Pille durchgehend nehmen: ist der Langzyklus sinnvoll?

Verhütungsmittel - Katharina Ruppert
Verhütungsmittel - Katharina Ruppert
Eine Einnahme der Anti-Baby-Pille im "Langzyklus", d.h. ohne monatliche einwöchige Pause, hat viele Vorteile. Doch ist dies gesund?

Im Jahr 2003 begann in Amerika mit einer neuen Pille eine neue Ära: ab sofort "durfte" man als Frau offiziell die hormonelle Verhütung drei Monate lang durchgehend nehmen und sollte erst dann eine einwöchige Pause einlegen. 2007 folgte dann der nächste Schritt dieser Entwicklung: seither können spezielle Präparate auch ohne jegliche Pause täglich eingenommen werden. Als logische Konsequenz ergibt sich ein dauerhaftes Ausbleiben der Menstruation. Welche Vorteile ergeben sich daraus für eine Frau? Und birgt diese Einnahmeform auch gesundheitliche Risiken?

Warum wurde bisher eine monatliche Pillenpause empfohlen?

Zu dieser Empfehlung führten verschiedene Gründe. Einerseits war die Einführung der Anti-Baby-Pille ein dermaßen großer und umstrittener Schritt, dass man bemüht war, die Vorgänge im weiblichen Körper so gut es geht "natürlich" erscheinen zu lassen. Der Zyklus sollte - wie bisher - einem monatlichen Rhythmus folgen.

Für Frauen, die die Menstruation als geschlechtsverkehrsfreie Zeit als sehr positiv ansahen, war diese eine "ruhige" Woche pro Monat ebenfalls sehr angenehm. Nach wie vor sind Gegner des Langzyklus (also der ununterbrochenen Pillen-Einnahme) der Meinung, dass Frauen nicht permanent zum Geschlechtsverkehr bereit sein sollten. Möglicherweise spielten bei den bisherigen Empfehlungen auch Einflüsse seitens der Kirche eine Rolle.

Ein weiterer Grund für die Empfehlung der monatlichen Pause ist, dass die Langzeitwirkungen einer durchgehenden Einnahme noch nicht zweifelsfrei geklärt sind. Zwar gibt es Studien von Pharma-Unternehmen zu diesem Thema, jedoch wird die Aussagekraft dieser Daten immer wieder angezweifelt. Eine Pille im Langzyklus bedeutet höhere Einnahmen für die Pharma-Industrie, daher seien die Studien möglicherweise "gefärbt".

Welche Argumente gibt es für die durchgehende Einnahme der Anti-Baby-Pille?

Die monatliche Menstruation ist keineswegs so natürlich, wie sie oft dargestellt wird. Biologisch betrachtet ist es die Aufgabe einer Frau im fortpflanzungsfähigen Alter, immer wieder schwanger zu werden, zu gebären, und zu stillen. Die Menstruation stellt eher eine "Hat in diesem Monat leider nicht geklappt"-Notlösung dar. Eine Frau, die keine Kinder bekommt, hat im Laufe ihres Lebens grob geschätzt 300 bis 400 von diesen Notlösungen. Das ist ein Vielfaches von dem, was "natürlich" wäre.

Dass es für den Körper wichtig sei, ein Mal im Monat die Gebärmutterschleimhaut zu erneuern, ist mittlerweile widerlegt. Durch die Hormoneinnahme wird nur eine sehr dünne Schleimhautschicht aufgebaut, daher ist die Menstruation bei Pillen-Anwenderinnen auch wesentlich schwächer.

Durch die kontinuierliche Einnahme können Anwenderfehler (Vergessen, zu späte Einnahme, Durchfall, etc.) kompensiert werden. Somit steigt die Sicherheit der Verhütungsmethode.

Viele Frauen haben durch die hormonellen Schwankungen des monatlichen Zyklus starke Beschwerden. Dies schränkt die Lebensqualität ein und führt mitunter auch zu häufigen Krankenständen.

