Im Februar und März 2011 war sie DAS beherrschende Thema der deutschen Innenpolitik: die Plagiatsaffäre um Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg. Der 39-jährige Shootingstar der CSU hatte nach massiven Vorwürfen im Zusammenhang mit seiner rechtswissenschaftlichen Dissertation seinen Hut als Minister nehmen müssen und trat zudem von sämtlichen politischen Ämtern zurück. Seitdem ist es recht still um den ehemaligen Politliebling geworden. Jetzt meldete sich der gestürzte Minister zurück. In einer Stellungnahme gegenüber der Prüfungskommission der Universität Bayreuth spricht er im Zusammenhang mit den gegen ihn erhobenen Plagiatsvorwürfen und Urheberrechtsverletzungen von einem Missverständnis. Was es mit den Guttenberg'schen Äußerungen auf sich hat, lesen Sie im folgenden Artikel.

Ex-Minister Guttenberg weist vorsätzliche Täuschung zurück

Wie "spiegel.de" am 30. April 2011 berichtete, wehrt sich der frühere CSU-Verteidigungsminister Guttenberg nach wie vor vehement gegen die massiven Plagiatsvorwürfe, die die Universität Bayreuth am 23. Februar 2011 zur Aberkennung seines Doktortitels veranlasst hatten. Auch eine vorsätzliche Täuschung weist er zurück. Stattdessen spricht er von einem "Missverständnis". Auch die gegen ihn erhobenen Vorwürfe der missbräuchlichen Nutzung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags möchte der Ex-Minister nicht auf sich sitzen lassen. Immerhin geht es dabei um die Verschwendung von Steuergeldern. In seiner Stellungnahme gegenüber der Prüfungskommission der Uni Bayreuth weist Guttenberg darauf hin, dass er den Dienst ausschließlich für seine Abgeordnetentätigkeit genutzt habe. Die von der wissenschaftlichen Institution verwendeten Abhandlungen seien in den Jahren 2003 und 2004 entstanden. Die rechtswissenschaftliche Doktorarbeit habe er im Jahr 2006 an der Uni Bayreuth eingereicht. Ein vorsätzliches wissenschaftliches Fehlverhalten sei allein aus dieser zeitlichen Abfolge jedoch nicht zu abzuleiten.

Das endgültige Ergebnis der Uni Bayreuth wird Ende Mai erwartet

Wie der "Spiegel" weiter mitteilte, hielt der frühere Minister daran fest, dass das Prüfverfahren der Uni-Kommission vertraulich sei. Der Veröffentlichung des Ergebnisses hatte er vorab zugestimmt. Die Prüfungskommission hatte Guttenberg im April die Möglichkeit eingeräumt, zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen Stellung zu nehmen und sich auch zur Verwendung von Arbeiten des Wissenschaftlichen Dienstes zu äußern. Die Erwiderung von Guttenberg war erst kurz vor Ende der Frist per Fax bei der Uni eingegangen. Zu der knapp drei Seiten umfassenden Stellungnahme erklärte die Kommission, dass die Einlassungen Guttenbergs wohl nichts am Ergebnis der universitären Überprüfung ändern werden. Aufgabe der Kommission ist es zu prüfen, ob und inwieweit der Ex-Minister große Teile seiner Dissertation bewusst, also ohne Kennzeichnung der verwendeten Quellen, abgeschrieben hat. Die Ergebnisse dieser Überprüfung sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen sollen der Öffentlichkeit Mitte Mai 2011 präsentiert werden.

Die Affäre Guttenberg: ein kurzer Rückblick

Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle hatte im Zusammenhang mit dessen rechtswissenschaftlicher Dissertation Ende Februar 2011 von "unvorstellbaren Mängeln" gesprochen und sich öffentlich von seinem Schützling distanziert. Seit dem Bekanntwerden der Affäre kursierten im Internet politische Witze und boshafte Kalauer über den Minister, der unter anderem als "Dr. Googleberg" verspottet wurde. Die Plagiatjäger von "GuttenPlag-Wiki" entlarvten die 475 Seiten umfassende Dissertation von Guttenbergs als in weiten Teilen abgeschrieben und trugen maßgeblich zu seinem politischen Sturz bei. Seit der Affäre Guttenberg stehen auch weitere Doktorarbeiten von bekannten Persönlichkeiten im Visier der Internetjäger. So werden derzeit die Doktorarbeiten der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin und von Stoiber-Tochter Veronika Sass einer genauen Prüfung unterzogen. Auch in diesen beiden Dissertationen hat "VroniPlag Wiki" bislang zahlreiche Plagiatsstellen gefunden und im Internet publiziert.

Quellen: spiegel.de, AFP, derstandard.at