
- Schüler, Lehrer und Gäste - Hilgers-Weber
Die Projektwoche entspricht dem "Planspiel Kommunalpolitik", welches die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) ins Leben gerufen hat. Jugendliche sollen so für die Politik begeistert werden. In der kleinen nordfriesischen Stadt Bredstedt ergriff man sofort die Möglichkeit einer Beteiligung und meldete die neunten Klassen der Gemeinschaftsschule für den ganz speziellen WiPo-Unterricht an.
Die Friedrich-Ebert-Stiftung sammelte die Arbeitsergebnisse ein und wertet sie aus
Die FES begleitete zwar während der ganzen Woche die Schüler und Lehrer bei der Arbeit. Doch viel zu tun hatten die zwei Studenten nicht. Die Jugendlichen regelten weitgehend unter der Aufsicht ihres Lehrers Marc Perry alles alleine – und an einem Vormittag dann auch mit Hilfe ihrer Stadtvertreter, die, aus den unterschiedlichen Parteien stammend, die Kids tatkräftig informieren und unterstützen sollten. Die Arbeitsergebnisse werden indes separat von der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgewertet.
Die Schüler befragten Christian Schmidt, als wären sie Zeitungsvolontäre
Wie im wirklichen Leben, ging man bei dem Planspiel von mehreren Fraktionen innerhalb einer Kommunalvertretung aus. Jeweils fünf Jugendliche bildeten so eine Kleingruppe. Von Christian Schmidt, Kreistagsabgeordneter und Stadtvertreter (CDU) sowie stellvertretender Bürgermeister der Kleinstadt, waren die Neunklässler besonders angetan. Sie nannten sich "Mitspracherecht in Bredstedt" ("MIB") und legten gleich so intensiv forschend mit ihrer persönlichen Befragung des Vermögensberaters los, als recherchierten sie als Zeitungsvolontäre für ihren ersten Bericht. "Warum machen Sie Politik?", "Was haben Sie gelernt?", "Wie stellt man richtig Anfragen und Anträge in der Stadtvertretung?", bewiesen von Beginn der Unterrichtseinheit das große Interesse an dieser Form des "Politiker-Coachings".
Die Schüleranfrage und der Antrag gingen in die Stadtvertretung zur Beratung
Mit Schmidts Hilfe wurden dann eine Anfrage und ein Antrag für die nächste Sitzung der Stadtvertretung Bredstedt ausgearbeitet, wobei immer wieder die kommunale Geschäftsordnung zu Rate gezogen wurde. Bei den Themen waren die Schüler besonders eifrig – und wirtschaftsorientiert: Im örtlichen Schwimmbad, so war es ihr Wille, sollte künftig Jugendlichen aus der Region für Musikveranstaltungen eine Plattform gegeben und damit der Tourismus angekurbelt werden.
Die Stadtvertretung lehnte den Antrag ab – Christian Schmidt wird weiter kämpfen
Eine Enttäuschung gab es für die eifrigen "MIB"s dann doch. Ihr Antrag wurde am darauffolgenden Tag in der Stadtvertretung abgeschmettert, man zeigte kein Herz für Kinder. Christian Schmidt macht den Schülern dennoch Mut: "Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass Euer Antrag noch einmal eingereicht und diskutiert wird."
"Nein, in die Politik gehen wir nicht, wir wollen in andere Berufe"
War das "Planspiel Kommunalpolitik" also für die Katz? "Nein", sagen die Jugendlichen. Sie hätten viel gelernt und ihren Spaß gehabt. Doch Christian Schmidt nachfolgen und Politiker werden, wollen sie dennoch nicht: "Wir haben andere Interessen." Stimmt: Johanna will Opernsängerin werden, Antonio Bankkaufmann, Ayla Polizistin, Lucas Landmaschinentechniker und Lisa Erzieherin. Aber so weit ist es noch nicht. Wenn sie in eineinhalb Jahren den Realschulabschluss in der Tasche haben, vielleicht denken sie dann anders als heute. Erfahrung in der Kommunalpolitik bringen sie ja mit. Und vielleicht gründen sie dann die Partei oder Wählergemeinschaft "MIB" – Mitspracherecht für Bredstedt.
