PISA Studie

Leistungen und Kritik der OECD-Studie

Neben wichtigen Fakten zur Studie beschäftigt sich der Artikel auch mit der eher öffentlichkeitsferneren Kritik.

PISA ist das „Programme for International Student Assesment“, also das Programm zur internationalen Schülerbewertung. Verantwortlich für die Durchführung und Auswertung ist die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

PISA ist die größte international durchgeführte Schulleistungsstudie mit rund 200 teilnehmenden Schulen pro teilnehmendem Staat. Insgesamt nahmen 32 Staaten mit über 180.000 Schülerinnen und Schülern an der Studie teil.

In jedem Land werden die gleichen Fragen gestellt, um zu gewährleisten, dass auch alle Schüler gleich bewertet werden können. Natürlich ist es nicht möglich, jedes Fach, das in der Schule unterrichtet wird, zu bewerten oder einen vergleichenden Wissenstest der Schüler für jedes Fach zu erstellen. Dies ergibt sich schon aus der Tatsache, dass viele Länder unterschiedliche Lehrpläne haben. Um aber dennoch vergleichende Daten zu erheben, hat die OECD sich auf den Test von drei Schwerpunkten beschränkt: der Mathematik, der Lesekompetenz und der Naturwissenschaft.

Diese drei Teilbereiche werden in regelmäßigem Wechsel schwerpunktmäßig getestet. Allerdings sieht die PISA-Studie sich nicht als Wissenstest, sondern will Schulziele überprüfen. Die Fragestellung, unter der PISA agiert, lautet: Sind Schüler auf das wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Leben vorbereitet?

Ergebnisse der PISA-Studie

Durch die regelmäßige Wiederholung der Studie kann die OECD die Ergebnisse im Zeitverlauf vergleichen und somit Änderungen im Schulsystem eines Landes und im internationalen Vergleich erkennen. Da aber die drei Jahre, in denen der Test wiederholt wird, eine sehr kurze Zeitspanne sind, in denen sich kein Schulsystem merklich ändern kann, sollte man die PISA-Studie anhand ihrer Schwerpunkte vergleichen. Somit hat man alle neun Jahre vergleichbare Daten zu einem bestimmten Schwerpunkt der Studie.

Weil die Basiskompetenzen getestet werden, möchte die OECD Stärken und Schwächen im Schulsystem aufzeigen, gegen die ein Staat vorgehen kann.

Auch das Alter der getesteten Schüler ist nicht zufällig gewählt. Getestet werden immer die 15-jährigen Schüler eines Jahrgangs der ausgewählten Schulen. Dieses Alter entspricht dem Alter, in dem die Schüler ihre Pflichtschulzeit abgeschlossen haben und normalerweise in das Berufsleben starten.

Dieses Alter hat auch etwas mit dem Aufbau der Studie zu tun. Da die Basiskompetenzen getestet werden und nicht das fachliche Wissen der Schüler, kann die OECD erkennen, in welchem Maß Schüler in verschiedenen Nationen auf das Berufsleben vorbereitet sind.

Auch ist das mediale Interesse an dieser Studie nicht zu verachten. Durch das Interesse an den Ergebnissen der Studie nimmt die breite Masse der Öffentlichkeit eventuelle Probleme im aktuellen System der Schule zur Kenntnis. Und nur wenn man Kenntnis über Probleme hat, ist man auch in der Lage zu reagieren.

Kritik an der PISA-Studie

„Fieber genau zu messen ist noch keine Diagnose, Fieber erfolgreich zu senken noch keine Therapie.“ Dieses Zitat von Hans Brügelmann erklärt in kurzer und einprägsamer Weise, wo die Schwächen der PISA-Studie liegen.

