Porsche: ein geschichtlicher Überblick

Vom "Zwölfmann-Betrieb" zum Weltkonzern

Ferdinand Porsche machte aus einer 12 Mann großen Firma die begehrteste Automarke der Welt. Doch der Sportwagenhersteller hat eine dunkle Vergangenheit

Dieser Name steht für Kraft, Schnelligkeit und einzigartiges Design: Porsche. Es ist keine Marke für Jedermann, obwohl es nicht daran liegt, dass ein 911 zu wenigen gefällt oder der Cayenne zu klotzig wirkt. Es liegt einfach am Preis. Qualität soll nun mal etwas kosten. Der profitabelste Autohersteller der Welt baut mit die teuersten Fahrzeuge. Doch wer weiß schon, dass ein VW-Käferbesitzer ebenfalls einen Porsche fährt, auch wenn Volkswagens Wappen den Kühler ziert.

Ferdinand Porsche als Arbeitnehmer

Tatsächlich verdankt der Stuttgarter Autobauer seinen größten Erfolg einem Kleinwagen. Und einer Idee, das Auto für den Durchschnittsbürger herzustellen. Als 56-jähriger stand Ferdinand Porsche 1931 erstmals ohne Job da. In dreißigjähriger Berufserfahrung hatte er für diverse Europäische Firmen Autos konstruiert. Er trug einen Doktortitel der Technischen Universität in Wien und galt allgemein als Genie. Nach seiner Kündigung bei den Steyr-Werken im April 1930 erhielt Porsche schnell neue Jobangebote von Škoda und von General Motors. Doch er zögerte. Porsche störten die Einschränkungen denen er als Arbeitnehmer unterlag. Vor allem wollte er nicht mehr Andere von seiner Arbeit profitieren lassen. Sein Sohn Ferry merkte später einmal an: „Mein Vater sagte, wenn er bei einem Unternehmen einen Vertrag unterzeichnete, konnte das Unternehmen weitere zehn Jahre von seinen Entwürfen leben – er selbst jedoch nicht.“

Der Weg in die Selbstständigkeit

Im April 1931 war es dann soweit. Porsche gründete, mit gerade mal zwölf Mitarbeitern sein eigenes Konstruktionsbüro. Im ersten Jahr konnte sich die Firma nur knapp über Wasser halten. „Wir lebten damals von der Hand in den Mund“, erzählte später die Sekretärin der Firma, Anne Junkers, „ich weiß noch, wie oft ich von Stuttgart nach Pforzheim gefahren bin, um 50 Mark zu holen, damit die Firma irgendeine Rechnung bezahlen konnte“. Als Jungunternehmer war Porsche glücklich über jeden Auftrag. Er baute Flugzeugmotoren, technisches Zubehör für Schiffe. Gleichzeitig befand sich die Welt immer noch in der Wirtschaftskrise. In Deutschland gab es beinahe fünf Millionen Arbeitslose und die Wirtschaftsprognosen für die kommenden Jahre versprachen keine Besserung. Vor allem der Automobilmarkt litt unter der Krise.

Der Volkswagen für die Massen

Gleichzeitig zeichnete sich ein neuer Trend in der Branche ab. Während die großen Autohersteller auf ihren teuren Modellen sitzen blieben, wuchs in Deutschland die Nachfrage nach Kleinwagen. Dabei war die Idee des Autos für den Durchschnittsbürger nicht neu. In den Vereinigten Staaten stellte der Automagnat Henry Ford schon seit 1908 sein Modell T in Massenproduktion her. Für 950 Dollar waren seine Autos bei Landwirten und Arbeitern beliebt. Wieso sollte dieses Konzept nicht auch in Deutschland funktionieren? Ferdinand Porsche sieht diese Lücke auf dem deutschen Automobilmarkt. Doch noch fehlt ihm das Geld, um einen Kleinwagen in Massen zu produzieren.

Im September 1931 erhält er dann seinen ersten Auftrag. Er soll für den Nürnberger Motorradhersteller Zündap zunächst drei Kleinwagen bauen. Diese Autos bekommen den Namen „Typ 12“ und haben eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem späteren Volkswagen. Genau wie später beim Volkswagen liegen beim „Typ 12“ Motor und Getriebe im Heck. Ach die Karosserie ähnelt dem legendären „Käfer“. Doch bei der Testfahrt versagen Porsches Autos. Die Motoren der Prototypen laufen schon nach wenigen Kilometern heiß. Die Kühlung ist überfordert. Dabei hatte sich Zündapchef Neymeyer, entgegen Porsches Ratschlag, für einen wassergekühlten Fünfzylindermotor entschieden. Neymeyer versprach sich davon mehr Laufruhe für die Autos und erhielt Hitzestau. Die Probleme hätten leicht beseitigt werden können, doch Zündap fehlte das Geld. Neymeyer beendet die Zusammenarbeit mit Porsche.

Porsches Zusammenarebeit mit Hitler

Ferdinand Porsches Traum eines Wagens für die Massen sollte sich erst mit einem Politischen Machtwechsel in Deutschland erfüllen. Und gleichzeitig begann damit das dunkle Kapitel der Firmengeschichte. Den Ausschlag dazu gab am 11 Februar 1933 Hitlers Rede über die Zukunft des deutschen Straßenverkehrs bei der Berliner Automobilausstellung. Hitler und Porsche teilten eine gemeinsame Idee, die des Volkswagens.

Noch am selben Tag ging ein Telegramm Porsches in der Berliner Reichskanzlei ein, „als Schöpfer vieler und namhafter Konstruktionen auf dem Gebiete des deutschen und österreichischen Kraft- und Luftfahrwesens und mehr als 30 Jahre mitkämpfend an dem heutigen Erfolg beglückwünsche ich Euer Exzellenz zur tiefgreifenden Eröffnungsrede der deutschen Automobilausstellung. Ich hoffe dass es mir und meinen Mitarbeitern weiterhin und in erhöhtem Maße vergönnt bleibt: Dem deutschen Volke unser Wollen und Können zur Verfügung zu stellen. Dr. Ferdinand Porsche“. Eine Woche später trafen sich Porsche und Hitler persönlich, um über die Zukunft des deutschen Straßenverkehrs zu sprechen.

Am 22. Juni 1934 unterzeichnete Porsche den Vertrag mit der RDA (Reichsverband der Automobilindustrie). Porsche verpflichtete sich in sechs Monaten den Entwurf für einen Volkswagen vorzulegen. Bis zum 22. April 1935 sollte Porsche 50 000 Autos in Serie gebracht haben. Hitler hatte für den Volkswagen eine Vorgabe gesetzt: nicht mehr als 1000 Mark sollte er kosten. Porsche verkaufte ihn schlussendlich für 900 Mark.

Eduard Fischer, Eduard Fischer

Eduard Fischer - Hallo liebe Leser, ich studiere Journalismus über einen Fernstudiengang. Außerdem bin ich freier Mitarbeiter bei der ...

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