Estoi, ein hübscher Ort in der Nähe von Faro, ist aus touristischer Sicht vor allem durch die römische Ruinenstätte Milréu und durch das Rokokoschlösschen bekannt, das heute in unmittelbarer Nähe der Algarve-Autobahn liegt. Diese dämpft ein wenig die Idylle der sonst wunderbaren Landschaft voller Feigenbäume, Orangen- und Zitronenplantagen. Immer wieder verfiel das Schloss von Estoi – keineswegs zu Ungunsten seiner romantischen Ausstrahlung. Seit 2009 ist es eine Pousada, in diesem Fall ein "gehobenes" Hotel in historischem Gemäuer.

Der Palast von Estoi – ein Lustschloss im Rokokostil

Noch vor sieben Jahren ließen sich die Ursprünge des Palacio de Estoi unmittelbar erahnen, wenn man durch die hübsche Gartenanlage wandelte. Der palmengesäumten Allee, dem mit Azulejos – den portugiesischen Kacheln – und Statuetten umgebenen Brunnen sowie den seinerzeit nicht zugänglichen Gebäuden haftete ein morbider, aber äußerst romantischer Charme an. Der Visconde de Estoi, Francisco José do Carvalhal, der das Schlösschen Mitte des 19. Jahrhunderts erbauen ließ, wird ebenfalls seine Wonne daran gehabt haben.

Anfang des 20. Jahrhunderts wechselte das Schlösschen seinen Besitzer: es ging an einen Apotheker aus Beja, der es im neo-klassizistischen Stil renovieren ließ. Anschließend verfiel es erneut. Ende der 1980er Jahre kaufte die Stadt Faro das Schloss auf. Lange Zeit wurde daran herumgeplant, aus dem morbiden Palast eine Pousada zu machen. Anfang 2009 war es schließlich soweit: die Pousada Palácio de Estoi wurde eröffnet. Noch heute, im März 2011, ist vieles nicht fertig. Derzeit ist der Park für Spaziergänger gesperrt. Die Bagger haben sich dort breit gemacht. Den Charme von einst muss der Besucher sich vorstellen.

Der Garten des Palastes von Estoi – römische Statuetten und Wandbilder aus Azulejos

Vor Beginn der Bauarbeiten, die aus dem einstigen Rokokoschlösschen mit abblätternder altrosa Farbe ein Luxushotel machten, war es eine Sinnenfreude, durch den Garten zu lustwandeln. Betrat man von der Igreja de São Martinho de Estoi (zentrale Kirche des Ortes, auch Igreja Matriz) aus kommend das Palastportal, ging es eine Allee mit Gummibäumen, Palmen und reich blühender Bougainvillea hinauf. Am Ende der Allee stieß man auf den Springbrunnen, mit Azulejos verzierte Bänke und Balustraden, kleine Pavillons und sinnenfrohe Steinfiguren. Über ebenfalls mit Azulejos kunstvoll gestaltete Treppen ging es hinauf zum schmiedeeisern verschnörkelten Palasttor. Abseits von dieser Hauptachse duften noch heute die Orangenhaine.

Das Schloss von Estoi heute – ein Hotel mit abenteuerlichem Stilmix

Im Garten des Palacio de Estoi dominieren noch die Bagger. Das eigentliche Hotel ist Anfang 2009 eröffnet worden – vorm Eingang wehen nun stolz Fahnen im Wind. Beim Anblick der Architektur des Eingangsbereiches und der wie angeklebt wirkenden neuen Gebäudeteile, in denen sich die Hotelzimmer befinden, drängt sich die Frage auf, ob hier ein Praktikant am Werke war. Der Stilmix von Alt und Neu, verspielt und streng-unterkühlt ist mehr als gewagt.

63 Zimmer bietet die Pousada, komplettiert mit den üblichen Annehmlichkeiten eines Hotels der etwas gehobenen Klasse. Auch Geschäftsreisende sind hier willkommen – es gibt Tagungsräume, einen Bankettsaal, Highspeed-Internet, einen Innen- und Außenpool, eine Sauna, ein Fitnessstudio und vieles mehr. Ein Zimmer für zwei Personen in der Pousada Palácio de Estoi kostet im März 2011 beispielsweise 130 Euro. Ältere Semester sind besser dran: Die Pousadas de Portugal bieten Personen ab 55 Jahren einen "Golden Age Tarif" (es reicht, wenn einer der beiden die Altersgrenze überschritten hat). Damit bekommt man das Zimmer für 111 Euro. Die Suite "Anti-Stress" mit Frühstück, einer orientalischen Massage sowie Wasser und Obst zur Begrüßung gibt es für 297 Euro.

Adresse: Pousada Palácio de Estoi, Rua São José, Estoi, 8005-465 Faro, Portugal

Nicht weit entfernt von Estoi liegt Moncarapacho, eines der Zentren des Karnevals an der Algarve.

Quellen:

Michael Müller, Algarve, Michael Müller Verlag, 2008; Pousadas de Portugal