
- Schreiber-Icon - Illustration: Friederike Rave
Am Anfang jeder Fernsehserie steht der Pilotfilm. Variety schätzt, dass nicht mehr als ein Viertel der produzierten Piloten es schaffen eine Serie hervorzubringen. Dabei stellt sich vielleicht die Frage, was ein Pilot ist und welche Bedeutung er für die Entstehung einer Serie hat.
Die Funktion von Pilotfolgen
Ein Pilot ist eine Probe-Episode für eine geplante Fernsehserie. Mit dieser wird ausprobiert, ob ein neues Konzept für eine Serie möglich ist und erfolgreich sein kann. Nachdem einem Fernsehsender diese Kostprobe vorgestellt wurde, entscheidet dieser darüber, ob die Produktion von weiteren Folgen erfolgen kann. Der Pilot dient gewissermaßen als Prototyp, dessen Variablen (Handlungsort, Besetzung etc.) sich noch ändern lassen, bevor er schließlich in Serie geht.
Die Produktion eines Piloten am Beispiel von "Star Trek"
Piloten sind teurer zu produzieren. Wenn ein Fernsehsender noch nicht von einem Serien-Konzept überzeugt ist, aber trotzdem eine Kostprobe sehen will, bekommt er erst einmal eine Kurzversion vorgestellt. Die geschnittenen Aufnahmen eines Tages genügen schon, um eine Eindruck von Stil und Inhalt der Serie zu bekommen. Diese Präsentationen dauern etwa zwischen 7-10 Minuten. Jedoch, wenn dann der ganze Pilot in Auftrag gegeben wird, muss ihm so viel Sendematerial zugefügt werden, dass es mindestens für die Brutto-Länge einer Sitcom (22 Minuten) reicht. Gelegentlich wird für eine Serie mehr als ein Pilot in Auftrag gegeben, um zu bewerten, wie er ausfällt, nachdem Änderungen an ihm gemacht worden sind.
Zum Beispiel entstand für die Serie "Star Trek" 1964 der Pilotfilm "The Cage", noch mit Jeffrey Hunter in der Rolle des Captain Pike. Die Verantwortlichen des Senders lehnten dieses Serienkonzept ab, schien ihn dieser Entwurf doch zu kopflastig zu sein. Jedoch erhielt das Produktionsteam des Showrunner Gene Roddenberry eine zweite Chance, die jedoch an einige Bedingungen geknüpft war. Mehr Action-Elemente sollten hinein und Frauen durften nicht in Führungspositionen auftreten. Somit verschwand der 1. Weibliche Offizier aus dem ursprünglichen Piloten. Der Pilotfilm Nr. 2 ("Where no man has gone before") wurde produziert mit William Shatner in der Kirk-Rolle. Nach weiteren Änderungen im Produktions-Design (Kostüme) und der Figuren-Konzeption (Schiffsarzt McKoy) ging die Serie schließlich in Produktion.
Wann werden Pilotfilme ausgestrahlt?
Piloten laufen in der Regel als erste Folgen einer Serie, wenn sich die Serie nicht so vom Piloten unterscheidet, dass dieser nun keinen Sinn mehr macht. In diesem Fall wird der Pilot oder Teile von ihm noch einmal neu gedreht oder geschrieben, um zur Serie zu passen. Es gibt natürlich auch Ausnahmen zu dieser Regel, etwa wenn ein Sender oder Produzent sich entschließt, den Piloten zu einem späteren Zeitpunkt zu zeigen. Bei "Star Trek" wurde die geänderte Pilotfolge ("Where no man has gone before") als 3. Episode ausgestrahlt. Das Material aus dem Original Piloten "The Cage" wurde in neues Filmmaterial hineingeschnitten, um die zweiteilige Episode "The Menagerie" zu produzieren.
Bei Jos Wedons Serie "Firefly" war die Serie bereits wieder eingestellt worden, bevor die Pilotfolge als Abschluss-Folge ausgestrahlt wurde. Kritiker der "Firefly"-Absetzung beschwerten sich darüber, dass die Ausstrahlungs-Praxis des Senders, der die Episoden in loser Reihenfolge sendete, es den Zuschauern schwer machte der Handlung zu folgen.
Die Vermarktung gefloppter Piloten
Piloten, die keine Serie nach sich ziehen, werden als TV-Filme ausgestrahlt und manche sogar außerhalb Amerikas als Spielfilme vermarktet. So die Agentenkomödie "Agent auf Kanal D", einem Piloten aus dem Jahre 1963 für die geplante Serie "The man from UNCLE". Der Pilot für "Aquaman" wurde nachdem man sich entschlossen hatte, die Serie nicht in die Fernsehsaison 2006 aufzunehmen, im I-Tunes-Shop verkauft.
Der Backdoor-Pilot
Oft wird eine Serie nicht durch einen eigenständigen Piloten, sondern in Form eines Backdoor-Piloten ins Leben gerufen. Bei dieser besonderen Form des Piloten lässt man in einer etablierten Serie für eine begrenzte Zeit, meist eine Folge, Charaktere aus einer anderen Serie auftreten, die bald neu auf Sendung gehen soll. In der Mutterserie wird so bildlich gesprochen eine Hintertür für die geplante Tochterserie geöffnet. Beide Serien sind also im selben Serienuniversum angesiedelt. So führt in der 2. "CSI"- Staffel das Team ein Mordfall nach Miami, wo diese auf Horatio und seine Mitarbeiter ("CSI: Miami") treffen. Die Krimiserie "NCIS" entstand durch einen backdoor-Piloten innerhalb der Serie "JAG". "NCIS" wiederum strahlte in seiner 6. Staffel einen Backdoor-Piloten für die Spin-off Serie "NCIS: Los Angeles" aus.
Doch es gibt auch Backdoor-Piloten, die nicht abheben. So wurde in der Serial "Gossip Girl" die Episode "The Valley Girls" ausgestrahlt, in deren Mittelpunkt die Mutter von Serena Van Der Wootsen als Teenager in den 1980er Jahren zu sehen ist. Der geplante Pilot wurde jedoch vom Sender CW nicht realisiert.
Ein ungewollter Pilot in der "Tracy-Ullman-Show"
Die Serie "Die Simpsons" verdankt ihrer Existenz einem ungewollten Piloten. "Die Simpsons" waren nämlich ursprünglich ein Bestandteil der "Tracy-Ullman-Show", wo sie in kurzen Clips zu sehen waren. Diese erwiesen sich dann als so beliebt beim Publikum, das man ihnen eine eigene Serie gab.
