
- Jack Sparrow erlebt fremde Gezeiten - Walt Disney Enterprises
Nach „Fluch der Karibik“, „Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2“ und „Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt“ übernimmt Regisseur Rob Marshall das Ruder von Gore Verbinski und bietet den Zuschauern mit „Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten“ ein weiteres Abenteuer mit Captain Jack Sparrow. Frei nach dem Motto „Man hätte aufhören sollen, als es noch am schönsten war“ werden in dem Film aber hauptsächlich Szenen und Situationen aus der vorangegangenen Trilogie aufgewärmt. So kann der Film leider nicht an die Qualität der Vorgänger anknüpfen.
Inhaltsangabe – Ein Wiedersehen mit Captain Jack Sparrow
„Pirates oft he Caribbean – Fremde Gezeiten“ knüpft fast nahtlos an das offene Ende des dritten Teiles an. Auch wenn bereits einige Zeit vergangen ist, ist Captain Barbossa (Geoffrey Rush) noch auf der Suche nach der Quelle der Jugend. Er hat sein ruchloses Piratenleben aufgegeben, um als Freibeuter unter der englischen Flagge mit Schiff und Crew versorgt zu werden. Er will Rache nehmen an dem gefürchteten Piraten Blackbeard (Ian McShane), der ihm nicht nur die Black Pearl gestohlen hat, sondern auch für den Verlust seines Beines verantwortlich ist. Der britische Monarch George II bittet niemand anderen als Captain Jack Sparrow (Johnny Depp), Barbossa auf seiner Reise zu begleiten, da nur Jack die Karte zur Quelle habe. Nach einigen Irrungen und Wirrungen landet Jack jedoch nicht auf Barbossas Schiff, sondern auf der Queen Anne's Revenge, dem monströsen Schiff von Blackbeard selbst. Dessen Tochter ist niemand anderes als Angelica (Penélope Cruz), Jacks ehemalige Liebschaft, und sie ist wild entschlossen, ihren Vater zur Quelle zu bringen, um eine tödliche Prophezeiung von ihm abzuwenden. Wie der Zufall will, ist auch die spanische Armee auf der Suche nach der Quelle der Jugend, und so beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Wer findet zuerst die zwei Kelche und die Träne einer Meerjungfrau, die man für das Ritual an der Quelle benötigt? Und wer weiß nun eigentlich den Weg dorthin?
Allerweltskrankheit „Sinnlose Fortsetzungen“ – „Fremde Gezeiten“ bietet viel Action, aber wenig Substanz
In einer Zeit, in der erfolgreiche Ideen ausgeschlachtet werden bis zum Schluss, und in einem Kinojahr 2011 voller Fortsetzungen, setzt auch Disney auf seine Goldgrube „Fluch der Karibik“. Wer dem Trailer die mangelnde Qualität des Films bereits angesehen hat, wird leider bestätigt. Zwar jagt eine Action-Sequenz die nächste, doch im Großen und Ganzen bleibt der Film enttäuschend blutleer. Dass Ted Elliott und Terry Rossio, die schon die ersten drei Teile geschrieben haben, auch hier wieder die Drehbuchautoren sind, ist kaum zu glauben. Die Geschichte ist für die Reihe ungewöhnlich einfach gestrickt, und die Dialoge sind so unglaublich platt und langweilig, dass selbst eingespielte Schauspieler wie Geoffrey Rush und Johnny Depp Probleme haben, ihren Charakteren neues Leben einzuhauchen. Der Charme und Witz der Vorgänger geht dabei völlig verloren, stattdessen behandeln sich die Figuren viel zu oft wie Mutter und Kind anstatt Spannungen spürbar zu machen. Zudem wirken die Schauplätze, Witze und Situationen größtenteils wie wiederverwertet. Die wenigen originellen Settings sind oft so dunkel gehalten, so dass man sie, durch die 3D-Brille zusätzlich verdunkelt, nicht richtig genießen kann. Da helfen auch die hervorragenden Effekte von "Industrial Lights and Magic" nicht mehr. Alles in allem ist das so ernüchternd, dass man sich nach dem Abspann nur wünscht, die Filmindustrie möge von weiteren Fortsetzungen absehen – ein Wunsch, der wahrscheinlich nicht in Erfüllung gehen wird.
