Nach dem 4. November 2008 könnte der 44. Präsident der USA Barack Obama heißen. Gut liegt er im Rennen, bei den ersten Vorwahlen am 3. Januar in Iowa gewann er viele Sympathien und Wählerstimmen. Knappe 9 Prozent lag er vor seiner schärfsten Konkurrentin aus den eigenen Reihen, Hillary Clinton. Politologen und Meinungsforscher zeigten sich überrascht: „Ja“ antworteten sie auf die Frage, ob denn ein 46-jähriger Schwarzer überhaupt eine Chance habe, in die Fußstapfen von George W. Bush treten zu können.
Was Obama von seinen Konkurrenten unterscheidet ist nicht nur sein Alter – jung war John F. Kennedy auch – oder seine dunkle Hautfarbe. Es ist auch seine strikte Ablehnung des Irak-Krieges, einem sensiblen Thema, das den USA viel Prestige und Glaubwürdigkeit gekostet hat. Es ist aber auch die unkonventionelle Einstellung zu Abtreibungen, die so gar nicht in das Bild eines Menschen passt, der sich für die United Church of Christ, die Vereinigte Kirche Christi, engagiert.
Obama und Oprah Winfrey
Mit welchem Budget Obama ins Rennen um den mächtigsten Posten der Welt ging, ist nicht ganz klar. Unterschiedlichen Quellen zufolge liegt sein Budget derzeit zwischen 75 und 100 Millionen US-Dollar. Neben dem ökonomischen Kapital konnte er noch andere Formen von Kapital gewinnen, allen voran soziales: Neben John F. Kerry hat sich auch der amerikanische Medienstar Oprah Winfrey auf seine Seite geschlagen. Oprah Winfrey ist eine einflussreiche Frau, sie ist Schauspielerin, Leiterin eines Fernsehsenders und Millionen schwere Unternehmerin in einer Person. Wenn sie etwas gut findet, dann finden das ihre unzähligen Fans auch, empfiehlt sie in ihrem Buchklub ein Buch, dann wird es in der Regel ein Bestseller.
Ein Politiker ohne Scheuklappen
Die politische Laufbahn von Obama begann bereits vor zwölf Jahren, doch erst 2004 konnte er sich aus der Riege der Jungpolitiker positiv absetzen. Das geschah am Parteitag von Boston, als er auf Wunsch von John F. Kerry vor Tausenden Demokraten hinter das Rednerpult treten durfte. Er machte eine ausgesprochen gute Figur dabei, die Menschen waren begeistert von dem charismatischen Demokraten.
2004 wurde er auch Senator von Illinois, wo er sich einen Ruf erarbeiteten konnte, der sich jetzt als ausgesprochen förderlich erweist: Das Image des umgänglichen, Kompromiss bereiten Politikers, der auch mit solchen Menschen kann, die seine Ideologie nicht zu 100 Prozent teilen. Seine offene Art ist es auch, die ihn in der Gunst der Demokraten steigen lässt: Er ist der Demokrat, dem sie es zutrauen, auch Stimmen von Republikanern gewinnen zu können.
Anwalt für Bürgerrechte und Sozialarbeiter
Bevor Obama sich der Politik verschrieb, arbeitete er unter anderen als Anwalt für Bürgerrechte in Chicago. Seine Ausbildung beendete er 1991 an der US-Elite-Universität Harvard, wo er, als Chefredakteur der Harvard Law Review, auch journalistische Luft schnupperte. Doch der „magna cum laude“- Jurist ist nicht nur vertraut mit dem Denken und Handeln der amerikanischen Elite, er kennt auch das andere Ende der Sozialstruktur. In Chicago leistete er jahrelang gemeinnützige Arbeit in einem Ghetto.
Multikulturelle Kindheit
Geboren wurde Barack - "der Gesegnete“ - am 4. August 1961 in Honolulu. Er ist das Ergebnis einer Liebe zwischen einer weißen Frau aus Kansas und einem schwarzen Mann aus Kenia. Beide studierten an der Universität von Hawaii. Sie heirateten, als ihr Sohn zwei Jahre alt war ließen sie sich wieder scheiden. Bald darauf zogen Mutter und Sohn nach Jakarta, der Heimat des neuen Stiefvaters von Barack. Mit zehn verließ Barack Indonesien, er zog zu seinen Großeltern nach Hawaii. Sie schickten ihn auf eine renommierte Privatschule in Honolulu, 1979 machte er seinen High-School-Abschluss. Das Leben danach konzentrierte sich auf Los Angeles und New York, wo er Politikwissenschaft studierte. 1983 schloss er das Studium ab.
Seit 1992 ist Barack Obama verheiratet mit der Juristin Michelle Robinson. Sie haben zwei Töchter, Malia (1999) und Sasha (2001).
Barack Obama verfasste auch drei Bücher. Die Autobiografie „Dreams from My Father: A Story of Race and Inheritance“ (1995), „Audacitiy of Hope: Thoughts on Reclaiming the American Dream“ (2006) - der deutsche Titel lautet "Hoffnung wagen" - und gemeinsam mit Lisa Rogak “Barack Obama in His Own Words” (2007).
