Plastikmüll und Dünger vergiften Ozeane

Angespülter Plastikabfall  in Sierra Leone. - Christian Holger Strohmann
Angespülter Plastikabfall in Sierra Leone. - Christian Holger Strohmann
Phosphatdünger und Plastikabfälle werden an vielen Stellen der Erde tonnenweise ungehindert in die Weltmeere geschwemmt. Die Krankheits-Risiken sind immens.

Große Mengen an Phosphor, einem wichtigen Düngemittel, werden infolge wenig effektiver Landwirtschaft und vernachlässigter Abwasserbehandlung in die Ozeane gespült. Dies geht aus dem am 17. Februar 2011 veröffentlichten Jahrbuch des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) hervor, das auch erhebliche Bedenken zur Verschmutzung der Weltmeere mit Plastikmüll anmeldet. Nach Meinung von Experten, die in dem Buch zu Wort kommen, das am Vorabend der alljährlichen Umweltministerkonferenz in Nairobi vorgestellt wurde, machen sowohl die Phosphat-Absonderungen als auch die wachsenden Probleme mit Plastikabfällen auf die Notwendigkeit einer besseren Abfallwirtschaft in der Welt sowie auf effizientere Produktions- und Konsumptionsformen aufmerksam.

Schnellerer Übergang zu grüner Ökonomie erforderlich

“Die Phosphor- und marine Plastiksituation wirft ein scharfes Licht auf die dringend erforderliche Schließung wissenschaftlicher Lücken, aber auch auf einen beschleunigten Übergang zu einer Ressourcen schonenden grünen Ökonomie, um die Entwicklung nachhaltig zu gestalten und gleichzeitig Armut zu verringern”, sagte UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner. “Sei es Phosphor, Plastik oder irgend eine andere der unzähligen Herausforderungen, denen die moderne Welt gegenüber steht, es gibt sicher vielfältige Möglichkeiten, neuartige Arbeitsplätze und innovative, effektivere Industrien zu schaffen”, fügte er hinzu. Das UNEP-Jahrbuch 2011 hat die Phosphor-Thematik hervorgehoben, weil der Bedarf nach diesem Mineral im 20. Jahrhundert rapide anstieg, teilweise hervorgerufen durch die hitzige Debatte um möglicherweise zu Ende gehende natürliche Vorräte des Rohstoffs Kalziumphosphat.

Phosphatvorkommen nicht erschöpft – Reserven unterm Meeresgrund

Gegenwärtig produzieren etwa 35 Länder Kalziumphosphat, von den acht Staaten (Algerien, China, Israel, Jordanien, Russland, Südafrika, Syrien und die USA) die größten Reserven besitzen. Die Erschließung neuer Phosphatminen wurde in Australien, Peru und Saudi Arabien beantragt. Auch erforschen die Firmen weitere Lagerstätten, darunter auf dem Meeresgrund vor der Küste Namibias. Das UNEP-Jahrbuch fordert eine globale Bewertung der Phosphorvorkommen und eine präzisere Beobachtung seines Einwirkens auf die Umwelt, damit der Umfang von ökonomisch bedeutsamen Reserven abgeschätzt werden kann. „Während es wirtschaftlich abbaubare Mengen an Kalziumphosphat in verschiedenen Ländern gibt, sind jene ohne jegliche einheimische Reserven im Fall einer weltweiten Knappheit dieses Rohstoffs besonders anfällig“, wird in dem Jahrbuch hervorgehoben.

Wege des Phosphors durch die Umwelt erforschen

Weitere Untersuchungen seien laut Jahrbuch 2011 auch über den Weg des Phosphors in der Umwelt erforderlich, um seine maximale Nutzung für die Landwirtschaft und Tierzucht zu erreichen, Abfall zu verringern und den Einfluss auf die Umwelt – vor allem auf Flüsse und Ozeane – zu reduzieren. Auch das enorme Potenzial der Aufbereitung von Abwasser wird angesprochen, denn 70 Prozent der Abwässer sind mit Nährstoffen und Düngemitteln angereichert, die unbehandelt in Flüsse und Küstengebiete geleitet werden. Andere Möglichkeiten den Abfluss zu verringern, sind die Kontrolle von Bodenerosionen und des Verlusts von Mutterboden, worin große Mengen Phosphor an Erdpartikel und überschüssige Chemikalien gebunden sind, nachdem die Felder mit Kunstdünger behandelt wurden.

Winzige Plastikteilchen absorbieren Schadstoffe aus dem Meer

Das Jahrbuch macht weiterhin auf neu aufkommende Gefahren aufmerksam, die als “hartnäckige Bio-Akkumulation toxischer Substanzen” im Zusammenhang mit Plastikmüll in Meeresgewässern bezeichnet wird. Forschungsergebnisse zeigen, dass winzige Plastikteile aus dem Ozeanwasser und darin schwebenden Sedimenten eine breite Palette an giftigen Chemikalien wie polychlorierte Biphenyle (PCBs) oder das berüchtigte Pestizid DDT absorbieren und konzentrieren. Viele dieser Schadstoffe, einschließlich PCBs, können laut UNEP-Studie durch den Verzehr von Fisch und anderen Meeresfrüchten beim Menschen chronische Beschwerden wie Störungen des Hormonsystems, Veränderungen des Erbgutes oder Tumore hervorrufen.

Der Autor an der UNO-Mission in Sierra Leone, Foto: UNIOSIL

Christian Holger Strohmann - Mehr als 20 Jahre lang habe ich für die Vereinten Nationen (United Nations Organisation - UNO) auf allen Kontinenten als Journalist, ...

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