Philippe Jarbinet: Airborne 44, Band 2

Airborne 44 Bd. 2 - Salleck Publications
Airborne 44 Bd. 2 - Salleck Publications
Im spannenden Abschlussband seines lehrreichen Zweiteilers „Airborne 44" lässt Philippe Jarbinet den Krieg über seine Charaktere hereinbrechen

Der Krieg kommt doch. Während Philippe Jarbinet im Auftaktband zu seinem Kriegscomic Airborne 44 Bd. 1 „Da wo die Männer fallen…“ den Krieg weitestgehend noch außen vor gehalten hatte, löst er nun doch alle Dämme. Und das ist gut so. Während die Inszenierung von Normalität und Alltag im Zweiten Weltkrieg im ersten Band noch überraschend gelang, wäre eine nahtlose Fortsetzung desselben vielleicht etwas vorhersehbar geworden. Doch der Autor und Zeichner von Airborne 44 hatte ganz andere Pläne.

Für uns gibt es kein Morgen…

Gabrielles Ehemann, Egon Kellermann, kehrt zur Überraschung aller zurück zu seiner Frau. Mit im Gepäck führt der Heimkehrer schockierendes Beweismaterial über die unvorstellbaren Gräueltaten aus den Konzentrationslagern. Doch er hat eine Film-Dose verloren, weswegen er auf der Flucht vor der SS ist, die dann tatsächlich auftaucht.

Der deutschstämmige GI Luther C. Jepsen plant eine Falle und die Flucht gelingt zunächst. Doch bei der Flucht gerät der jüdische Junge Luis in die Fänge der SS. Hinzu kommt, dass Egon Wind von dem Verhältnis zwischen Luther und Gabrielle bekommen hat. Die Situation steht auf Messers Schneide: Können die GIs und die Kellermanns den Bruder von Rachel retten?

Historie in Sprechblasen

Der Autor Jarbinet schaffte es auf unterhaltsame Weise verschiedene Facetten des Zweiten Weltkriegs zu inszenieren. Dabei gelingt ihm ein schwieriger Balanceakt: Die Story wird fesselnd ohne jedoch reißerisch zu werden, sie wirkt authentisch ohne den Leser mit Fakten zu „überfluten“, sie konkretisiert Geschichte anhand von erfundenen Einzelschicksalen.

Unbeschreibliche Szenen des Holocausts fließen im zweiten Airborne 44-Band genauso ein, wie Hinweise auf die so genannten Malgré Nous – Zwangsrekruten, vor allem aus Elsass und Lothringen – oder den Strukturen und Strategien des Militärs – auf beiden Seiten. Hinzu kommt noch ein Schuss Romanze, wobei hier der belgische Comickünstler nicht zu dick aufträgt und die Erinnerung im Vordergrund bleibt.

Authentizität und Detailtreue

Jarbinet führt als Zeichner wie bereits im ersten Band einen detailierten und realistischen Strich. Bei der Kolorierung ist er ebenfalls auf Authentizität bedacht: leicht nuancierte und gedämpfte Farbtöne dominieren das gelungene Artwork. Dabei hat der Museumsdirektors Philippe Gillain alle historischen Aspekte genauestens überprüft.

Herausgekommen ist eine unterhaltsame und lehrreiche Kriegsserie, die nicht nur Geschichtscomic-Lesern zu empfehlen ist, sondern ebenso bestens für Liebhaber spannender und gehobener franko-belgischer Comics geeignet sind. Damit geht die erste von drei Kriegsserien, die Salleck Publications 2010 begonnen hat, 2011 zu Ende zu Ende gegangen. Alle drei Serien thematisieren Liebe in Zeiten des Krieges.

Philippe Jarbinet: Airborne 44, Bd. 2 – Für uns gibt es kein Morgen… Salleck Publications, 2011. Hardcover, 48 Seiten. Euro: 12,90.