
- Gespaltenes Bild nach den Wahlen in Polen - PKW
Am Montag, den 5.07.10, verkündete die Staatliche Wahlkommission die offiziellen Wahlergebnisse der Stichwahlen um das Amt des Präsidenten in Polen. Auf den liberal-konservativen Kandidaten der Bürgerlichen Plattform Bronislaw Komorowski fielen 53,01 Prozent Stimmen, auf den national-konservativen Jaroslaw Kaczynski 46,99 Prozent. Im ersten Durchgang am 20. Juni lag Komorowski ebenfalls vorne; er erreichte jedoch keine absolute Mehrheit. Der Gewinner bekam diesmal 1.140.753 Stimmen mehr. Die Wahlbeteiligung betrug 55,31 Prozent.
Der neue Präsident von Polen
"Konspiration, Haftanstalten, Gefängnisse und Internierungslager waren meine politischen Universitäten", so stellt sich der neue Präsident von Polen auf seine Homepage vor. Er gilt als europafreundlich und befürwortet die Einführung des Euros in Polen. Die Ursprünge seiner adeligen Familie reichen ins 14. Jahrhundert. Bronislaw Komorowski studierte Geschichte an der Warschauer Universität. 1968 nahm er an den studentischen Protesten teil. Im Dezember 1971 wurde er zum ersten Mal verhaftet. Die nächsten Festnahmen folgten in den kommenden Jahren. Ab 1982 arbeitete er als Redakteur in einer Untergrund-Zeitschrift. Nach der Wende saß er ab 1991 als Abgeordnete im Sejm - dem polnischen Parlament. Zwischen 2000 und 2001 wurde er Verteidigungsminister in der Regierung von Jerzy Buzek. 2007 wählte ihn das polnische Parlament zum Marschall.
Kopf an Kopf-Rennen
Die zwei Kandidaten führten einen unerbittlichen Wahlkampf. Bis zum Schluss versuchten sie, ihre Wähler zu mobilisieren. Sie führten mehrere öffentliche Debatten im Fernsehen und bereisten unermüdlich das Land. Beide sparten das Thema der Flugkatastrophe aus. Bei Smolensk kam der Bruder von Jaroslaw - Lech Kaczynski, der amtierende polnische Präsident - ums Leben. Am Wahltag änderten sich die mit Spannung erwartete Ergebnisse abwechselnd zu Gunsten des einen oder des anderen Kandidaten. Um Mitternacht durfte sich Jaroslaw Kaczynski kurz über einen geringen Vorsprung freuen.
Geteiltes Polen
Die Verteilung der Stimmen bringt ein gespaltenes Bild von Polen ans Licht. Für Bronislaw Komorowski hat sich der Westen und Norden entschieden. Jaroslaw Kaczynski erlangte die Mehrheit im Osten und Süden. Auf die Seite Kaczynskis, des Kandidaten von PiS (Recht und Gerechtigkeit), schlugen sich die Kirche und die Bevölkerung auf dem Lande. Die polnische Linke unterstützte mehrheitlich Komorowski (68,8 Prozent), für Kaczynski entschieden sich 31,2 Prozent. Im Ausland stimmten Polen in den USA, in Kanada und in Rom für Kaczynski. In anderen Ländern – auch in Deutschland – für Komorowski.
Ministerpräsident Tusk über das Wahlergebnis
Ministerpräsident Donald Tusk zeigte sich über das Wahlergebnis erleichtert: Mit dem neuen Präsidenten werde er gemeinsam das erste und wichtigste Projekt angehen – die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen. Er mahnte gleichzeitig, dass mit dem Sieg ein Kredit bei den Wählern aufgenommen sei; diesen müsse man zurückzahlen.
Die Fragen nach der Flugkatastrophe
Jaroslaw Kaczynski, der sich im Wahlkampf ungewöhnlich moderat zeigte, versprach unterdessen die Rückkehr zum Thema der Flugkatastrophe bei Smolensk. Einige Sachkundige befürchten, dass dies die Wiedergeburt der Verschwörungstheorien und den Rückfall in alte aggressive, streitsüchtige Sprache bedeutet.
Quellen: Polnische Zeitschrifften Gazeta Wyborcza und Polityka.
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