
- Jochen Horst - BBM
Jochen Horst hat seine Schauspielausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz mit Auszeichnung im Studienbereich Schauspiel (Summa cum laude) abgeschlossen. Weitere zwei Jahre studierte der am 07. September 1961 geborene Osnabrücker das Method Acting am Lee-Strasberg-Institut in London. Seine praktische Laufbahn startete Jochen Horst 1985 und 1986 mit Engagements in den Serien „Derrick“ und „Der Alte“. 1986 erhielt er den O. E. Hasse-Preis als Bester Newcomer des Jahres.
Seinen Durchbruch jedoch brachte ihm die Rolle des Sascha-Alexander in der Serie „Das Erbe der Guldenburgs“, hergestellt von der ndf (neue deutsche filmgesellschaft) in den Jahren 1986 bis 1988. Diese Familiensaga rund um eine adelige Brauereifamilie und deren Überlebenskampf gegen den drohenden Ruin galt als deutsche Antwort auf „Dallas“ und „Dynasty“ / „Der Denver Clan“ und wurde mit großem Erfolg über drei Staffeln und 39 Folgen für das ZDF produziert.
Der zweite große Coup
Von 1990 bis 1994 sammelte Jochen Horst Gagen wie Erfahrung durch Engagements für Gastrollen in diversen Fernsehproduktionen, bis ihm 1995 der zweite große Coup gelang: Die Titelrolle in „Balko“. Über drei Jahre und in 49 Folgen spielte Horst den lässigen Dortmunder Kriminalhauptkommissar und schuf damit eine Kultfigur, die bis heute unvergessen ist. Die Serie brachte Jochen Horst 1996 den Adolf-Grimme-Preis als Bester Schauspieler ein.
Auch privat lief es gut für den Osnabrücker: Er heiratete 1995 seine Schauspielkollegin Anouschka Renzi und wurde Vater einer Tochter.
1998 bis 2004 folgten wieder zahlreiche Haupt- und Nebenrollen in Spielfilmen und Gastauftritte in Serien. Im selben Zeitraum wurde aber die Ehe mit Anouschka Renzi geschieden; 2002 ehelichte Horst die Mutter seines Sohnes, Tina Ciamperla.
SAT.1, Jochen Horst und „Typisch Sophie“
In dieser Anwaltsserie spielte Jochen Horst einen Ermittler für denjenigen Rechtsanwalt, für den auch die Titelheldin der Serie tätig war: Sophie Schütt als alleinstehende Mutter, die sich zwischen ihrem Chef und der von Jochen Horst verkörperten Figur entscheiden musste. Die Serie war kein großer Quotenerfolg und verschwand nach zwei Staffeln wieder vom Bildschirm. Nicht wenige Brancheninsider munkeln, dass das hochwertig umgesetzte Format im öffentlich-rechtlichen Fernsehen besser angekommen wäre: ARD und ZDF haben eine höhere Stammzuseherschaft für derartige Produktionen.
Jochen Horst im Jahr 2008: „Die Stein“
Die Serie mit Julia Stemberger in der Titelrolle erzählt die Geschichte einer engagierten, jungen Lehrerin, die ihren Job an der Heinrich-Heine-Schule antritt. Überraschend für sie ist, dass ihr früherer Liebhaber Alexander Fumetti die Schule inzwischen leitet. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Oliver besitzt Katja Stein ein Landhotel, doch nach dem Seitensprung ihres Mannes mit Katjas Schwester platzt der Traum vom gemeinsamen Glück. Der Ehemann geht ins Ausland und das Hotel wird zwangsversteigert, weil Katja Stein Lehrerin bleiben möchte und sich der Herausforderung, ihren Betrieb zu erhalten, nicht stellen will.
Jochen Horst spielt in „Die Stein“ Stefan Hagen, den Besitzer eines Reiterhofs, der seiner Karriere in der Wirtschaft abgeschworen hat: Ein vertrauenweckender und bodenständiger Charakter, der ein hohes Maß an Ruhe und Souveränität ausstrahlt. Jochen Horst verkörpert diese Rolle auf eine sehr sympathische und glaubwürdige Weise. Manch eine Zuschauerin wird sich wünschen, sich an seiner Schulter festhalten zu dürfen. Stefan Hagen hilft Katja Stein, in dem er unter anderem bei der Zwangsversteigerung ihres Landhotels den Preis nach oben treibt. Die Serie ist ein Erfolg für die ARD: Um die fünf Millionen Zuschauer schalten regelmäßig ein und ergeben so rund 17 Prozent Marktanteil der Serie beim Gesamtpublikum; darauf wartend zu erfahren, ob Stefan Hagen oder Alexander Fumetti der neue Mann an Katja Steins Seite wird.
Jochen Horst und seine Zukunftsaussichten
Leider sind Fernsehserien hierzulande nur dann richtig erfolgreich, wenn sie auf die Zielgruppe des älteren Publikums maßgeschneidert werden. Junge Leute schauen bevorzugt Daily Soaps und wechseln dann ins Internet oder zu anderen Freizeitbeschäftigungen. Doch aus gerade diesem Umstand ergeben sich eine zunehmende Zahl von Produktionen und Rollen, die Jochen Horst durch das Erreichen des dafür erforderlichen Alters übernehmen kann: Je älter er wird, desto öfter wird er verpflichtet werden. Seine Zukunftsaussichten sehen demzufolge rosig aus.
Was seine Karriere erneut fördern würde, wäre eine Titelrolle, durch die Jochen Horst wieder verstärkt in den Fokus des öffentlichen Interesses rückt. Ihm selbst wie auch dem Publikum wäre das zu wünschen. Die schauspielerische Reife dafür hat er schon lange.
