Portugal historisch: "Batalha dos Atoleiros"

Die Schlacht von Atoleiros - Lou Avers
Die Schlacht von Atoleiros - Lou Avers
In dem beschaulichen Alentejo-Städtchen Fronteira wird jedes Jahr eine für Portugals Unabhängigkeit bedeutende Schlacht nachgespielt.

Geschichte hat Portugal reichlich, und das Land ist mächtig stolz darauf. Bedeutende Ereignisse werden daher gerne von mittelalterlichen Theatergruppen zum Anlass genommen, um diese ihren Landsleuten wieder ins Gedächtnis zu rufen. So verhält es sich auch mit den entscheidenden Kämpfen von 1383 bis 1385 zwischen Kastilien und Portugal, bei denen sich das kleine Königreich die Unabhängigkeit vom mächtigen Nachbarn sichern konnte. In dem Alentejo-Städtchen Fronteira wird jedes Jahr im April die historische Schlacht „Batalha dos Atoleiros“ nachgespielt. Dabei sind hunderte Figuranten und nebenberufliche Schauspieler aus dem ganzen Land und aus Spanien im Einsatz.

Beeindruckendes Geschichtsschauspiel in Fronteira

Bärtige Männer mit rasselnden Kettenhemden, blechernen Helmen und blitzenden Schwertern. Schwere Stiefel, lederner Wams und Entschlossenheit im Blick. So zeigen sich die Protagonisten der Inszenierung der historischen Batalha dos Atoleiros. Zwei verfeindete Truppen stehen sich auf den weiten Feldern und sanften Hügeln von Fronteira gegenüber. Hüben und drüben Pferde, stattliche Reiter, Fahnenträger und einfache Soldaten, auf jeder Seite angeführt von einem König Johann. Juan von Kastilien und João I. von Portugal kämpfen um die portugiesische Krone. Mit dem Tod des portugiesischen Königs Dom Fernando endete die männliche Erbfolge der portugiesischen Dynastie der Burgunder. Fernando und seine Frau Leonor Teles hatten nur eine Tochter und diese, Beatriz, wurde mit dem kastilischen König Juan verheiratet, um die Grenzen zu befrieden. Nach Fernandos Tod machte das kastilische Königshaus Ansprüche auf den portugiesischen Thron geltend, unterstützt von einigen Teilen des portugiesischen Adels. Das Volk war allerdings dagegen und wählte in großer Mehrheit João, den unehelichen Sohn von König Pedro I., auch als Maestro de Avis bekannt, zum neuen Anführer und Thronfolger.

Was bedeutete die Schlacht der Atoleiros?

Die Batalha dos Atoleiros 1384 war eine Folge zahlreicher Auseinandersetzungen Portugals mit dem Erbfeind Kastilien. Nachdem João vom Ständerat zum Thronfolger berufen wurde, gewann er zunehmend an Unterstützung im ganzen Land. Man fürchtete die Machtübernahme durch Juan von Kastilien. Die Schlacht an sich hatte eine enorm wichtige Bedeutung für Portugal. Zunächst in militärischer Hinsicht, denn den zahlenmäßig unterlegenen portugiesischen Truppen gelang durch taktisch kluge Strategien der Sieg über das übermächtige kastilische Heer. Der militärische Kopf dieser Aktion war wie schon in anderen Schlachten Joãos Heerführer Nuno Álvares Pereira, der sich mit dem eindrucksvollen Sieg von Atoleiros einen Namen in der Geschichte sicherte. Er gab dem Volk ein neues Selbstvertrauen und die Gewissheit, dass auch das mächtige Kastilien nicht unbesiegbar war. Mit der darauf folgenden Schlacht von Aljubarrota 1385 sicherte sich Portugal endgültig die Unabhängigkeit gegenüber dem Nachbarn.

Wie kam es zu dem Sieg der Batalha dos Atoleiros?

Die Schlacht von Atoleiros ereignete sich am 06. April 1384 im Distrikt von Fronteira, ca. 60 Kilometer von der kastilischen Grenze entfernt. Das Schauspiel wird heute fast genau am Originalschauplatz in Fronteira nachgestellt. 3.900 Mann standen auf portugiesischer Seite 6.500 Kastiliern gegenüber. Eigentlich ein aussichtsloses Unterfangen. Kommandant Nuno Álvares Pereira aber entwickelte eine neue Strategie. Er ließ die berittene Kavallerie nicht angreifen, sondern zunächst absteigen und auf die Angreifer warten. So konnten diese die kastilischen Reiter überraschen. Diese Taktik einer organisierten Infanterie gegen eine übermächtige Kavallerie war zum damaligen Zeitpunkt eine militärische Premiere auf der Iberischen Halbinsel. Das kuriose war, dass Kastilien zahlreiche Verluste erlitt, während auf portugiesischer Seite keinerlei Tote oder Verletzte verzeichnet wurden.

Kastilien und Portugal – verwandt und verfeindet

Die Rivalitäten zwischen Spanien und Portugal gehen auf die Anfänge der Gründung des portugiesischen Königreichs zurück. Zunächst war die Grafschaft Portucale ein Lehen des kastilischen Königshauses. Der erste König Afonso Henriques löste diese Lehensabhängigkeit auf und erklärte im Jahr 1139 die Grafschaft selbst gegen den Willen seiner kastilischen Mutter zum unabhängigen Königreich Reinado de Portucale. Seither gingen die Gebietsstreitigkeiten weiter. Die engen Verwandtschaftsbeziehungen verursachten immer wieder Thronfolgestreitigkeiten und in Folge kriegerische Auseinandersetzungen. Dennoch konnte sich Portugal seit seiner Staatsgründung wie durch ein Wunder seine Unabhängigkeit bewahren.

Mittelalterliches Spektakel in Fronteira

Das erste April-Wochenende steht in Fronteira ganz im Zeichen des Mittelalters. Rund um die Inszenierung der historischen Schlacht von Atoleiros wird die ansonsten verschlafene Kleinstadt zum bunten Jahrmarkt aus Verkaufsständen, Schänken, Bauch- und Schlangentänzern, Derwischen und Musikern. Schaukämpfe und mittelalterliche Turniere werden ausgetragen. In der Nacht auf den Sonntag sind beeindruckende Lanzenkämpfe angesagt, am Sonntag dann beginnt die Schlacht auf einem weiten Feld etwas außerhalb der Stadt. Dabei sind hunderte von Figuranten und Laienschauspielern im Einsatz. Vor allem die bekannten Theatergruppen Vivarte und Espada Lusitana aus Santa Maria da Feira in Nordportugal haben sich der Erhaltung der portugiesischen Geschichte verschrieben und agieren dafür im ganzen Land auf Festivals und Märkten. Alle Teilnehmer sind ehrenamtlich engagiert. Die Abläufe sind akribisch organisiert und genau dem überlieferten Geschehen nachempfunden. Ohne Zweifel nicht nur ein geschichtliches sonder auch ein touristisches Highlight der Region.

Silvia E. Baumann, Lou Avers

Silvia Baumann - Herzlich Willkommen auf meiner Profil-Seite! Seit 18 Jahren nimmt mich meine Leidenschaft - das Reisen - voll und ganz in Anspruch. Als ...

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