Platanus-Schule – eine Schule von der Vorschule bis zum Abitur

Platanus-Schule – höhere Schule mit Vorschule - Erich Bunge / pixelio.de
Platanus-Schule – höhere Schule mit Vorschule - Erich Bunge / pixelio.de
Staatliche Bildungsgutscheine den einen, Bildung als höchstes Gut jenen, deren Eltern stattliches Schulgeld zahlen. Mit dem Grundgesetz vereinbar?

Die privat geführte Platanus-Schule in Berlin-Pankow gibt es seit 2010 und sie will eine herausragende Schule für ausgewählte Kinder sein.

Der Anspruch der Platanus-Schule

Die Platanus-Schule ist eine ganztägige bilinguale Bildungseinrichtung mit den Unterrichtssprachen Englisch und Deutsch. Sie nimmt für sich in Anspruch

  • ein modernes und durchgängiges pädagogisches Konzept mit wissenschaftlich abgesicherten und in der Praxis bewährten Lern- und Lehrmethoden sowie interne und externe Evaluationen anzubieten,
  • die individuellen Bedürfnisse eines jeden Kindes zu erkennen und ernst zu nehmen,
  • die Kinder in der Entwicklung ihrer Sozialkompetenz zu fördern,
  • ein breites Allgemeinwissen, internationale Kommunikationsfähigkeit und fachspezifische Kompetenzen mit besonderem Schwerpunkt auf den Naturwissenschaften und Mathematik zu vermitteln, und zwar mit ihrer Anwendung in der Ökologie, Umwelttechnik, Wirtschaft und Medieninformatik,
  • mit den Eltern partnerschaftlich zusammenzuarbeiten.

An den Unterricht, der je nach Wochentag und Klassenstufe zwischen 14 und 16 Uhr endet, schließt sich nahtlos die Nachmittagsbetreuung mit Förderangeboten, Kursen und Arbeitsgemeinschaften für alle Altersstufen an. In den Ferien wird diese Betreuung ganztags angeboten. Darüber hinaus ist das tatsächlich Besondere an dieser Bildungseinrichtung, dass sie Kindergarten mit Vorschule, Grundschule und Gymnasium in sich vereint.

Bildung in der Vorschule im Spannungsverhältnis zum Grundgesetz

Der Platanus-Kindergarten mit Vorschule bereitet direkt auf die Platanus-Grundschule vor, von dieser geht es weiter an das Platanus-Gymnasium, alles unter einem Dach. Die Heranwachsenden besuchen vom Kindergarten bis zum Abitur dieselbe Einrichtung. Ist das überhaupt zulässig? Darf ein Gymnasium seine eigene schulinterne Vorschule haben, die speziell auf den Besuch dieser Schulform vorbereitet?

Wenngleich in aller Munde, ist der Begriff Vorschule missverständlich, denn er ist nicht eindeutig definiert. Im Allgemeinen wird darunter ein der ersten Klasse vorangestelltes Jahr in der Grundschule oder das letzte Jahr im Kindergarten verstanden, in dem die Kinder spielerisch und in kleinen Gruppen Grundfertigkeiten erwerben, die Voraussetzung für den Schulbesuch sind. In Berlin begegnet man dem Problem der allzu großen Leistungs-Heterogenität der Schulanfänger durch die offene Schuleingangsphase. Eine Vorschule in dem etwas antiquierten Sinne, in dem das Grundgesetz das Wort nach wie vor verwendet, eine Vorschule nämlich, die an die Stelle der Grundschule tritt und Kinder der oberen Gesellschaftsschicht gezielt auf den Besuch der höheren Schule vorbereitet, ist in Deutschland verboten. Gängige Vorschulen bereiten auf den Besuch der Grundschule vor, nicht auf den des Gymnasiums.

Das Platanus-Gymnasium mit eigener Vorschule umschifft diese Klippe, indem es einerseits den üblichen Dreischritt Vorschule – Grundschule – Oberschule nicht antastet, allerdings die Grundschule lediglich dem Namen nach belässt und kostenpflichtig deutlich anspruchsvoller gestaltet und andererseits Quereinsteiger zulässt. Ins Gymnasium können auch Kinder von anderen Grundschulen aufgenommen werden. Freie Plätze für Schüler zusätzlich zu denen, die von der Platanus-Grundschule kommen, wird es geben, denn die Grundschule läuft ein-, das Gymnasium zweizügig. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass Schülern ohne die elitäre Grundschulbildung der Platanus-Schule der Schulwechsel gelingt?

Eignungstests und Schulgeld

Zwei Hürden müssen genommen werden, um an der Platanus-Schule lernen zu können. Die erste ist kognitiver Art: Vor der Aufnahme müssen die Kinder einen Eignungstest bestehen. Darüber hinaus sind ein einkommensabhängiges Schulgeld von mindestens 100 Euro zuzüglich 70 Euro Essengeld monatlich und 430 Euro Lehrmittelbeteiligung jährlich zu entrichten. Kurse, Arbeitsgemeinschaften und Projekte im Nachmittags- und Ferienprogramm sowohl für die Grundschüler als auch für die Gymnasiasten sind nicht durch das Schulgeld abgedeckt, sondern müssen hinzugekauft werden. Traurig ist das für Kinder, die ausreichend Verstand für die Platanus-Schule haben, aber keine zahlungskräftigen Eltern. Die Platanus-Schule ist nicht offen für alle und hat die verbotene Vorschule durch die Hintertür wieder eingeführt, denn das Förderprogramm der gezielt auf das Gymnasium vorbereitenden Grundschule steht nur gegen Bezahlung zur Verfügung.

Quelle: http://www.platanus-schule.de/

Bild: Erich Bunge / pixelio.de

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