Der Pilger oder Tourist, der heute in Navarra auf der historischen Spur des Camino de Santiago unterwegs sein möchte, hat reichlich Gelegenheit, auf Kunst- und Bauwerke zu treffen, die an die Zeit der großen Pilgerzüge erinnern.
In Puenta la Reina vereinigen sich die verschiedenen Pilgerrouten
Auf zwei verschiedenen Routen kamen im Mittelalter die Pilger von Norden her über die Pyrenäen gezogen. Die erste Route erreichte Navarra bei der Ortschaft Valcarlos und führt über Roncesvalles, Pamplona und Puente la Reina weiter nach Westen. Die andere Route erreicht Navarra im Osten der Provinz bei dem Kloster Leyre und führt über Montreal und Eunate bis nach Puente la Reina, wo sich beide Routen vereinigen.
Roncesvalles ist durch die Rolandsage bekannt
Etwa 150 Kilometer führt die erstgenannte Route durch Navarra, die zweite etwa 130 Kilometer. Folgt man der ersten Route, so erreicht man zunächst das Dorf Valcarlos, den Schauplatz der im Rolandslied enthaltenen Sage. Hier lagerten die Truppen von Karl dem Großen, als Roland mit der Nachhut beim Rückzug aus Spanien am 15. August 778 im nahen Roncesvalles in einen Hinterhalt geriet und seine Soldaten allesamt getötet wurden. Meist läutet ein Mönch die Glocken, um den Pilgern im nebeligen Bergwald den Weg zu weisen. Schließlich erreicht man das Gästehaus des Klosters von Roncesvalles, dem auch ein Hospital angegliedert war.
Von Roncesvalles führt der Jakobsweg nach Pamplona
Die Gründung des berühmten Klosters von Roncesvalles geht auf das frühe siebte Jahrhundert zurück. Außer den Konventsgebäuden der Augustinermönche gehörten zum Kloster eine an Reliquien reiche Stiftskirche und eine Grabkapelle. Am Ortsrand steht ein steinernes Wegkreuz aus dem 14. Jahrhundert, an dem die Pilger vorbeiziehen und sich bekreuzigen, nachdem sie in der Klosterherberge gerastet und sich gestärkt haben. Dazu gehören auch ein Dankgebet und der Pilgersegen, denn nun hat man endlich spanischen Boden erreicht und kann an Burguete, Espinal und Viscarret vorbei gen Pamplona ziehen.
Pamplona prosperierte durch die abertausenden Pilger
In Pamplona lässt sich noch heute anschaulich nachvollziehen, wie sehr die Stadt im Mittelalter von den Jakobspilgern geprägt wurde. Kirchen über Kirchen, Herbergen, Wirtschaftsgebäude, allein vier Hospitäler wurden hier einst gebaut, um den vielfältigen Bedürfnissen der abertausend Pilger zu entsprechen.
In Puenta La Reina vereinigen sich die Pilgerwege
Etwa 25 Kilometer von Pamplona vereinigt sich diese erste Route des Jakobsweges bei Puenta la Reina mit der zweiten Route, die vom Pyrenäenpass Somport herbeiführt. Sehenswert spannt sich in Puente Reina eine schöne alte Brücke über den Rio Arga, über die einst die Pilger gegangen sind. Alle mussten sie über diese Brücke, über diese Pflastersteine. Eine bronzene Pilgerstatue erinnert daran.
