
- Filmausschnitt - Andrei Tarkowski
Man kann ja über die Russen sagen, was man will, doch eines können sie bestimmt: Weltklasse Science-Fiction Romane schreiben! Russland, neben den USA, eines der Väterländer heutiger Phantastik und Science-Fiction-Literatur, brachte am 28.08.1925 und am 15.04.1933 zwei wegweisende Brüder mit Namen Arkadi und Boris Strugazki hervor.
Wie zwei Brüder ein Genre mitprägten
Obschon beide viele Werke verfassten und veröffentlichten und diese auch verfilmt wurden, soll es uns hier rein um das 1971 entstandene Werk "Picknick am Wegesrand" und seiner Ausläufer, dem Film "Stalker" und der gleichnamigen Computer-Spielreihe, gehen.
Die Außerirdischen kamen und gingen wieder
Die Grundstory ist zwar schnell erzählt, verblüfft aber auf den ersten und erst recht auf den zweiten Blick: Außerirdische sind im Umland der Stadt Harmont gelandet und hinterließen seltsame Anomalien und Artefakte. Schnell wird die Wissenschaft und das Militär natürlich darauf aufmerksam. Der Clue dabei: Von den Besuchern fehlt jedoch ansonsten jede Spur. Eine Groß-Zone rund um die Stadt wird errichtet, in der jedwede Naturgesetze aufgehoben scheinen (Die Zone ist das Sperrgebiet in und um das eigentliche Areal). Der Protagonist des Werkes ist Roderich Schuchart, einer der illegalen "Schatzsucher", die sich unerlaubt Zugang zur Zone verschaffen, um die kostbaren Artefakte für zahlende Kunden zu bergen. Schnell entstehen aber auch Gerüchte in und um die Zone. So soll es einen magischen Gegenstand (eine goldende Kugel) geben, die einem jeglichen Wunsch erfüllen kann...
Wirklich exzellent dabei ist, wie die Gebrüder Strugazki die Menschheit in Ihrem Werk nahezu ahnungslos lassen. Keiner weiß, woher die Fremden kamen, wohin sie gingen, wieso sie da waren, oder wie man mit der Zone "korrekt" umgeht. So bleibt eine nette Interpretation für den Titel offen: Man stelle sich vor, Menschen machen ein Picknick, der Abfall und die Wertstoffe die dabei runterfallen, mögen für allerlei Getier genauso wirr und eigenartig erscheinen, wie für die Menschen im Buch...
Es folgte der Film "Stalker"
1979 folgte dann, unter der Führung von Andrei Tarkowski mit dem Drehbuch der beiden Brüder als Basis, der "Kunst-Film" Stalker.
Zugunsten der Vorstellungen von Herrn Tarkowski wurde die Handlung jedoch abgeändert. Anstatt des magischen Gegenstands, der alle Wünsche erfüllt, ist es jetzt nun ein Wunschzimmer. Für Schatzsucher wird nun der prägende Begriff "Stalker" verwendet, welcher zwei weitere Personen, einen Autor und einen Wissenschaftler begleitet. Grundlegend geht der Film aber eher auf Finalfragen ein, wie: Welche Konsequenzen hat der Charakter des Menschen, der das Wunschzimmer betritt ? Welche Rolle spielt das Unterbewusstsein usw. Von Art und Weise sowie Ausführung können sich nur wenige Regiesseure messen: unter anderem Stanley Kubrick. Mit sehr gedehnten und ausladenden Kamerafahrten sowie dem Charme des zerfallenenden Sozialismus und seiner Architektur schafft dieser Film eine einzigartige Atmosphäre.
Die Computer-Spiel-Reihe "Stalker"
Wir schreiben inzwischen das Jahr 2007. Die PC-Spiel-Schmiede "GSC Gameworld" nahm sich bei ihrem aktuellen Titel des Themas des Urspungswerkes an. Wieder wurde die Handlung abgeändert. Unser Protagonist heißt nun: Strelok. Strelok, einer jener toughen Stalker, verlor seine Erinnerung und ist nun auf der Suche nach sich selbst und seinem Platz in der Zone. Die Zone wurde hier jedoch nach Tschernobyl verlegt. Ganz gleich ob das Spiel, wie oft angemerkt, teils erhebliche technische Mängel aufwies, war es jedoch ein kleiner Meilenstein: Es war endlich nicht mehr der x-te Weltkriegs-Shooter, nein. Der Spieler streift durch eine gottverlassene Landschaft, mit der dreckigen AK 74 unter'm Arm und einer handvoll Munition, um ein paar Artefakte zu erhaschen und Aufträge zu erfüllen. Die Story baut sich zwar recht linear auf, doch steht es dem Spieler weitesgehende frei die Landschaft zu erkunden...
Zentraler Anlaufpunkt ist dabei die alte Industriestadt mit der "100 Rads" Bar in der man neue Aufträge bekommt und Informationen erhält. Es gibt mehrere Parteien, die sich um die Zone und die Artefakte reißen. Da wären zum einen die "Duty-Fraktion", selbst ernannte Polizei, gesponsert von der Regierung, die "Freedom-Fraktion", ein loser Verbund von Freiheitskämpfern, die offenen Zugang zur Zone durchsetzen wollen. Diese beiden Parteien stehen im ständigen Konflikt. Desweiteren sind Sie selbst nicht wirklich Teil einer Fraktion, sondern lediglich "Freier Stalker" (Loner). Außerdem gibt es noch die oberbösen Monolithen, die den Wunschgönner (Gegenstand aus dem Buch) mit allen Mitteln schützen, sowie die Wissenschaftler und (deren) Söldner. Auf den mehr oder minder beschwerlichen Wegen zu Ihren Zielen begegnen Sie dabei anderen Stalkern und allerlei mutiertem Getier...
2008 und 2009 folgten dann auf den erfolgreichen Erstling zwei weitere Titel mit Namen "Clear Sky" und "Call of Prypjat". Ersteres spielt ca. 1 Jahr vor dem ersten Teil und letzteres 1 Jahr nach dem Ersten.
Wer also unkonventionelle Science-Fiction, eine Menge Philosophie/Psychologie sowie Atmosphäre nicht scheut und wirklich mal etwas anderes erleben möchte, dem seien alle diese Werke ans Herz gelegt, ganz gleich ob man lieber nur das Buch liest oder sich die volle Dröhnung Stalker gibt!
