusklasseautos. 1988 hat er den Audi V8 etabliert: Ein Achtungserfolg, aus dem 1994 der Audi A8 erwuchs, dessen Nachfolger mittlerweile sehr erfolgreich ist. Vom Phaeton sind zwar mehr Autos verkauft worden, als vom ersten Luxusaudi, doch als kommerzieller Erfolg gilt er nicht. Doch vorsicht! Letztlich bildet der Phaeton die technische Basis für die Baureihe des Bentley Continental GT und dessen Cabrioletversion sowie des Viertürers, dem Continental Flying Spur. Da diese Ableger des Phaeton höchst erfolgreich und profitabel laufen, ist es durchaus möglich, dass der Phaeton insgesamt positiver bilanziert, als seine eigenen Zulassungszahlen vermuten lassen.

Die Mercedes S-Klasse, Baureihe W221

Die S-Klasse von Mercedes-Benz ist seit Jahrzehnten das Fahrzeug, an dem sich alle Wettbewerber in diesem Segment messen lassen müssen. Gab es 1991 Kritik am W140 wegen seiner Dickleibigkeit oder 1998 Kritik an dessen Nachfolger W220 wegen der teils billigen Plastikausstattung – den Verkaufserfolgen tat dies alles keinen Abbruch. Der aktuelle Mercedes "S" wurde 2005 vorgestellt: Kritik gibt es keine! Die Limousine gewinnt nicht nur alle Vergleichstests, sondern führt auch in der Zulassungsstatistik: 2008 wurden 8.077 S-Klasse (28,9 Prozent Marktanteil) gegenüber 2.957 Phaeton (10,6) in Deutschland zugelassen.

Die schnörkellose Linienführung wirkt zeitlos und repräsentativ. Qualitativ hochwertig auch die Wahl der Innenraummaterialien: Holz, Leder und Verarbeitung werden dem Anspruch, den der Kunde an ein solches Fahrzeug stellt, gerecht. Vom sparsamen Sechszylinderdiesel bis zum V12 bietet die S-Klasse für jeden Bedarf den richtigen Motor. Sportliebhaber greifen zum S65 AMG. Bisher gibt es nur das Coupé CL als direkten Ableger; auf dessen Cabrio wartet die Welt. Der Ocean Drive, eine viertürige Cabrioletstudie auf Basis des S600, zeigt, was man aus der S-Klasse machen könnte, wenn man den Mut dazu hätte ...

Der Phaeton in 1:18 (etwa 28 cm lang) trifft die Linienführung seines Vorbildes nahezu perfekt

AutoArt hat von Volkswagen den Auftrag erhalten, den Phaeton in 1:18 zu verkleinern. Das Modellauto für etwa 53,00 Euro gibt die Proportionen seines Vorbildes exakt wieder. Die Lackierungen in blau-, silber- und schwarzmetallic sind hochwertig. Vier zu öffnende Türen sowie ein detalliert ausgeführter Zwölfzylinder und ein zu öffnender Kofferraum sind serienmäßig. Die Holzdekorationen und das Holzlenkrad wirken edel und sind vorbildgerecht nachempfunden. Kühlergrill, Verchromungen und VW-Zeichen am Heck überzeugen ebenfalls durch Detailtreue und Paßform. Die Verglasung sitzt perfekt. Die Bedruckungen der Scheiben sind ebenso fein ausgeführt, wie die Ausstattung der Instrumenten- und Skalenbedruckung. Die Chromleisten außen sind filigran umgesetzt. Die Türgriffe einzeln aufgesetzt. Auch die Chromumrandungen innen (Lüftungsdüsen, Schalter, Armlehnen) stimmen mit dem Vorbild überein. Die Verkleinerung der Hinterachse glänzt durch eine unglaublich detailgenaue und mehrfarbige Umsetzung. Der Teppichboden im Fahrgastraum ist mit Filz nachempfunden.

Die S-Klasse in 1:18 bietet nur zwei zu öffnende Türen: Der Fond bleibt geschlossen

Kein Teppich in der S-Klasse! Was im Original undenkbar wäre, hat Mercedes bei der Verkleinerung durch AutoArt offenbar als verschmerzbar hingenommen. Die S-Klasse als Werbemodell in 1:18 für rund 40,00 Euro punktet durch eine perfekte Übereinstimmung ihrer Anmutung mit derjenigen des Vorbildes. In der Farbe cubanit silber, einem beigemetallic mit Gold-Stich, wirkt das Modell hochwertiger, als in hellem standard- (iridium-) silber oder schwarz. Verchromungen, der Grill und der Motor sind detailliert verkleinert. Dass es bei AutoArt nur einen gedruckten Stern auf dem Heck anstatt ein separates Fotoätzteil gibt, ist nicht nachvollziehbar.

Die beiden Luxuskreuzer im Vergleich

Der Formenbau hat beim Mercedes-Modell eine Spur detailverliebter gearbeitet. Die Paßgenauigkeit bei Türen, Türgriffen, Scheinwerfern und Grill ist ein Hauch sorgfältiger ausgeführt, als beim Phaeton. Nicht zu öffnende, verglaste Schiebedächer haben beide Modelle. Dass der Mercedes die Fondtüren nicht öffnen kann, wäre für Fans ein Grund, für etwa 99,00 Euro das Fachhandelsmodell von AutoArt zu kaufen. Dieses bietet nebst einer besseren Innenausstattung auch zu öffnende Türen hinten. Die Nachbildung von Motor, Unterboden, Achsen und Getriebe ist beim Phaeton besser, weil detailreicher, ausgeführt. Reifen sowie Felgen überzeugen bei beiden Modellen. Punktabzüge gibt es für die geringe Haltbarkeit: Nach drei Jahren fallen beim unbespielten Phaeton die Spiegel ab. Die Nummernschilddecals lösen sich auf. Der Heckdeckel arretiert nicht mehr.

Wenn einmal ein Phaeton oder eine S-Klasse in 1:18 bei eBay zur freien Versteigerung kommt, erzielen sie teilweise Preise um die 30,00 € (Mercedes) und zwischen 69,00 Euro und 101,00 Euro beim Phaeton! Am Ende überzeugt der Phaeton, weil Exterieur und Interieur besser ausgearbeitet sind, als beim Standard-Mercedes. Auch der Unterboden des Phaeton bietet mehr Detailtiefe.

Was noch fehlt ist der Hinweis, dass beide Modelle auch im Maßstab 1:43 (etwa 12 cm) zu haben sind

Minichamps hat den "Ferdicedes“ (Zitat ModellFahrzeug) im Jahr 2002 qualitativ besser verkleinert, als AutoArt den W221 im Jahr 2005 in diesem Maßstab. Der Volkswagen wirkt auch hier hochwertiger, als der speziell in der Front unruhig wirkende Benz. Vom Phaeton fertigt Minichamps auch die Faceliftversion aus 2007. Beide Modelle kosten bei den Niederlassungen etwa 24,00 Euro. Ferdinand Piech dürfte sich freuen: Es steht also 2:0 für die kleinen Phaeton aus der Gläsernen Manufaktur Dresden im Duell gegen Stuttgart.

Für Porsche greift Jörg Tilmes selbst zum Lappen, Jörg Tilmes

Jörg Tilmes - Was Sie von mir an dieser Stelle erwarten dürfen? Artikel zu Themen aus dem Bereich der Fernsehbranche, mit der ich seit 1999 ...

rss