Pinocchio entstand vor 130 Jahren in der Toskana

Überdimensionale Pinocchio-Figur in Collodi - Gisela Dürselen
Überdimensionale Pinocchio-Figur in Collodi - Gisela Dürselen
Die Kinderbuchfigur Pinocchio mit der langen Nase wird 130 Jahre alt, und die toskanische Stadt Collodi feiert ihren Helden.

Die Gestik ist eindeutig: Die Finger streichen bis zum unteren Ende der eigenen Nase und verlängern sie: "naso lungo" - er hat eine lange Nase - sagen die Italiener, wenn sie andeuten wollen, dass jemand lügt. Die Geste entstand mit der Kinderbuchfigur Pinocchio, die immer wieder gute Vorsätze fasst, diese jedoch schnell wieder vergisst und zum eigenen Schutz kleine Notlügen erfindet. Die Figur wird nicht nur überall in Italien als Souvenir verkauft. Der liebenswerte und zugleich eigenwillige Junge mit der langen Nase ist den Italienern auch Symbol für Phantasie und die Verteidigung der Jugend gegen eine allzu rationale Erwachsenenwelt. Als solche ist Pinocchio Kult und italienische Identitätsfigur.

Carlos Collodi vor 130 Jahren

Angefangen hat alles im Sommer 1881, als eine italienische Wochenzeitschrift erstmals die Abenteuer des hölzernen Hampelmanns als Fortsetzungsgeschichte herausbrachte. Autor war der Florentiner Journalist und Schriftsteller Carlo Collodi, der eigentlich Carlo Lozenzini hieß und sich auch für die Einheit Italiens einsetzte. Heute gehört das Buch zu den Klassikern der Kinderliteratur und zu den weltweit am meisten übersetzten Büchern überhaupt.

Collodi: Gebutrsstadt und Stiftung

Die kleine toskanische Stadt Collodi zwischen Lucca und Pistoia hat sich den Namen des Autors von Pinoccio gegeben und der Märchenfigur sogar einen Park gewidmet: Darin gibt es neben Fahrgeschäften auch diverse Kunst- und Bilderausstellungen und einen kleinen Laden, in dem Besucher mitverfolgen können, wie die kleinen Holzfiguren und Marionetten entstehen. Spannend sind auch die Geschichten von Zauberern und Bänkelsängern, die allesamt die Zeit von Pinocchio wieder aufleben lassen.

In der Nähe des Pinocchio-Parks steht neben einem Schmetterlingshaus die ehrwürdige Villa Garzoni, deren Park mit Wasserspielen und Orangerie, Labyrinths und Grotten zu den schönsten Italiens zählen soll. Auch eine eigene Stiftung wurde mittlerweile ins Leben gerufen: Die nationale Stiftung Carlos Collodi hat sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte des nettesten Lügners Italiens zu verbreiten; dazu organisiert sie Kulturveranstaltungen, Wettbewerbe und Prämierungen, Ausstellungen und Vorträge.

Lange Nase durch Lügen?

Pinocchios Nase fängt immer dann an zu wachsen, wenn er lügt. Dass diese Geschichte auch einen wahren Kern birgt, bestätigten inzwischen die Psychiater Alan Hirsch und Charles Wolff von der "Smell and Taste Foundation" der Universität Chicago: Nach ihren Studien werden beim Lügen Stress-Hormone erzeugt, die unter anderem die Nase stärker durchbluten und darum um Bruchteile von Millimetern anschwellen lassen. Laut den Wissenschaftlern fassen sich darum Menschen beim Lügen öfter als sonst an die Nase.

Lügen aus Angst und aus Interesse

Weitere Studien befassten sich mit den Gründen fürs Lügen: Demnach lügt jeder Mensch bis zu 200 Mal am Tag. Wobei es sich nicht immer um faustdicke Lügen handeln muss, denn manchmal handelt es sich auch nur um kleine Pinocchio-artige Ausreden, zum Beispiel um höflich zu sein oder den jeweils anderen nicht zu verletzen. Wie eine Umfrage des italienischen Instituts SWG ergab, lügen 30 Prozent der Italiener dann, wenn sie ein bestimmtes Interesse verfolgen - aber auch 28 Prozent aus purer Angst.

Quellen und weiterführende Informationen:

Umfrage des italienischen Instituts SWG (Webseite auf Italienisch)

Gisela Dürselen Suite101-Autorin, (Foto: Christine Vincon)

Gisela Dürselen - Ausbildung und berufliche Meilensteine: Journalistin, Friedensfachkraft, Trainerin für emotionale und soziale KompetenzStudium ...

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