Porträt des Springreiters Henrik von Eckermann

Seit vielen Jahren eine feste Größe im Stall Riesenbeck von Ludger Beerbaum, macht der Schwede immer wieder durch Erfolge auf sich aufmerksam.

Der Schwede ist ein Mann mit vielen Eigenschaften – klar in der Zielsetzung, strukturiert bei der Arbeit und konsequent bei der Durchführung. Mutig, wenn es darum geht Träume zu verwirklichen und willensstark, wenn es gilt sportlich etwas zu erreichen.

Einfach Enorm

Enorm – ein Wort das bei Henrik von Eckermann immer wieder eine Rolle spielt und ihn durchs Leben begleitet. Als Adverb beschreibt der Begriff treffsicher die Entwicklung seiner reiterlichen Karriere. Enorm war auch die Hartnäckigkeit und die Reihe glücklicher Zufälle, die Henrik von Eckermanns Weg nach Deutschland bereiteten. Kein Wunder, dass es gerade der Wallach mit dem Namen Enorm war, der großen Eindruck bei dem heute 30-jährigen Bereiter hinterließ, nachdem er ihn im Stall von Ludger Beerbaum reiten durfte.

Schon in frühen Jahren Ambitionen

„Ehrgeizig“ lautet die ehrliche Antwort, die Henrik von Eckermann offen und mit einem Lächeln Preis gibt, wenn man nach seinen Eigenschaften fragt. „Ich bin schon mal ungeduldig und will immer alles richtig gut machen.“ Genau dieser Charakterzug war der Grund, weshalb es im ersten Anlauf nichts mit der Reiterei wurde. Aufgewachsen auf dem Land, nahe der schwedischen Stadt Söderköping, gehörten Pferde für Henrik von Eckermann zum Leben einfach dazu. Seine Eltern waren begeisterte Freizeitreiter und hielten einige Pferde - zum Vergnügen, ohne Turnier-Ambitionen. Dass einer ihrer drei Söhne einmal sportlichen Ehrgeiz auf dem Pferderücken zeigen würde, damit rechnete Familie von Eckermann damals noch nicht.

Dickköpfiges Pony

Während seine beiden Brüder dem Reiten keinerlei Interesse schenkten, zeigte sich Henrik nicht abgeneigt. Henrik war acht Jahre, als seine Eltern ihm sein erstes Pony schenkten. Doch nach seinen ersten Versuchen im Ponysattel hatte er schnell genug von dem bockenden kleinen Spielverderber, der nicht laufen, sondern vor allem stehen bleiben und fressen wollte. Ohne absehbare Ergebnisse fehlte ihm der Anreiz, der Spaß an der Sache. Fortan vertrieb sich der Sportbegeisterte einige Jahre lang seine Zeit lieber mit Fußball, Tennis, Eishockey und verschiedenen weiteren Sportarten. Jeder Sport wurde ausprobiert, intensiv betrieben und nach einer Weile wieder aufgegeben – das Richtige, das fesselnde Element war nicht dabei.

Erfolg im zweiten Anlauf

Und schließlich fand Henrik von Eckermann, dass Reiten, wenn man es ernsthaft anging, einen zweiten Versuch wert sei. Diesmal wollte er es grundlegend richtig machen. Ein neues, größeres Pony zog auf dem elterlichen Hof ein. Der inzwischen 14-jährige bekam Unterricht, wurde ehrgeizig und entdeckte das Springen. Auch das neue Pony stoppte, bockte und war frech. Doch dieses Mal hatte Henrik von Eckermann Feuer gefangen und ließ sich den Spaß am Springreiten nicht verderben. Er hatte durch Unterricht, Trainer und Vorbilder jetzt ein Ziel vor Augen und setzte sich gegen den sturen Ponydickkopf durch. Es dauerte nur wenige Monate und er besuchte die ersten Turniere.

