Portrait: Fernando Lugo

Designierter Präsident von Paraguay, Bischof, Theologe und Lehrer

Am 15. August 2008 bekommt Paraguay ein neues Staatsoberhaupt: Fernando Lugo. Wer ist dieser Mann?

Wenn Fernando Lugo spricht, dann hören die Menschen ihm zu. Mit sonorer Stimme weckt der die Aufmerksamkeit der Zuhörer, spricht er vom Glauben und von der Liebe, dann trifft er ihre Herzen. Denn sie klingen weder schmalzig noch aufgesetzt, die Reden des charismatischen Mannes mit dem graumelierten Haar, sondern authentisch und ehrlich.

Lugo übermittelt seine Botschaften auf Spanisch und auf Guaraní, der zweiten Amtsprache des Landes. Es ist eine Tupí-Sprache, der vorwiegend die Landbevölkerung mächtig ist. Die Landbevölkerung im Allgemeinen und die Kleinbauern im Speziellen waren es auch, die Lugo von einer Kandidatur bei den Präsidentenwahlen 2008 überzeugen konnten. Sie hatten Unterschriften gesammelt, als über hunderttausend Stimmen zusammen kamen, signalisierte Lugo im Dezember 2006: Ja, er stehe für eine Präsidentschaftskandidatur zur Verfügung. Er werde als Spitzenkandidat für die „Patriotische Allianz für den Wechsel“ (Alianza Patriótica para el Cambio) in den Wahlkampf ziehen.

Von der Theologie zur Befreiungstheologie

Es war keine leichte Entscheidung, die er da traf, denn eigentlich war Lugo ein Mann Gottes, Theologe und Bischof. Mit 19 Jahren, als er gerade sein erstes Berufsjahr als Grundschullehrer beendet hatte, trat er in die Kirche ein. Bald darauf vertiefte er seinen katholischen Glauben, studierte an der Universidad Católica Nuestra Señora de la Asunción Tehologie. Mit 26 wurde Lugo zum Priester geweiht, im selben Jahr ging er nach Ecuador, wurde zur rechten Hand des „Bischofs der Armen“, Leonidas Proaño. Fünf Jahre lang arbeitete er als Lehrer und Landpfarrer in Guaranda und Echeandía. Es war die Arbeit mit dem Armen in den Anden Ekuadors, die sein Interesse für die Befreiungstheologie weckte - eine Theologie, die sich speziell für die Bedürfnisse der sozial Ausgegrenzten einsetzt.

Flucht nach Rom

1982 zog es Lugo zurück in seine Heimat. Es sollte jedoch nur ein kurzer Aufenthalt werden, denn die Diktatur unter Präsident Stroessner (1954 – 1989) verwies ihn 1983 des Landes. Lugo ging nach Rom, studierte dort Soziologie. 1987 kehrte er nach Paraguay zurück, verdiente seinen Lebensunterhalt wieder als Lehrer.

Auf der Seite der Landbesetzer

Von 1994 bis 2005 arbeitete Lugo als Bischof in der ländlichen Diözese San Pedro, sie liegt in der ärmsten Region des Landes. Konflikte zwischen den mittellosen Kleinbauern und den mächtigen Großgrundbesetzern waren dort an der Tagesordnung. Als sie eskalierten, unterstütze Lugo aktiv die Landbesetzer, gemeinsam protestierten sie gegen die regierende Colorado-Partei. Es war auch Lugo, der 2006 das Manifest gegen die beabsichtigte Verfassungsänderung verlas: sie sollte eine Wiederwahl des amtierenden Colorado-Präsidenten Duarte ermöglichen.

Vom Vatikan suspendiert

Doch Lugos Weg in die Politik war damit noch nicht geebnet. Da das paraguayische Gesetz keine geistlichen Präsidenten erlaubt, musste Lugo erst den Vatikan um Entlassung aus seinen christlichen Pflichten bitten. Er flog nach Rom – und wurde vom Vatikan suspendiert.

Spross einer politischen Familie

Politische Aktivitäten waren für Fernando Armindo Lugo Mendez, so sein voller Name, nicht Neuland. Er stammt aus einem politischen Haus, der Bruder seiner Mutter, Epifanio Mendez Fleitas, war ein Politiker der Colorado-Partei. Als er unter dem Stroessner-Regime in Ungnade fiel, ging er ins Exil. Auch drei Brüder des designierten Staatsoberhaupts flohen vor Stroessners Folterknechten ins Ausland.

Geboren wurde der Sohn von Guillermo Lugo und Maximina Mendez am 30. Mai 1951 im paraguayischen San Solano.

Gerit Gönitzer - Den Großteil meines Lebens verbrachte ich in Wien. Dort studierte ich auch Sozial- und Kulturanthropologie, Publizistik und ...

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