Mit Bar, Cocktails und Kochkunst Karriere machen

Köchin, Kauffrau oder Kellner – für viele Jugendliche ein Traumberuf

Küche oder Rezeption? Hotel-Jobs. - Jan Thomas Otte
Küche oder Rezeption? Hotel-Jobs. - Jan Thomas Otte
Tipps zum Thema Berufsausbildung in der Hotellerie bekommen. Mieser Stimmung auf dem Arbeitsmarkt zum Trotz gibt es hier bei steigendem Umsatz vielfältige Jobs.

Angefangen hat alles an Omas Herd: „Über den Kochspaß bei der Oma bin ich dazu gekommen, dass ich das auch beruflich machen will“, erzählt Bianca aus Viernheim. Nach ihrem Realschulabschluss möchte die 15-Jährige unbedingt Köchin werden. Lisa ist sich noch nicht sicher. Die 19-Jährige Mannheimerin könnte sich nach ihrem Abitur auch vorstellen, etwas mit Grafikdesign zu machen, oder eben doch eine Ausbildung als Hotelfachfrau.

Service wird im Hotel großgeschrieben

Ob Geschäftskunden oder SAP-Tagung, das verliebte Pärchen am Wochenende oder der Abiball: In Hotels ist immer etwas los, Menschen mit verschiedenem Charakter in unterschiedlichen Situationen. Jeder Gast muss auf seine Art bedient werden: „Die Hardware mit anspruchsvollen Räumlichkeiten ist unser Gerüst, den großen Rest aber macht die Ausstrahlung unserer Mitarbeiter“, erklärt Markus Borkowski, stellvertretender Restaurantchef vom Heidelberger nh-Hotel.

Wer im Hotel etwas werden möchte, muss flexibel, einsatzbereit und selbstständig sein. Während Fremdsprachen von Vorteil sind, ist sympathisches Auftreten ein absolutes Muss. Piercings und Tattoos sind tabu. Die Gastronomie sei eben ein konservatives Gewerbe, schmunzelt Borkowski.

Persönlichkeit und Einsatz-Bereitschaft überzeugen

„Es ist wichtig, als Mensch am richtigen Platz zu sein“, betont Borkowski gegenüber den Schülerinnen. Dreißig Bewerbungen hatte er geschrieben, sein Wunschhotel fand er letztendlich im Internet. Ein Jahr vorher bewerben muss sein: „Nach dem Vorstellungsgespräch gibt es bei uns eine Woche Praktikum, wo die Bewerber schauen können, ob der Job zu ihnen passt“ und dass sich die Bewerber in das Team des Hotels gut einfügen, spiele auch eine Rolle.

Noten okay, Soft Skills wichtiger

Die menschliche Note und praktische Begabung seien wichtiger als Noten auf dem Papier. „Wir schauen uns den Menschen an“, erläutert der stellvertretende Restaurant-Chef. Wer sich hier überzeugend präsentieren konnte, kommt zum Assessment-Center, bei dem theoretische Tests und Teamaufgaben zu erledigen sind, um den begehrten Ausbildungsvertrag in der Tasche zu haben. Und die Chancen stehen nicht so schlecht: Rund ein Drittel der Teilnehmer des Assessement-Centers dürfen im Hotel anfangen.

Bar, Betten, Küche sind nicht alles

Die Aufgabenbereiche sind dort vielseitig, vom Empfang über die Küche bis zur Bar, vom Konferenzzimmer über den Wellnessbereich bis zur Luxussuite. „Wir arbeiten hier als Team“, betont Borkowski. Zu seinen fünfzig Kollegen kommen noch dreißig Auszubildende hinzu: „Es kann schon mal heiß hergehen, wenn an einem Abend dreihundert Gäste bewirtschaftet werden.“

Von der Ausbildung in die Welt der Hotel-Branche

Das Hotelpersonal arbeitet Hand in Hand, der notwendige Spaß an der stressigen Arbeit kommt dabei nicht zu kurz: „Die Küchenjungs hören ihre Lieblingsmusik, im Flur wird unter den Servicekräften gerne mal gealbert“, erklärt der stellvertretende Restaurant-Chef schmunzelnd. Nach dem Abschluss der Ausbildung stehen einem die Wege in den freien Arbeitsmarkt offen, welcher mit attraktiven Angeboten lockt: Wechsel zur Filiale der Hotelkette in Übersee, Stewardess bei Lufthansa oder Bankette-Managerin auf dem Traumschiff.

... als Industriekauffrau, Köchin

Svea und Sandra haben es bereits geschafft, in wenigen Wochen beenden die 22-Jährigen ihre Ausbildung zur Industriekauffrau. Svea hat hier nach ihrem Abitur angefangen, Sarah absolvierte nach der Realschule noch eine Ausbildung als Industriekauffrau, bevor sie ins Hotelgeschäft einstieg. „Wir haben unseren Traumjob gefunden“, empfehlen die beiden ihren Beruf mit einem Lächeln: „Es macht einfach Spaß, den ganzen Tag mit unterschiedlichsten Menschen zu tun zu haben“.

Unternehmenskultur zum Schüchternheit überwinden

An Überstunden mangelt es nicht, die angenehme Arbeitsatmosphäre und zufriedene Gäste entschädigen dafür. Drei Jahre Ausbildung im Balanceakt zwischen Berufsschule und Alltagsgeschäft haben die beiden Absolventinnen auch persönlich weitergebracht. „Im Hotel habe ich endlich meine Schüchternheit überwunden“, gesteht Sandra, „und gemerkt, welche Fähigkeiten in mir stecken“.

Jan Thomas Otte, Studio Attimo, Heidelberg

Jan Thomas Otte - Nichts ist so schwer wie über sich selbst zu schreiben. Mit Reportagen über Gott und die Welt hinterfragt er Glaubenssätze ...

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