Training mit Peder Fredricson

Einer der hilfreichen Zufälle spielte mit, als Henrik von Eckermann, noch in den reiterlichen Kinderschuhen, seinen späteren Trainer traf. In der Nähe des elterlichen Hofes fand ein Training mit Peder Fredricson statt, einem damals wie heute international erfolgreichen schwedischen Springreiter, der zum schwedischen Kader gehört. Bekannte von Eckermanns gaben den Eltern den Tipp Henrik dort mitreiten zu lassen. Es kam wie es kommen sollte - es war noch ein letzter Platz frei. So luden Henriks Eltern den Sohn in den Wagen, das Pferd auf den Hänger und machten sich auf in Richtung internationales Top-Training. Was anderen vielleicht eine Nummer zu groß erschienen wäre, war für Henrik genau richtig. Fredricson erkannte das Talent des jungen, ambitionierten Reitschülers und war fortan Trainer des Springreit-Nachwuchses. Schnell gesellte sich zu dem Pony ein Großpferd. Der Neue Sportpartner hieß Chess, war acht Jahre alt und ebenfalls ein schwedisches Warmblut. Mit ihm erreichte Henrik van Eckermann ein weiteres Ziel: die Teilnahme am ersten S-Springen. Und das nach gerade einmal drei Jahren im Sattel.

Hochgesteckte Ziele

Mit wachsendem Erfolg wuchsen auch die Ziele des Teenagers, der neben der betriebswirtschaftlichen Schule immer noch genug Zeit für das Training fand. Auch wenn Trainer Fredricson inzwischen in Südschweden beheimatet war, nahm von Eckermann zwei Mal in der Woche den gut zweistündigen Weg auf sich, um vor Ort zu trainieren. Zwei Mal nahm er an den Europameisterschaften der jungen Reiter teil, 2001 und 2002. Neben einem 16. und 17. Platz in der Einzelwertung, gewann der er mit der Mannschaft einmal die Silbermedaille.

Umzug zu Ludger Beerbaum

Bereits in jungen Jahren war Henrik von Eckermann ein großer Fan von Ludger Beerbaum. Was lag also näher als vorsichtig beim großen Idol anzuklopfen und zu fragen, ob er mal für einen Monat vorbei kommen dürfe. Von den Turnieren aus Schweden kannte er die Pferdepflegerin von Marco Kutscher. Sie stellte den Kontakt her und Henrik durfte nach Riesenbeck – einen Monat lang. Zurück in Schweden trainierte er zuhause intensiv, setzte engagiert die im Stall Beerbaum gewonnenen Inspirationen um und fragte nach ein paar Monaten erneut nach, ob er noch einmal vorbei kommen dürfte. Er durfte und blieb. Der Stil, den Henrik von Eckermann beim Reiten pflegt, zeigt deutlich die Schule: Ludger Beerbaum. Egal ob erworben oder mitgebracht – Stil verbindet. Von einem kurzen Ausflug in Richtung Augsburg, in den Stall Puschak und zu Cian O’Connor kehrte Henrik van Eckermann schnell zurück nach Riesenbeck.

Jungspunde in den Sport bringen

Seit der 30-Jährige bei Ludger Beerbaum als Bereiter engagiert ist, stehen ihm viele hervorragende Pferde zur Verfügung. Sieben bis neun Pferde reitet er seit dem täglich. In der Anfangsphase gehörte es vor allem anderen zu seinen Aufgaben junge Pferde auszubilden und auf Springpferdeprüfungen vorzustellen. Darunter Pferde wie der gekörte Hengst Captain Fire, der 2006 Bundeschampion der Springpferde wurde. Und der von Cornet Obolensky gezogene Cristallo, mit dem von Eckermann 2008 das Westfalen Championat der 5-jährigen Springpferde gewinnen konnte.

Mitglied des schwedischen Kaders

Von allen Pferden schwärmt er, die Arbeit mit den talentierten Vierbeinern macht ihm sichtlich große Freude. Doch wenn von einem Pferd die Rede ist, leuchten seine blauen Augen ganz besonders. Der Wallach Enorm hat es Henrik von Eckermann ganz besonders angetan. Mit ihm startete der Schwede 2008 im Aachener Chio. Als Mitglied des schwedischen Kaders ritt er neben Rolf-Göran Bengtsson und Helena Lundbäck im Nationenpreis für sein Heimatland. „Enorm zu reiten war einfach ein tolles Gefühl. Er hat eine lange Sprungphase, und springt unglaublich kraftvoll. Das ist schon etwas besonderes – einfach großartig.“

Stephanie Sieckmann, Stephanie Sieckmann

Stephanie Sieckmann - Stephanie Sieckmann studierte Anglistik, Romanistik und Wirtschaftswissenschaften und arbeitete anschließend als Produkt-Scout. ...

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