Das wird die Stadtwerke garantiert nicht freuen. Seit Jahren werben sie mit ihrem sauberen Trinkwasser, das für jedermann zugänglich zu günstigen Preisen aus dem Hahn fließt. Doch um dessen Qualität ist es nicht gut bestellt. Wie ein bundesweit durchgeführter Trinkwassertest in zehn ausgewählten deutschen Großstädten ergab, war die Hälfte der entnommenen Proben stark verkeimt. Die Untersuchung wurde vom TÜV Rheinland und dem ARD-Verbrauchermagazin "Plusminus" durchgeführt. Was der Test in Städten wie Frankfurt am Main, Köln, Düsseldorf, Aachen oder Hannover ergeben hat, können interessierte TV-Zuseher in der Sendung am 2. August 2011 ab 21.50 Uhr in der ARD erfahren.

Verkeimtes Trinkwasser: schlechte Noten für öffentliche Gebäude

Die Ergebnisse des bundesweiten Trinkwassertests sind eher erschreckend. Obwohl das Leitungswasser von jeher zu den besonders gut kontrollierten Lebensmitteln in Deutschland gehört, wies die Hälfte der Proben eine starke Verkeimung auf. Besonders mangelhaft ist die Qualität des Leitungswassers in öffentlichen Gebäuden wie Bahnhöfen, Universitäten und - ausgerechnet! - Krankenhäusern. Wie der TÜV Rheinland mitteilte, seien in einigen Fällen die Grenzwerte für Keime um ein Achtfaches überschritten worden. Die Gründe für die Verschmutzung des Wassers sind schnell ausgemacht: beschädigte Leitungen oder stehendes beziehungsweise langsam fließendes Wasser, in dem sich rasch Keime ansiedeln können. Auch mangelnde Hygiene kann eine Rolle spielen, etwa bei unzureichend gereinigten Wasserhähnen. Einige Wasserproben wiesen nach den Erkenntnissen der Tester gesundheitsschädliche Coli-Bakterien auf, die Erbrechen und Durchfall auslösen können. Auch die gefährlichen Legionellen wurden in vier Proben gefunden. In immerhin noch zwei Proben ermittelten die Tester zudem Krankenhauskeime, die Entzündungen verursachen können.

Bleibt die Frage, ob verkeimtes Trinkwasser für Menschen gesundheitsschädlich ist. Das kann tatsächlich der Fall sein, wie der Experte für Mikrobiologie beim TÜV Rheinland, Walter Dormagen, erklärte. Gefährdet sind vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Eine besondere Gefahr geht vor allem von Legionellen aus, die im schlimmsten Fall zu lebensbedrohlichen Erkrankungen führen können.

Wie kann man sich gegen Keime im Trinkwasser schützen?

Einige einfache Verhaltensregeln reduzieren das Risiko, mit verseuchtem Wasser in Berührung zu kommen. So sollte man das Wasser aus dem Hahn vor der Entnahme erst einige Sekunden laufen lassen. Um das Bakterienwachstum zu reduzieren, ist es erforderlich, die Vorlauftemperatur von Warmwasser auf mindestens fünfzig Grad einzustellen. Nach längerer Abwesenheit, zum Beispiel nach einem Urlaub, empfiehlt es sich, sämtliche Wasserhähne aufzudrehen und für ein oder zwei Minuten laufen zu lassen, um eventuelle Keime auszuspülen. Wer in Bezug auf die Qualität des Leitungswassers sicher gehen möchte, kann es auch von den Stadtwerken oder den städtischen Umweltämtern untersuchen lassen. Diese bieten derartige Tests meistens kostenlos an.

Die beste Alternative zu Leitungswasser: günstiges Mineralwasser

Wer auf den Genuss von Leitungswasser verzichtet, geht auch kein Risiko wegen eventueller Verkeimung ein. Mineralwasser ist eine gute Alternative. Wie unlängst eine Untersuchung von "Stiftung Warentest" ergab, muss es nicht unbedingt ein teures Markenprodukt wie Gerolsteiner, San Pellegrino, Apollinaris oder Vöslauer sein. Auch das Billig-Mineralwasser aus dem Supermarkt oder Discounter schneidet in den meisten Fällen gut ab. Der Test ergab, dass viele billige Mineralwässer für 19 Cent pro 1,5-Liter-Flasche durchaus empfehlenswert sind. Besonders gut schnitt das Mineralwasser der Discounter Lidl und Norma ab.

Quelle: tagesschau.de