Portrait: Guns N' Roses

Erscheint das langerwartete neue Album 2008?

17 Jahre ist es her, dass Guns N' Roses ihr letztes Studioalbum veröffentlichten. Zahlreiche Besetzungswechsel später ist die Band aktiver denn je.

Fans der US-Rockband Guns N’ Roses sind vor allem eines: geduldig. Seit dem fulminanten Doppelalbum „Use Your Illusion I&II“ (1991) erschien zwar ein Punk-Coveralbum („The Spaghetti Incident?“, 1993), ein Live-Album („Live Era 87-93“, 1999), sowie ein von der Band selbst nicht autorisiertes Best Of („Greatest Hits“, 2004), aber das bereits 1998 erstmals angekündigte neue Studioalbum „Chinese Democracy“ lässt weiterhin auf sich warten. Für manch einen sind die Herren Rose & Co längst zum Running Gag geworden. Für andere sind sie lebende Legenden. Nun kommt wieder Bewegung in die Sache. Im Dezember 2007 verlautbarte Gitarrist Richard Fortus in einem Onlineforum, die Platte sei fertig. Die Entscheidung, wann sie das Licht der Welt erblicke, liege von nun an in den Händen von Geffen Records (die inzwischen von Universal geschluckt wurden und sich in einer Umstrukturierungsphase befinden).

Die Anfänge

Bereits 1982 gründeten die vom ländlichen Indiana nach Hollywood ausgewanderten jungen Musiker William Axl Rose und Izzy Stradlin ihre erste Band. Ein Garagenprojekt, das nur wenige Tage existieren sollte. Der Zusammenschluss der Sleaze-Rock-Truppen Hollywood Rose und L.A.Guns im Jahr 1985 war der Geburtspunkt von Guns N’ Roses (die L.A. Guns um Leadgitarrist Tracii Guns sind aber ebenfalls seither höchst aktiv). Die Zeit der Gruppe als drogensüchtige, aggressive Straßenbande beschreibt Ex-Gitarrero Saul Slash Hudson eindrucksvoll in seiner jüngst erschienenen Autobiographie (Harper Collins, 2007). Noch im selben Jahr unterzeichneten sie bei David Geffen, der, nachdem sie zahlreiche namhafte Produzenten abgewiesen hatten – darunter auch Paul Stanley von Kiss -, bereit war, den fünf Musikern jegliche erbetenen Freiheiten zu gewähren. Auf dem Sunset Strip sprach sich das schnell herum. Die bereits von Geffen lancierte, offiziell aber auf dem bandeigenen Label Uzi Suicide publizierte EP „Live Like A Suicide“ (1986) sollte bis zum Erscheinen des Debütwerks „Appetite For Destruction“ (1987) den Ofen warm halten.

Hey-Day: 1987 – 1993

Obwohl sich MTV vorerst weigerte, angriffslustige und düstere Songs wie „Welcome To The Jungle“ zu spielen, begann von da an der ungehemmte Aufstieg in den Rockolymp. „Paradise City“ und „Sweet Child O’Mine“ wurden vom Fleck weg zu Klassikern des Genres, Teenies der 80er und Gitarrenfetischisten jeglicher Couleur gehen bis heute vor „Patience“ in die Knie. Ähnliches gilt für „Nightrain“, das auch im neuen Jahrtausend noch auf zahllosen Listen der besten Rocksongs aller Zeiten landet. Vier Jahre darauf, als mit „Use Your Illusion I&II“ zwei Alben gleichzeitig in den Läden standen, wurden die ersten Vorwürfe des Größenwahns laut. Zu Unrecht, wie Kritiker heute eingestehen müssen. Allein die Trilogie „Don’t Cry“ – „November Rain“ – „Estranged“ (videotechnisch brillant in Szene gesetzt von Axl Rose und Regisseur Andy Morahan) setzte neue Maßsstäbe. Zehn-Minuten-Stücke, in Radio und Musikfernsehen in voller Länge präsentiert, wären vorher undenkbar gewesen. Die Use Your Illusion World Tour mit fast 200 Konzerten auf allen Kontinenten tat ein Übriges. Das zum Tourabschluss veröffentlichte Coveralbum „The Spaghetti Incident?“ war, obwohl sich GN’R damit einen kleinen Traum erfüllten, für viele Fans eher eine Enttäuschung verglichen mit dem vorangegangenen Bombast.