Meerjungfrauen, Angelica und Blackbeard – die neuen Charaktere des Films
Nach Mondlicht-Skeletten, Voodoo-Zauberinnen, einer mit ihrem Schiff verwachsenen Crew und riesigen Kraken führt „Fremde Gezeiten“ zwei neue mystische Wesen in das „Fluch der Karibik“-Universum ein. Während die Zombie-Sklaven Blackbeards eher unnötig sind, bringen die Meerjungfrauen die dringend nötige emotionale Tiefe in das Geschehen. Als gefährliche Sirenen stürzen die lieblich anzusehenden Wesen unvorsichtige Seemänner in ihr Verderben, ziehen sie in die Tiefen des Meeres und fressen sie dort bis auf die Knochen auf. Nur mit hohen Verlusten gelingt es Blackbeard und seiner Crew, eine Meerjungfrau zu fangen. Ihren einzigen Verbündeten findet die Gefangene in einem jungen Geistlichen, den das Schicksal ebenso wie sie selbst Blackbeard zugespielt hat. Somit ersetzt dieses sehr ungleiche Gespann Keira Knightley und Orlando Bloom, deren Geschichte mit der ersten Trilogie abgeschlossen war und die somit in Teil vier nicht mehr dabei sind. Dass Captain Jack Sparrow, vor allem jetzt, da seine Charakterentwicklung nach drei Teilen definitiv abgeschlossen ist, alleine keinen Film tragen kann, schien den Produzenten also glücklicherweise bewusst gewesen zu sein. Die Nixen sind geheimnisvoll, wunderschön und gefährlich – schon immer eine reizvolle Kombination.
Ebenfalls ein Lichtblick des Films ist die Queen Anne’s Revenge, Blackbeards tödliches Schiff. Auf Blackbeards Befehl wird die Takelage lebendig – und schnell zum einschnürenden Gefahr für die Crew. Mit viel Atmosphäre und dem typischen blau-orangen Lichtspiel sind die Szenen auf und um das Schiff mitunter die anregensten. Blackbeard selbst jedoch wirkt nicht halb so furchteinflößend wie ehemals Davy Jones, trotz vieler Szenen, die verzweifelt versuchen, ihn so erscheinen zu lassen (und irgendwie auch trotz deutscher Stimme von "Dr. House"). Wenn es nicht gerade Nacht ist und sein Bart gefährlich raucht, wirkt Blackbeard doch eher wie eine stattliche Bulldogge, die zwar bellt, aber nicht beißt. Penélope Cruz als schöne Angelica macht sich zwar gut in ihrer Rolle, allerdings lässt der Film ihr nur selten Platz, um mehr zu sein als nur der weibliche Love Interest Jack Sparrows. Außerdem geht bei der deutschen Synchronisation leider ihr rassiger spanischer Akzent verloren.
Unterhaltsame, aber schwache Fortsetzung
Alles in allem ist „Pirates of the Caribbean“ zwar ein wegen viel Action und Effekten unterhaltsames Piratenabenteuer in voller Manier seiner Vorgänger, und wer die liebgewonnenen Charaktere Jack, Barbossa, Gibbs und sogar Jack den Affen gerne wieder auf der Leinwand sehen will, kommt sicherlich auf seine Kosten. Aber dabei ist der Film weder originell noch überraschend. Selbst die Musik von Hans Zimmer erfindet sich nicht neu, sondern wärmt alte Themen via neuer Instrumentierung wieder auf. Da hätte man mehr erwarten können. Schade, Disney!
Daten „Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten“:
- Originaltitel: Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides
- Produktionsland: Vereinigte Staaten
- Originalsprache: Englisch
- Erscheinungsjahr: 2011
- Länge: 141 Minuten
- Altersfreigabe: FSK 12
- Regie: Rob Marshall
- Drehbuch: Ted Elliott, Terry Rossio
- Produktion: Jerry Bruckheimer
- Musik: Hans Zimmer
Schauspieler:
- Johnny Depp: Captain Jack Sparrow
- Penélope Cruz: Angelica
- Geoffrey Rush: Captain Hector Barbossa
- Ian McShane: Cpt. Edward Teach/Blackbeard
- Kevin McNally: Joshamee Gibbs