Welche Nachteile ergeben sich durch den Langzyklus?

Frauen, die die Menstruation als Teil ihrer Weiblichkeit verstehen, haben mit der kontinuierlichen Pillen-Einnahme eventuell psychische Probleme. Auch ist bislang nicht bekannt, wie die Langzeitfolgen aussehen werden. Selbst beim „normalen“ Pillenzyklus (21 Tage Einnahme, sieben Tage Pause) ist aufgrund widersprüchlicher Daten die Auswirkung auf die Entstehung diverser Krebsarten umstritten. Für den Langzyklus ist die Datenlage noch um einiges dünner.

Welche Pillen eignen sich für eine durchgehende Einnahme?

Unter den einphasigen Präparaten gibt es einige Pillen, die besser geeignet sind als andere. Mikropillen – also Pillen mit besonders niedriger Dosierung – sind hoch dosierten Pillen vorzuziehen. Valette wird von Gynäkologen häufig als Langzyklus-Pille empfohlen. Über weitere Produkte gibt Ihr Frauenarzt gerne Auskunft.

Nicht geeignet sind alle Pillen-Arten, die in einem Blister verschiedene Phasen enthalten. Meist sind es drei mal sieben Stück mit verschiedener Zusammensetzung.

Doch nicht nur die Anti-Baby-Pille kann im Langzyklus angewendet werden: auch transdermale Pflaster, Vaginalring, Implantate und Spiralen werden oft so eingesetzt, dass die Menstruation wesentlich seltener oder gar nicht mehr auftritt.

Was ist der Unterschied zwischen Langzyklus und Langzeiteinnahme?

Beim Langzyklus werden oftmals Einnahme-Intervalle von drei Monaten empfohlen, dann folgt eine einwöchige Pause inklusive Blutung. In Absprache mit dem Arzt sind jedoch auch längere Phasen der durchgehenden Einnahme möglich. Je länger das Intervall der Einnahme, desto wahrscheinlicher ist es, dass in der einwöchigen Pause keine Hormonentzugsblutung auftritt. Dieses Phänomen wird "silent menstruation" genannt.

"Langzeiteinnahme" bedeutet einen generellen Verzicht auf die einwöchige Pause, und somit eine Abschaffung der Menstruation. Erfahrungsberichte von Frauen, die die Pille bereits jahrelang durchgehen einnehmen, zeigen, dass es bei ihnen keine akut wahrnehmbaren Nebenwirkungen gibt. Wie bereits erwähnt, fehlen jedoch wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema, die sich mit den Langzeitfolgen beschäftigen.

Für welche Frauen ist eine durchgehende Einnahme der Pille sinnvoll?

Der Langzyklus macht vor allem dann Sinn, wenn Frauen durch die monatlichen Hormonschwankungen oder Blutungen starke Beschwerden haben. Beispiele hierfür sind:

  • Hypermenorrhoe (sehr starke Blutungen)
  • Menorrhagie (verlängerte Blutungen)
  • Metrorrhagie (azyklische Blutungen)
  • Zusatzblutungen
  • Endometriose
  • Uterus myomatosus (gutartige Tumore auf der Gebärmutter)
  • Funktionelle Zysten
  • Epilepsie
  • Multiple Sklerose
  • Depression
  • Asthma
  • Migräne
  • Eisenmangelanämie
  • PMS (prämenstruelles Syndrom)
  • Akne

Selbst für viele Frauen ohne besondere Beschwerden durch den hormonellen Zyklus stellt die Menstruation häufig eine Einschränkung der Lebensqualität dar.

Quellen

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Karu, Katharina Ruppert

Karu Lami - Ich bin Ernährungswissenschafterin, Sozialarbeiterin, Katzen- Besitzerin, Heimwerkerin, Fotografin, Camperin, Botanikerin, Shubunkin- ...

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