
- Pizza - typisch italienisch - Klaus Steves / PIXELIO
Pizza, von vielen geliebt, weil sie unglaublich lecker ist, von einigen gemieden, weil sie schließlich Gourmets und keine Gourmands sind oder weil sie auf die Kalorien achten und der Versuchung widerstehen können. Ein deutscher Pizza-Hersteller wirbt jedoch eindeutig mit Verführung, wenn er ein Tête-à-tête am heimischen Herd bei seiner Pizza inszeniert, untermalt von Carusos Gesang „E donna è mobile“. Und Enrico Caruso liebte Pizza, zumindest wird ihm dies in den Mund gelegt: „Eines Tages werde ich nach Neapel zurückkehren, weil es meine Heimat ist, die ich liebe. Aber nicht, um zu singen, sondern um Pizza zu essen.“
Doch ist die Pizza wirklich eine italienische Erfindung?
Es ist davon auszugehen, dass bereits Araber, Griechen und Etrusker Brotfladen kannten, die auf Stein gebacken wurden. Diese dünnen Brote sind getrost als Vorläufer der späteren Pizza anzusehen, auch wenn der Belag eher karg ausfiel, sich auf Öl und Kräuter beschränkte. Und auch in Italien waren die ersten auf Stein gebackenen pizze nicht mit den heutigen zu vergleichen. Tomaten gab es erst, als ein anderer Sohn Italiens, Christoph Kolumbus, Amerika entdeckte und so die Tomate einige Zeit später ihren Weg nach Europa fand.
Pizza Margherita – die Lieblingspizza der Italiener
Wenn die Italiener auch nicht als Erfinder dieses Gerichts anzusehen sind, so gilt doch Neapel als Stadt der ursprünglichsten aller pizze, zwar der schlichtesten, aber in Italien immer noch der beliebtesten, nämlich der Pizza Margherita. Man irrt nicht, wenn man aufgrund des Namens vermutet, eine Frau habe eine entscheidende Rolle gespielt und zu dieser Kreation angeregt. Mit dem Tomatensugo bekam die Pizza dann auch erstmalig eine leicht fruchtige, fast süßliche Komponente, schließlich heißt pomodoro nichts anderes als Goldapfel. Und damit nichts dem Zufall überlassen bleibt, gibt es seit 2008 eine EG-Verordnung des Rates, die regelt, was eine Pizza Napoletana ausmacht.
Wann und wo die Pizza an Beliebtheit gewann
Die Pizza trat ihren Siegeszug in Italien und international allerdings erst Mitte des letzten Jahrhunderts an. Anfang der 1950er Jahre wurde sie in den USA immer beliebter. Und da die USA als Land der unbegrenzten Möglichkeiten gelten, ist sie hier auch mächtiger. Der Teig ist nicht zart und knusprig, sondern ansehnlich dick und locker. Und um der Verhältnismäßigkeit Genüge zu tun, fällt auch der Belag üppig aus.
Deutschland hinkte dem Pizza-Trend einige Jahre hinterher. Mit der Einwanderungswelle der Gastarbeiter, die vornehmlich aus den Pizza-Regionen Neapel, Kalabrien und Kampanien kamen, eröffnete hier und da eine Pizzeria. Die Italiener mögen es uns verzeihen, aber in den 1960er Jahren galten Pizza und Pasta in Deutschland als das italienische Essen schlechthin. Immerhin ist es aber der Reisefreudigkeit der Deutschen mit Ziel Italien zu verdanken, dass die Pizza quasi einen Re-Import erfuhr. Denn um den Bedürfnissen der Touristen nachzukommen, findet man sie nun überall auf italienischen Speisekarten.
Pizza-Varianten
Inzwischen kennen wir uns in Deutschland besser aus mit den regionalen italienischen Spezialitäten. Das hat uns jedoch nicht daran gehindert, Pizza in immer neuen Variationen auf den Tisch zu bringen, bis hin zu Pizza mit Gyros oder mit Curryhuhn, geschmacklichen Anleihen bei anderen Nationen. Und für die Unersättlichen oder Unentschlossenen gibt es Pizza con tutto. Keinesfalls sind jedoch die fruchtigen Varianten zu vergessen, von denen die Pizza Hawaii sicher die bekannteste ist. Möglicherweise ist sie als eine Referenz an die Retrowelle zu verstehen, mit der auch das Toast Hawaii aus den 1960er Jahren ein Comeback feierte. Ob dies alles einen Italiener erfreut? Solange es nicht als typisch italienisch deklariert wird, dürfte jedoch niemand etwas einzuwenden haben.
Pizza bianca – zurück zum einfachen, ursprünglichen Genuss
Neben all den kreativen Bemühungen, neue Belagvarianten zu erfinden, gibt es auch einen Trend, der zurück zum Ursprünglichen führt. So ist die Pizza bianca (weiße Pizza), also ohne Tomatensauce, eine Huldigung an den einfachen Genuss. Ein köstlicher und typisch italienischer Belag ist San Daniele-Schinken oder Parmaschinken, wie in diesem Rezept vorgeschlagen. Beispielsweise kommt die Pizza biancaneve (Schneewittchen-Pizza) nur mit Mozzarella, Salz, getrocknetem Basilikum und einem feinen Strahl Olivenöl aus. Ist sie fertig gebacken, wird noch frisches Basilikum darüber gestreut. Dies ist nicht nur etwas für Gourmets, sondern auch für alle, die Tomaten nicht vertragen oder mögen.
Quellen und weiterführende Informationen:
Bildnachweis:
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