Die verlorenen Jahre

Ab 1994 schien es bergab zu gehen, das Ende der Band, so wurde gemunkelt, sei in Sicht. Rose ersetze Gitarrist Gilby Clarke durch seinen Freund aus Kindheitstagen, Paul Tobias. Heftige Konflikte über diese Personalie und Roses Versuch, musikalisch neue Wege zu gehen, führten zum Ausstieg von Kultgitarrist Slash 1996. Noch am selben Tag, dem 7. Juli, bestätigte Rose Slashs Weggang in einem Fax an MTV und kündigte dennoch stur ein neues Album an. Schlagzeuger Matt Sorum, der sich mit der Entwicklung unglücklich zeigte, wurde gefeuert, und 1998 nahm auch Bassist Duff McKagan den Hut. Das Doppelalbum „Live Era 87-93“ (1999) bezeichnete Rose in einem Interview mit dem Rolling Stone dann auch als „Abschied“ von den alten Zeiten. Noch im selben Jahr platzierte er den neuen Song „Oh My God“ auf dem Soundtrack des Schwarzenegger-Films „End Of Days“, produziert von Sean Beavan.

Das ewige Comeback

Zum Jahrtausendwechsel holte er sich Avantgarde-Gitarrist Buckethead an Bord, Ex-Replacements-Bassist Tommy Stinson und Ex-Nine-Inch-Nails-Gitarrist Robin Finckwaren bereits seit 1998 im Team. Mit der neuen Besetzung stand Rose erstmals am 1.1.2001 in Las Vegas (House Of Blues) auf der Bühne, der fulminante zweistündige Gig bei Rock In Rio (14.1.2001), bei dem erstmals auch brandneue Songs präsentiert wurden, sollte ein neuer Anfang sein. Die angekündigte Europatournee wurde aber abgesagt, ebenso alle Ersatztermine. Eine US-Tour 2002 brach die Band auf halber Strecke ab. 2004 folgte noch ein Fiasko, als Buckethead genervt die Band verlies. Wieder wurde es still um Guns N’ Roses, bis…

Es geht weiter!

… 2006 überraschend eine Welttour angekündigt und tatsächlich auch durchgehalten wurde. Dasselbe 2007. Nur den Veröffentlichungstermin des neuen Albums „Chinese Democracy“, den Rose in einem Offenen Brief im Dezember 2006 für Anfang März 2007 versprochen hatte, konnte man wieder mal nicht einhalten. Aber: Ist das wirklich wichtig? Guns N’ Roses sind so aktiv wie seit 15 Jahren nicht mehr, geben Konzerte, die innerhalb weniger Minuten ausverkauft sind, und das neue Songmaterial ist ambitioniert und vielversprechend. Und vielleicht ist 2008 ja tatsächlich das Jahr, auf das viele gewartet haben. Im Dezember 2007 sagte Gitarrist Richard Fortus, „Chinese Democracy“ sei der Plattenfirma übergeben worden. Im Januar 2008 konnte Keyboarder Dizzy Reed diese Information bestätigen.

Für alle, die gar nicht mehr warten können: Axl Rose leiht seinem Kumpanen Sebastian Bach (Ex-Skid Row) auf dessen Album „Angel Down“ (2007) dreimal seine Stimme. Darunter, möglicherweise eine nicht allzu subtile Botschaft, das beeindruckende Aerosmith-Cover „Back In The Saddle“.

Diskographie

  • Live Like A Suicide (EP, 1986)
  • Appetite For Destruction (1987)
  • Lies (EP, 1988)
  • Use Your Illusion I (1991)
  • Use Your Illusion II (1991)
  • The Spaghetti Incident? (1993)
  • Live Era 87-93 (1999)
  • Greatest Hits (2004)