Porträt der Paiuteindianerin Sarah Winnemucca (Thocmetony)

Traumfänger - S. Thomas  / pixelio.de
Traumfänger - S. Thomas / pixelio.de
Sarah Winnemucca wirkte nicht nur als Schriftstellerin und Vermittlerin zwischen den Indianern und Weißen, sondern war eine außergewöhnliche Persönlichkeit.

Sarah Winnemucca, auch bekannt als Thocmetony, war die Tochter des Indianerhäuptlings Winnemucca (Poito) und dessen Frau Tuboitonie. Ihr Vater war der Häuptling der Paiutes, präzise gesagt der des nördlichen Territoriums vom US-Bundesstaat Nevada. Sarah wurde etwa im Jahr 1844 in Humboldt Sink im Westen von Nevada geboren. Der genaue Zeitpunkt ist bis heute nicht bekannt und somit auch nicht ihr genaues Alter. Sarah ist eigentlich auch nicht ihr richtiger Name, sondern nur der, den sie angenommen hat, um in der von weißen Siedlern dominierenden Gesellschaft akzeptiert zu werden. Geboren wurde sie als Thocmetony, was in ihrer Muttersprache „Schildblume“ heißt.

Kindheit und erster Kontakt mit den Weißen

Einer von Sarahs größten Idolen und Einflüssen war ihr Großvater Truckee, der ebenfalls Häuptling der Paiutes war. „Truckee“ bedeutet in der Paiutesprache so viel wie „alles in Ordnung“. Diesen Namen bekam er von einem Treffen mit einem weißen General, dessen Freund er war. Beide trafen sich am sogenannten Truckee River in Nevada. Sarahs Großvater hielt viel von den neuen weißen Siedlern und deren Armee, die er als seine „weißen Brüder“ ansah. Eben diese Freundschaft prägte auch Sarah. Als Jugendliche wurden sie und ihre Schwester Elma zum Haus von der Anglo-Amerikanischen Familie von William Ormsby nach Carson City geschickt, wo sie von nun an wohnten, deren Sitten und Gebräuche lernen sowie die Englische Sprache. Später reiste sie mit ihrer Schwester und ihrem Großvater oft nach San Francisco. Dort, umgeben von zahlreichen weißen Einwandern, genossen die drei Paiutes die Aufmerksamkeit, die sie von denen bekamen. Gemeinsam traten sie in Theaterstücken auf, in welchen sie versuchten, Vorurteile gegenüber den Indianern und besonders den Paiutes abzubauen. Außerdem veröffentlichte Sarah dort Zeitungsartikel, in denen sie über Konflikte zwischen den Weißen und den Indianern informierte.

Historische Ereignisse und Sarahs Arbeit im Reservat

Die nachfolgende Zeit brachte viele Probleme und Schwierigkeiten mit den Anglo-Amerikanern, aber auch anderen Indianerstämmen. Sarah war wieder mit ihrer Familie in Nevada vereint, doch dies hielt nicht lange. Der gesamte Paiutestamm wurde in ein Reservat geschickt, das sogenannte Malheur Reservat. Dort unterrichtete Sarah in einer lokalen Schule für Indianerkinder und wirkte als Übersetzerin zwischen ihrem Stamm und der Armee von Weißen, welche die Aufsicht des Reservats inne hatten. Der Frieden hielt allerdings nicht lang, denn der Stamm der Bannocks, der ebenfalls in diesem Reservat untergebracht wurde, begann einen Aufstand gegen die weißen Aufseher. Im Jahre 1878 waren fast alle Einwohner des Reservats an diesem Aufstand beteiligt, welcher als Bannockkrieg in die Geschichte einging. Ob die Paiutes wirklich beteiligt waren, steht nicht fest, allerdings schrieb Sarah in ihrer Autobiografie, dass ihre Familie und andere Paiutefamilien als Geiseln der Bannocks gehalten wurden. Danach wurden die Paiutes in das Yakama Reservat im Washington-Territorium umgesiedelt, von wo aus Sarah wiedermals als Übersetzterin arbeitete und zwischen Kalifornien und Nevada pendelte, um Vorlesungen zu geben. Im Winter von 1879/80 reisten Sarah und ihr Vater nach Washington D.C. ans andere Ende des Landes. Dort kämpften sie beim „Häuptling der Weißen“ – dem Präsidenten der Vereinigten Staaten – um mehr Rechte für ihren Stamm im Reservat. Die Versprechen die sie in Washington bekamen blieben jedoch viele Jahre unerfüllt.

Sarahs Werk und Hinterlassenschaft

Sarah verpflichtete sich ihr ganzes Leben lang als Übersetzerin, aber auch Vermittlerin zwischen den Paiutes, stellvertretend für die Eingeborenen Amerikas, und den Weißen. Sie referierte, um die Menschen beider Gruppen übereinander aufzuklären, unterrichtete und gründete sogar ihre eigene Schule für Indianerkinder. Auf ihren zahlreichen Reisen lernte sie unter anderem die Schwestern Elizabeth Peabody und Mary Peabody Mann kennen, welche sie bei ihrer Autobiografie unterstützen. Sarahs Englisch sei wohl nicht gut genug gewesen und so haben ihr die Schwestern aus Boston beim Bearbeiten ihres Buches „Life Among the Paiutes: Their Wrongs and Claims“ (veröffentlicht 1883) geholfen. Viele Fakten, die über Sarah Winnemucca existieren, sind weniger wahr als man denkt. So wurde zum Beispiel immer spekuliert, wie viele Liebschaften sie hatte, und über die Anzahl ihrer Ehemänner streiten sich die Wissenschaftler auch noch. Fest steht, dass Sarah an Tuberkulose erkrankt war und im Haus ihrer Schwester Elma 1891 in Henry's Lake, Idaho, starb. Sarah Winnemucca war, trotz des möglicherweise unkonventionellen Lebens, das sie führte, eine beeindruckende Persönlichkeit. Sie, als Frau, stellte sich nicht nur gegen die von Männern dominierte Welt auf, sie trat auch für die Rechte der Indianer ein.

Weiterführende Literatur und Quellen

  • Sarah Winnemucca: Life Among the Paiutes: Their Wrongs and Claims. Taschenbuch, 272 Seiten. 12,99 €.

Anne Neumann - Ich bin Masterstudentin an der Universität Rostock und studiere Anglistik. Ich habe für längere Zeit in den USA gelebt, ...

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