Aus den Medien ist jedem Deutschen bekannt, dass die deutschen Schüler International schlecht abgeschnitten haben. Da allerdings nur bekannt ist, dass die deutschen Schüler schlecht abgeschnitten haben und nicht, wo die Schwächen liegen, ist es schwer gezielte Verbesserungsvorschläge zu entwickeln. Und falls die deutschen Schüler bei den folgenden PISA-Erhebungen besser abschneiden als vorher, bedeutet das nicht, dass auch das Schulsystem besser geworden ist, sondern möglicherweise nur, dass die Schüler anders auf die Aufgaben vorbereitet wurden.

Aber es gibt noch weitere Kritikpunkte an der PISA-Studie: Einerseits gibt es speziell bei den Aufgaben zur mathematischen Grundkenntnis oft mehrere Lösungswege, von denen aber nur ein einziger als richtig erkannt wird. Im Einzelfall bedeutet das, dass ein Schüler, obwohl er die Aufgabe mathematisch korrekt gelöst hat, nicht die volle Punktzahl erhält.

Des Weiteren gibt der Umfang der Stichprobe Anlass zur Kritik. Wie oben bereits erwähnt, ist der Umfang der getesteten Schüler bei PISA sehr groß. Es werden rund 200 Schulen pro Land getestet. Allerdings stellen 200 Schulen in beispielsweise Deutschland nur einen geringen Prozentsatz der Schulen da, während beispielsweise in Luxemburg nahezu jeder 15-jährige Schüler an der Studie teilnimmt.

Auch bei den Übersetzungen der Fragen können Probleme auftauchen. So verlängert sich ein Text, der aus dem Französischen übersetzt wird, um durchschnittlich zehn bis zwanzig Prozent. Und Übersetzer neigen dazu Hilfen zu geben, die in der eigentlichen Fragestellung nicht vorkommen. Oder der Übersetzer übersieht einen Hinweis und übernimmt ihn dementsprechend nicht in die zu übersetzende Sprache.

Da die PISA-Studie ein reiner Basiskompetenztest ist, wird eine andere Eigenschaft der Schule gänzlich ausgelassen: die soziale Komponente. Ob Schüler in der Lage sind Konflikte zu lösen oder einfach nur das Zusammenleben in der Gesellschaft erlernen oder nicht, wird nicht getestet.

Nicht zu vergessen ist der Kritikpunkt, dass nach dem Alter und nicht nach der Klassenstufe getestet wird. Dadurch, so die Kritik, seien keine gleichen Voraussetzungen mehr gegeben. In Japan etwa beginnt die schulische Ausbildung bereits in den Kindergärten und ein 15-jähriger Japaner hat somit schon längere Zeit gelernt als ein Deutscher. Und auch Migranten, die durch die Zuwanderung eventuell später eingeschult worden sind und Schüler, die ein Klassenstufe wiederholen mussten, werden von PISA getestet, wenn sie der Altersklasse entsprechen. Diese Schüler können aber nicht auf dem selben Wissensstand sein, wie ihre Altersgenossen, die die Schulzeit ohne Hindernisse durchlaufen haben.

Was ist von PISA zu halten?

Die PISA-Studie ist ein akkurates Mittel, um Probleme im Bildungswesen aufzudecken, allerdings nur dann, wenn die PISA-Studie differenzierter betrachtet wird. Alle Ergebnisse der Studie müssen ins öffentliche Licht gerückt werden und man sollte versuchen, die Probleme zu beheben und nicht, wie es im Moment zu sein scheint, das komplette System deutscher Schulen verurteilen.

Dass die PISA-Studie alleine nicht in der Lage ist, wirkliche Schwächen aufzuzeigen, beweisen schon die vielen Verweise auf andere Studien im endgültigen Bericht zur Studie. Ein Bericht, der leider nicht die nötige Aufmerksamkeit erhält, da er mit einem Jahr Verzug zum populären Länder-Ranking erscheint.

Denn obwohl das große mediale Interesse zu befürworten ist, da es zumindest die Öffentlichkeit auf etwaige Probleme hinweist, wäre eine weniger sensationsgierige, aber dafür detailliertere Berichterstattung zu begrüßen.