Philosophieren mit Kindern.

Wieso, weshalb, warum? Fragen sind manchmal wichtiger als Antworten.

Das, was Kinder auszeichnet, ist eine unbändige Neugier und ein meist unverstellter Blick auf ihre Umwelt. Davon können auch Erwachsene noch viel lernen.

Die Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München bietet seit dem Wintersemester 2008/2009 einen Weiterbildungsstudiengang an, um Kindern schon vom Kindergarten an das philosophische Denken näher zu bringen. Wie aber passt die hochtheoretische Art der "Seinserkenntnis" mit einer kindlichen Sicht auf die Welt zusammen? Ideal - wie es scheint, denn im Kern haben Philosophen und KInder dasselbe Anliegen: Sie wollen durch Fragen die Welt verstehen lernen.

Im Vordergrund des neuen Studiengangs steht das "Philosophieren als Bildungsprinzip und Kulturtechnik", also die Vermittlung eines "einrichtungsübergreifenden, interkulturellen und Fächer verbindenden Lernens". Dabei dient die "philosophische Gesprächskultur der Sinnorientierung, der Wertebildung und der Demokratieerziehung. Sie fördert eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsbildung sowohl bei Kindern, als auch bei Lehrkräften", so heißt es in der Beschreibung der Hochschule zu den Zielsetzungen der Ausbildung.

Was bedeutet Philosophieren?

Damit ist das Philosophieren alles andere als trockene Theorie, sie geht von ihrer ursprünglichen Idee aus, einer "Liebe zur Weisheit", die die Welt voller Neugier und Wachsamkeit betrachtet. Ihre tägliche Arbeit besteht darin, Fragen an diese Welt zu stellen, neugierig zu bleiben und keine Scheinargumente als Erklärung der Welt hinzunehmen. An dieser Stelle sind es meist sogar die Kinder, die diese Technik deutlich besser beherrschen als die Erwachsenen. Dennoch führt erst eine philosophische Anleitung zu einer Sinnorientierung in all den kindlichen Fragen, zu einem fühlenden Erkennen und selbständigen Handeln.

Kinder können also oft gar nicht anders, als philosophisch mit der Welt umzugehen, wenn wir sie denn lassen, wenn wir wertschätzen, was sie mit ihrem unverstellten Blick für Wahrheiten ans Licht zaubern – auch wenn uns das manchmal gar nicht gefällt, wenn es Zeit kostet und die Schuhe dabei nass werden.

Was lernen Kinder von der Philosophie?

Im Gegensatz zu Eltern und Erziehernoder Fachlehrern können philosophisch ausgebildete Pädagogen aber den Raum für Gespräche eröffnen, die Gedanken der Kinder ernst nehmen und damit ihr Frageverhalten fördern. So lassen sich Lerninhalte vertiefen und neue Perspektiven ausprobieren, die häufig in den spezifischen Fächern keinen Raum finden. Das gemeinsame Philosophieren fördert in darüber hinaus die Sprachentwicklung der Kinder, schärft ihren Blick für andere "Denkmuster- oder Möglichkeiten" und stärkt auch dadurch ihr persönliches Urteilsvermögen.

Damit fördert das philosophische Denken und Handeln eindeutig die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern - aber in einem völlig anderen Sinn als das, was gegenwärtig durch eine Flut inhaltlicher Angebote auf Eltern und Kinder einströmt. Es geht nicht um das Erlernen spezifischer Kompetenzen, sondern um den selbst-bewussten Umgang mit sich selbst. Wir brauchen keine Geige spielenden Wunderkinder, die mit 5 Jahren zwei Sprachen sprechen und drei Sportarten beherrschen, sondern stabile Persönlichkeiten, die soziale Kompetenzen für eine Selbstverständlichkeit halten, die Konflikte austragen können und sich auf dem Schulhof behaupten können, ohne sich ihren Stellenwert durch das neueste Computerspiel oder die teuersten Fussballschuhe erkaufen zu müssen.

Philosophie als Lebenspraxis

Damit ist das Anliegen einer Philosophie mit Kindern und für Kinder die Stärkung dessen, was sie selbst mitbringen, was ihnen wichtig ist und das philosophische Arbeiten unterstützt sie darin, Ausdrucksformen und Fragestellungen zu finden, die ihnen Orientierung bieten - auch im Umgang mit Eltern und Lehrern. Darin liegt die große Chance, dass es nicht nur die Erwachsenen sind, die den Kindern die Welt erklären, sondern dass auch wir "Großen" einmal auf das hören lernen, was unsere Kinder von einer Welt halten, die ihnen ebenso gehört wie uns.

Dr. Ina Schmidt, Ina Schmidt privat

Ina Schmidt - Dr. Ina Schmidt Jg.1973, Studium der Kulturwissenschaften an der Universität Lüneburg, Promotion und Lehre im Fachbereich ...

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