
- Riesen-Piranha - Martina Taylor, Pixelio
Fest steht, dass zwar gelegentlich Angriffe auf Menschen vorgekommen sind, meist handelte es sich hierbei jedoch lediglich um kleinere Bisswunden. Die meisten der Angriffe fanden auf Kinder statt oder aber auf Indianer, deren Beine mit einer roten Farbe bemalt waren. Rot scheint bei Piranhas Aggressionen auszulösen. Hinzu kommt die Qualität des Wassers. Es ist glaubhaft dokumentiert, dass die meisten Attacken auf Menschen in verunreinigtem, trübem Wasser, in dem sich unter Umständen noch Tierkadaver befanden, stattgefunden haben. Wenn das Opfer versuchte, das Wasser zu verlassen, machten die Piranhas keinerlei Anstalten, diesem zu folgen. Entgegen der Darstellung in verschiedenen Spielfilmen ist noch nie ein Mensch durch Piranhabisse getötet oder gar gefressen worden.
Gattung, Lebensweise, Vorkommen
Die Piranhas zählen zur Familie der Salmer, es handelt sich um räuberische Schwarmfische, die je nach Art zwischen 10 und 40 cm groß werden können. Sie leben in den „weißen Gewässern“ Südamerikas, wobei hiermit besonders nähr- und mineralstoffhaltige Flüsse und Seen gemeint sind. Piranhas können sowohl in stehenden als auch in fließenden Gewässern vorkommen. Die Lebenserwartung dieser Fische beträgt 15 Jahre, bei Aquarienhaltung wird sogar von einer bis zu 30-jährigen Lebenserwartung ausgegangen.
In Laborversuchen konnte nachgewiesen werden, dass einzeln gehaltene Tiere viel größere Stress- und Aggressionssymptome zeigten als jene, die, wie in der Natur üblich, in größeren Gruppen zusammen lebten.
Es gibt 39 bekannte Arten. Manche sind in vielen Gewässern Südamerikas vertreten, andere nur regional begrenzt. Im Amazonas leben beispielsweise 25 der 39 bekannten Arten, im Orinoco und Río Paraguay wurden mindestens sechs verschiedene Arten von Piranhas nachgewiesen.
Wie bereits angesprochen, sind Piranhas bei weitem nicht so gefährlich wie ihr Ruf. Sie erfüllen in den Gewässern, in denen sie beheimatet sind, die wichtige Funktion der Gesundheitspolizei, denn neben Fischen und kleineren Krustentieren vertilgen sie auch verletzte Tiere und Kadaver. Die eigenen Artgenossen werden lediglich gefressen, wenn diese krank oder verletzt sind. Ist der Schwarm groß genug, werden auch schon einmal größere Tiere angegriffen. Es ist erwiesen, dass lediglich drei Arten von Piranhas einem Menschen gefährlich werden können – entsprechende Gruppengröße (mindestens 30 Tiere) vorausgesetzt – bei den übrigen Arten passt der Mensch gar nicht ins Beuteschema.
Angriffsverhalten
Die Piranhas formieren sich in der Gruppe und nachdem sie ihr Opfer fixiert haben, erfolgt ein blitzartiger, schneller Angriff. Ähnlich wie Haie beißen sie zu und rütteln, bevor sie mit ihren messerscharfen Zähnen ein Stück Fleisch aus ihrem Opfer heraustrennen. Sie sind jedoch auch in der Lage, Knochen und Gräten zu zerkleinern.
Zu ihren natürlichen Feinden zählen Fischotter, Kaimane, Süßwasserdelphine und verschiedene Greifvögel.
Ausgesetzte Piranhas
Wie bei anderen Haus- und Aquarientieren leider auch, gibt es immer wieder Menschen, bei denen das Interesse an ihren Haustieren verloren gegangen ist und die ihre Piranhas heimlich in freien Gewässern aussetzen. In den USA steht dies unter Strafe. Gerade in den Flüssen der Südstaaten (z. B. Mississippi) wurden dennoch immer wieder größere Ansammlungen von ausgesetzten Piranhas entdeckt. Da sich Piranhas ziemlich schnell vermehren, wurden ausgesetzte Tiere meist recht schnell durch Gift getötet.
Auch in Deutschland wurden in einzelnen Flüssen bereits ausgesetzte Piranhas entdeckt, die vielfach von Zoologen gefangen und in öffentlichen Aquarien untergebracht wurden. Die südamerikanischen Gewässer haben warme Temperaturen bis 28°C, dennoch ist es den Piranhas offensichtlich möglich, sich auch an kältere Gewässer anzupassen. Solange die Wassertemperatur nicht unter 11°C sinkt, können sie auch dort problemlos überleben.
In öffentlichen Aquarien sind verschiedene Arten von Piranhas zu bewundern, privat und auch in der Mehrzahl öffentlich werden jedoch die relativ kleinen Red Bellys gehalten, die, wie ihr englischer Name besagt, gut an der rötlichen Färbung ihres Bauchs zu erkennen sind.
Gründe für die Legendenbildung
Im Jahr 1975 kam der sehr erfolgreiche Reißer „Jaws“, in Deutschland unter dem Titel „Der Weiße Hai“ bekannt, in die Kinos, der ein bis heute vielfach immer noch bestehendes, wenn auch falsches Bild vom Weißen Hai als ewig hungriger, grausamer Tötungsmaschine vermittelte. Im Sog der erfolgreichen Filme mit einem der größten und als am gefährlichsten eingestuften Haie wurden ähnliche Horror-Szenarien mit anderen Tieren kreiert, die einem Menschen unter Umständen gefährlich werden können (aber nicht zwingend müssen) wie beispielsweise Killerbienen und eben Piranhas.
Die Filme liefen jedoch nur so erfolgreich, weil sich schon vorher Legenden und Mythen um eben jene Tiere rankten, die ein breites Publikum durch solche Reißer noch bestätigt sah. Im Fall der Piranhas ist die Legendenbildung auf überlieferte Berichte von europäischen Eroberern zurückzuführen, die Erlebnisse und Beobachtungen aus Unkenntnis der ihnen fremden, südamerikanischen Flora und Fauna dramatisierten. Teilweise haben die Eroberer die Piranhas sogar als gefährlicher und blutrünstiger eingestuft als Haie.
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Bildnachweis:
Riesen-Piranha: (c) Martina Taylor, Pixelio
Piranhas: (c) Marionette, Pixelio
