
- Pilgerziel Kloster Arnstein - Astrid Treumann
Pilgern kann Körper und Seele wieder in Einklang bringen. Und die Jakobswege sind nicht weit. Viele landschaftlich reizvolle Routen fangen fast direkt vor der deutschen Haustür an. Der Lahn-Camino ist der Jakobsweg. Von Wetzlar nach Nassau kann man ihn gut innerhalb von sieben Tagen bewältigen.
Pilgern in alter Tradition
Pilgerschaft bedeutet auch traditionell Bescheidenheit und Selbstbeschränkung. Man ist mit wenig Ballast unterwegs, folgt den mittelalterlichen Wegen in Richtung Santiago de Compostela. Pilgern in Deutschland bedeutet Etappenpilgern. Nicht jeder Mensch kann sich eine komplette Pilgerschaft bis nach Spanien zeitlich einrichten, da viele tausend Kilometer zu bewältigen wären. Doch auch ein zeitlich begrenztes Pilgern birgt wohltuende Effekte.
So entdeckt man durch das Pilgern die Langsamkeit und Besinnlichkeit, einfach nur auf dem Weg zu sein. Man nimmt sich Zeit, um Dinge zu entdecken und seinen Gedanken zu folgen. Es ist ein Weg mit einem festgelegten Ziel. Jeder Tag ist neu, es gibt Höhen und Tiefen. Früher erkannte man Pilger an Stab, Hut und Wassergefäß (Kalebasse, eine Art Trinkflasche). Heute sind eher Outdoor-Hut, Teleskopstock und Feldflasche die typischen Attribute. Die Jakobsmuschel ist das Zeichen, gelb auf blauem Grund, das den Jakobsweg anzeigt und dem man folgt. Es ist entlang des Weges an Bäumen und Verkehrszeichen angebracht.
Vorbereitung auf das Pilgern
Auch eine Pilgerreise bedarf gründlicher Vorbereitung. Da das zu tragende Gesamtgewicht zehn Kilogramm nicht überschreiten sollte, muss man gut überlegt die Gepäckstücke auswählen. Pilgerwanderführer geben wertvolle Tipps, was unverzichtbar ist. Auch die Etappen sind sinnvoll auszuwählen. Einige Teilstücke kann man gut erlaufen. Etappen mit hohen Schwierigkeitsgraden, die dem Lahnhöhenweg folgen, sollten mit geringeren Distanzen geplant werden. Eine gute Wanderkarte bietet genaue Angaben zu den Teilstrecken.
Entlang der Wegstrecke gibt es viele preiswerte Gasthöfe, die man im Vorfeld buchen kann. Ist man mit Hund oder Pferd unterwegs, muss man gelegentlich vom Weg abweichen. Viele Reiterhöfe entlang der Lahn bieten solide Pensionsmöglichkeiten und Übernachtungen im unmittelbaren Umfeld. Das Pilgern empfiehlt sich in kleiner Gruppe von etwa vier bis acht Personen. Den offiziellen Pilgerpass kann man bei der Sankt-Jakobus-Bruderschaft in Trier bestellen. Im Vorfeld des Pilgerns macht es Sinn, sich mit einigen Pilgerberichten zu dieser Wegstrecke einzustimmen und Informationen zu den Burgen, Schlössern und Klöstern entlang des Jakobsweges zu sammeln.
Pilgern von Wetzlar nach Nassau
Die Entfernung zwischen dem Ausgangspunkt (Dom Wetzlar) und dem Endziel (Kloster Arnstein, Nassau) beträgt etwa 120 Kilometer. Die Streckenführung entspricht ungefähr dem mittelalterlichen Jakobsweg. Die Etappen wären in Übersicht Wetzlar - Laufdorf - Solms- Oberndorf - Braunfels (1.Tag). Dann ginge es von Hirschhausen bis nach Weilburg (2.Tag). Über den Schiffstunnel Weilburg, Freienfels und Weinbach nach Elkerhausen (3.Tag). Anschließend folgt man dem Pilgerweg nach Langhecke, Villmar bis nach Runkel (4.Tag).
Von Runkel folgt man dem deutschen Lahn-Camino nach Eschhofen bis nach Limburg (5. Tag). Von Limburg über Balduinenstein nach Laurenburg (6. Tag). Und am letzten Tag folgt man dem Jakobsweg über Obernhof zum Kloster Arnstein (7.Tag), beendet dort seine Pilgerreise und reist von Nassau/ Lahn wieder ab. Diese Distanzen sind nicht so weit, wie es ein trainierter Wanderer planen würde. Doch sie bieten genügend Zeit für langsames und besinnliches Pilgern, für das Besichtigen von Sehenswertem entlang der Wegstrecke, für Entspannung und Kontemplation. Der offizielle Lahn-Camino würde dann noch bis nach Lahnstein etwa 25 Kilometer weiter gehen. Doch auch das Kloster Arnstein bietet ein würdiges Pilgerziel.
Quelle: Karl-Josef Schäfer, Der Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein, Ein Pilgerwanderführer für den Lahn-Camino, 2009, Books on Demand GmbH, Norderstedt, ISBN 978-3833494758, 9,95 Euro
