Plasma gegen EHEC-Erreger: Desinfektion – eine Notwendigkeit?

Erst desinfizieren, dann essen? - Bild: aboutpixel.de © Paul Hakimata
Erst desinfizieren, dann essen? - Bild: aboutpixel.de © Paul Hakimata
Plasma nennt sich die Substanz, die zur Desinfektion von Rohkost zur Zeit erforscht wird. Müssen wir in Zeiten von EHEC unser Essen desinfizieren und womit?

Seit dem Ausbruch der EHEC-Epedemie im Mai 2011 sind die Wissenschaftler mit Hochdruck damit beschäftigt, die Quelle der Verseuchung zu finden und die Folgen der schweren Infektionen in den Griff zu bekommen. Gurken, Salat, Tomaten und Sprossen sollen nicht roh verzehrt werden, die Gefahr lauert angeblich auf deren Oberfläche. So manchem, der auf den frischen Genuss nicht verzichten will, ist da schon die Idee gekommen, sein Grünzeug zu desinfizieren. Das ist jedoch nicht so einfach möglich, wie manche Hersteller von Desinfektionsmitteln weiß machen wollen. Eine scheinbar zuverlässige Lösung, die Keimreduzierung mit kaltem Plasma, befindet sich noch in der Erprobungsphase. Welche Möglichkeiten gibt es?

Kaltes Plasma zur Desinfektion was steckt dahinter?

Kaltplasma ist ein ionisiertes Gas, das über das gewaschene Gemüse geblasen wird. Eine Methode, die das besonders schonende Entfernen von Keimen ermöglicht und bereits seit Langem in der Medizintechnik angewandt wird. Dort wird es zur Wundheilung eingesetzt. Wie Dr. Oliver Schlüter, Koordinator des Verbundprojekts Fri-Plas vom Leibniz-Institut für Agrartechnik in Potsdam, mitteilt, hat man gute Erfolge bei der Bekämpfung des Darmbakteriums E.coli mit Kaltplasma erzielen können, aber eben noch nicht beim EHEC-Erreger. Ein weiteres Problem des Einsatzes von kaltem Plasma ist die Unterschiedlichkeit der einzelnen Gemüsesorten in Größe, Oberfläche, Empfindlichkeit und Stärke der Belastung. Hier müsse erst aufwendig getestet werden, welche Menge an kaltem Plasma angewendet werden kann und muss.

Sollte die Behandlung mit Kaltplasma möglich werden, bedeutet das außerdem den Abschied vom eigenhändigen Auswählen und Abwiegen von frischem Gemüse, wie es im Supermarkt üblich ist. Wenn die Desinfektion einen Sinn machen soll, so muss das Gemüse direkt anschließend verpackt werden. Beim Transport muss darauf geachtet werden, dass die Temperatur nicht über einen bestimmten Wert ansteigt, sonst steigt auch die Anzahl der Keime auf dem Gemüse an. Das gilt sowohl für den Transport mit Schiff oder LKW als auch für den Transport vom Supermarkt zum heimischen Kühlschrank. Dr. Schlüter betont, dass die experimentelle Phase der Anwendung von Kaltplasma sich noch Monate oder Jahre hinziehen kann, eine schnelle Lösung ist hier also nicht in Sicht.

Alternative: Silber-Lösung zum Besprühen oder Abwaschen?

Eine Sprühlösung mit kolloidalem Silber, wie von einer niederbayrischen Firma jetzt auf den Markt gebracht, soll die Lösung sein. Die Sprüh-Desinfektion soll Gemüse, laut deren Geschäftsführer, sicher von Bakterien und Keimen befreien. Von welchen Keimen genau, wird jedoch nicht gesagt. “Gesundes Essen macht mit silver-solution nicht krank”, ist eine weitere Aussage der Firma, die man so stehen lassen kann. Aber gesundes Essen macht auch ohne silver-solution sicherlich nicht krank. Da die Anwendung vorsieht, die "kinderleicht" aufzusprühende Lösung vor dem Verzehr des Gemüses nicht wieder abzuwaschen, nimmt der Verbraucher elementares Silber in seinen Körper auf, ein Vorgang, der gesundheitlich nicht unbedenklich ist. Eine ähnliche Thematik ergibt sich beim Waschen von Gemüse mit durch Tabletten desinfiziertem Wasser. Solche meist ebenfalls Silber enthaltenden Tabletten sind laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nicht dazu geeignet, Gemüse zu desinfizieren.

EHEC-Gemüse abkochen oder chlorieren?

Im Ausland wird Chlor als Desinfektionsmittel für Gemüse bereits angewendet, hierzulande verzichtet man aus Gründen der mangelnden Akzeptanz von Chlor auf Frischgemüse noch darauf. Chlordioxidwasser, das für diese Zwecke angewendet werden könnte, ist zumindest preiswert und scheint wirksam. Wirksame Methode zum Entfernen der Keime bleibt das Erhitzen über 70 °C oder das Abkochen, dessen Problematik bei Gemüse wie Salat oder Gurken jedoch offensichtlich ist: Das Gemüse verliert seine "knackige" Konsistenz, die speziell für diese Sorten unerlässlich ist. Man hört von Versuchen der Verbraucher, den Keimen durch Abwaschen mit Spüli oder Desinfektion mit Alkohol Herr zu werden. Von solchen Versuchen raten Wissenschaftler jedoch ab. Speziell die Desinfektion mit Alkohol scheint problematisch, wenn auch relativ ungefährlich für den Erwachsenen. Denn rückstandsfrei ist das Gemüse nach dieser Behandlung sicherlich nicht. Gemüse nimmt, wie Obst, Alkohol in sich auf, man denke da an Rumtopffrüchte. Hier scheint, was den Verzehr von Gurken, Salat, Sprossen und rohen Tomaten angeht, Verzicht und Enthaltsamkeit angesagt.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

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