Piratenangriff vor Somalia

Das Produkt eines gescheiterten Staates

Piraten haben ein Schiff aufgebracht - US Navy
Piraten haben ein Schiff aufgebracht - US Navy
Ein kurzer Abriss über die Geschichte Somalias und warum sich das Land zu einer Zuflucht für Piraten entwickeln konnte.

Staaten, in denen die Regierung jegliche Kontrolle über die Lage in ihrem Land verloren hat, werden als gescheiterte Staaten oder auch als Failed States bezeichnet. In ihnen sind Terror und Gewalt an der Tagesordnung, das staatliche Gewaltmonopol ist nicht vorhanden.

In Somalia haben Clans und bewaffnete Banden das Sagen, bekriegen sich gegenseitig und verbreiten Angst und Schrecken unter der Bevölkerung. Die verantwortliche Regierung schaut hilflos zu, unfähig, ihren Regierungsanspruch durchzusetzen. Somalia ist damit ein Musterbeispiel für ein solches gescheitertes Land. Auf dem Failed State Index der privaten Gesellschaft Fund for Peace belegt Somalia im Jahre 2008 den zweifelhaften Siegerplatz.

Historisch bedingtes Scheitern

Die Gründe für das Scheitern Somalias als Staat finden sich in seiner Geschichte. 1960 als ehemalige Kolonien Großbritanniens und Italiens unvorbereitet in die Unabhängigkeit entlassen, breiteten sich bald Chaos und Gewalt aus. Clanfehden und Angriffe der Nachbarländer ließen das Land nicht zur Ruhe kommen. Seit dem Sturz der Regierung unter Siad Barre im Jahre 1991 verfügt das Land über keine offizielle Regierung mehr. Unterschiedlichste Gruppierungen kämpfen stattdessen seither um die Vorherrschaft und Macht.

Die Wahl einer neuen Übergangsregierung am 31. Januar 2009 kann diese Situation wohl kaum verbessern. Aufgrund der schlechten Sicherheitslage kann diese ihren Machtanspruch nicht einmal in der Hauptstadt Mogadishu durchsetzen. Somalia besteht aktuell aus einer Vielzahl von kleinen Herrschaftsgebieten, in denen Warlords und Clan-Chefs das Sagen haben und das Recht des Stärkeren gnadenlos durchsetzen.

Nährboden für Piraten

Eine solche rechtsfreie Gesellschaft bietet natürlich einen guten Nährboden für kriminelle Vereinigungen aller Art. Aufgrund der Lage von Somalia am Horn von Afrika und damit an einer der meistbefahrensten Seestraßen der Welt entwickelte sich die Piraterie schnell zu einem lukrativen Geschäft. Von versteckten Häfen aus kapern Bewaffnete mit kleinen Booten große Frachter der Industrie-Nationen, nehmen die Besatzungsmitglieder als Geiseln und erpressen Lösungsgeld für die Freilassung von Seeleuten und Schiff. Küstenwache oder Polizei, die sie an daran hindern könnte, gibt es nicht.

Die Hilfe der internationalen Staatengemeinschaft

Nach dem Sturz der Regierung 1991 versuchte die internationale Staatengemeinschaft, das Land mit den Friedensmissionen UN-Mission in Somalia (UNOSOM) I und II zu stabilisieren. Doch nach einem militärischen Debakel, welches die USA im Jahre 1993 in der Hauptstadt Mogadishu erlebte und welches als Spielfilm „Black Hawk Down“ in der Öffentlichkeit bekannt wurde, schwand die Unterstützung. Die UN-Mission wurde 1995 beendet, der Erfolg war sehr umstritten. Seitdem ist das Land mehr oder weniger sich selbst überlassen, auch mangels Interesse seitens der großen Industrie-Nationen. Denn das arme Land Somalia bietet keine Bodenschätze oder anderes, was für sie von Interesse sein könnte.

Doch durch die Piraterie sind die Weltmächte wieder direkt betroffen, bedroht sie doch wichtige Handelsrouten und die eigenen Schiffe und Staatsbürger. Deswegen ist das Engagement der internationalen Staatengemeinschaft für Somalia in letzter Zeit wieder sprunghaft gestiegen. Kriegsschiffe aller Nationen überwachen die Küste und den Schiffsverkehr und versuchen, nur teilweise erfolgreich, die Piraten dadurch abzuschrecken. Schon jetzt wird ein härteres Vorgehen gegen die bewaffneten Banden vor der Küste Somalias gefordert, um diesem Spuk ein Ende zu bereiten. Inwiefern das nur mit militärischer Gewalt allerdings zu erreichen ist, bleibt fraglich

Quellen

Fund for Peace Failed State Index

CIA World Fact Book

Zerfallende Staaten, Aus Politik und Zeitgeschichte, Bundeszentrale für politische Bildung, 2005

Alexander Höhn, Alexander Höhn

Alexander Höhn - Guten Tag! Ich bin 32 Jahre alt und lebe zur Zeit in der Nähe von Kassel. 1996 trat ich in die Bundeswehr ein, durchlief den ...

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