Piet Mondrian und de Stijl

Mondrian inspiriert bis heute Kunst und Design - Hendrike/wikimedia
Mondrian inspiriert bis heute Kunst und Design - Hendrike/wikimedia
Als Neoplastizismus bezeichnete Mondrian seinen Stil: perfekt ausgewogene Bildkompositionen aus Farbflächen und schwarzen Gitterlinien.

Piet Mondrian ist einer der wichtigsten Vertreter der gegenstandslosen Malerei. Seine geometrisch abstrakten Bilder und seine Kunsttheorie beeinflussen bis heute Künstler und Designer.

Piet Mondrian: der Kubismus und die Plus-Minus-Bilder

Piet Mondrian (1872-1944) wuchs im niederländischen Amersfoort in einer streng calvinistischen Familie auf. Er machte eine Ausbildung zum Zeichenlehrer und beschäftigte sich eingehend mit Theosophie, was sein künstlerisches Schaffen beeinflussen sollte.

Auf einer Reise nach Paris kam er mit dem Kubismus in Berührung. Mondrian war sofort begeistert von der Präzision und der Logik, die hinter den Prinzipien des synthetischen Kubismus steckt. Die Nüchternheit und Ordnung, die Gesetzmäßigkeit, die er in den Bildern fand, entsprach genau seinem künstlerischen Streben.

Bereits 1913 hatte Mondrian seine Erkenntnisse des Kubismus weiterentwickelt und begonnen mit Bildkompositionen zu experimentieren, die rein auf waagerechten und senkrechten Linien basierten. So entstanden zunächst die sogenannten Plus-Minus-Bilder, in denen Mondrian unter anderem den Rhythmus und die Bewegung des Meeres in Horizontalen und Vertikalen umsetzt (Komposition in Schwarz und Weiß, 1915, Museum Kröller-Müller, Otterlo).

Piet Mondrian und De Stijl

Wegweisend für Mondrians weitere künstlerische Entwicklung war die Begegnung mit Theo van Doesburg 1915. Zusammen gründeten sie 1917 im holländischen Leiden die Künstlervereinigung De Stjil, der nicht nur Maler, sondern auch Bildhauer, Dichter und Architekten angehörten. Der Name war die Übernahme des Titels eines gleichnamigen Kunstjournals, das van Doesburg ins Leben gerufen hatte. Das Monatsmagazin erschien bis 1931.

1918 wurde das erste Manifest des Stijl veröffentlicht. Die De Stijl-Gruppe lehnte jeglichen Naturalismus ab. Vielmehr zielte sie darauf, ihre Überzeugung, dass das Universum auf einer mathematischen Struktur beruhe, in eine adäquate bildnerische Komposition zu fassen.

Piet Mondrian erschafft den Neoplastizismus

1920 veröffentlichte Mondrian sein Buch "Der Neo-Plastizismus". Er prägte damit nicht nur einen neuen kunsthistorischen Begriff, sondern beschrieb darin auch die Zielsetzung seiner Kunst. Er will eine neue Formgebung erreichen, indem er sich ausschließlich rechtwinkliger Linien und der Primärfarben Rot, Blau und Gelb sowie der Nichtfarben Schwarz, Weiß und Grau bedient. Ziel ist das Gleichgewicht. So gleicht z.B. eine große Fläche einer Nichtfarbe eine kleinere farbige Fläche aus. Durch die richtige Anordnung entsteht ein lebendiger Rhythmus, der gleichzeitig dynamisch und ausgewogen ist, so dass man weder etwas wegnehmen, noch etwas hinzufügen oder umfärben kann, ohne die Komposition aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Erst wer einmal versucht hat, ein Bild à la Piet Mondrian selbst zu erstellen, versteht, wie schwierig es ist mit so wenigen gestalterischen Mitteln vollkommene Ausgewogenheit zu erreichen.

Mondrians Markenzeichen: Kompositionen aus Farbflächen und schwarzen Linien

Zunächst experimentierte Mondrian nur mit unverbundenen Farbflächen, bevor er die Farben in ein Achsensystem aus schwarzen Linien einspannte. Die Linien teilen und verbinden, sie gliedern die Fläche in ein Achsensystem und halten die Komposition zusammen. Durch den schwarzen Rahmen erhalten die Grundfarben eine intensive Leuchtkraft. Alle Elemente im Bild haben den gleichen Wert. Doch dadurch dass die Farbflächen unterschiedlich proportioniert sind, entsteht die Spannung in der Komposition. Obwohl die Bildfläche nur in horizontale und vertikale Linien unterteilt ist, entwickelt sich ein Gefühl der Dynamik. So erzeugen die hochformatigen Rechtecke in den hellen Farben Leichtigkeit, während die querformatigen Rechtecke behäbig wirken, wie z.B. das Werk Tableau I von 1921 im Museum Ludwig in Köln wunderbar widerspiegelt. Das Neue an Mondrians Bildern war, dass sie ein Gleichgewicht schufen, ohne die Symmetrie zu bemühen.

1925 verließ Mondrian den Stijl. Van Doesburg und er vertraten nun gegensätzliche Richtungen. Während Mondrian seinen Stil schon 1920 als Neoplastizismus bezeichnet hatte, nannte van Doesburg seinen, auf Diagonalen beruhenden Stil nach 1926 Elementarismus.

Quelle (unter anderem): Horst Richter: Geschichte der Malerei im 20. Jahrhundert, Köln 1985

Ursula Kohaupt - Hineingeboren in die Generation Golf, aufgewachsen in Bayreuth und Kunstgeschichte studiert in Bamberg, Marburg & London. Danach sechs ...

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