
- Fadomuseum Lissabon - Lou Avers
Am Sonntag, den 27.11.2011 hatte das durch die Finanzkrise schwer gebeutelte Portugal endlich wieder einen Grund zum Feiern. Die Kandidatur des Fado für den Weltkulturerbetitel der UNESCO war erfolgreich. Einstimmig wählten die Gremienmitglieder im indonesischen Bali die portugiesische Traditionsmusik zum „immateriellen Kulturgut der Welt“. Damit reiht sich der Fado in die Reihe des spanischen Flamenco und des argentinischen Tango, die bisher als einzigste Musikarten zum Unesco Weltkulturgut gehörten.
Der Fado – die vertonte Seele Portugals
Traurig, melancholisch, sentimental, mal getragen, mal rhythmisch… aber immer mit viel Herzschmerz und Gefühl. So kennt man den Fado, die bekannteste Musik Portugals und der lusitanische Beitrag zur Weltmusik. Ihre Anfänge hatte die schwermütige Mollweise in den dunklen Tavernen und Hafenspelunken Lissabons. International bekannt wurde der Fado erst durch die einzigartige Stimme der berühmtesten portugiesischen Fadista : Amália Rodrigues. Sie war für fünf Jahrzehnte die Stimme des kleinen Portugal und trug den Fado in die Welt hinaus. Heute treten junge Künstlerinnen wir Marisa, Mafalda Arnauth, Mísia oder Ana Moura in ihre Fußstapfen.
Fado – Kulturgut der Welt
Endlich erhofft man sich mit der internationalen Anerkennung des Fado die Wertschätzung, die nach Meinung der Fadoanhänger in Portugal schon lange überfällig war. „Fado sei in seiner Art einzigartig auf der Welt“ so die Begründung der Organisatoren der Kandidatur. Der Fado ist eng mit der portugiesischen Kultur verbunden. Er verkörpert für viele den nationalen Gemütszustand und die tiefgehende portugiesische Seele. Auch viele jüngere Künstler entdecken den Fado neu und besinnen sich auf ihre kulturellen Wurzeln. Dies war nicht immer so. Lange Zeit hing dem Fado der Beigeschmack des Faschismus unter Antonio de Oliveira Salazar an. Fado, Fussball und Fatima waren die drei Standbeine des Regimes, um das Volk bei Laune zu halten. In der Zeit nach der Nelkenrevolution von 1975 war der Fado lange Zeit insbesondere unter den linken Intellektuellen verpönt.
Fadistas und Guitarra Portuguesa
Die Hauptrolle für einen guten Fado spielen freilich die Sängerinnen und Sänger. Die Damen haben hier die Nase vorn, auch wenn es einige erfolgreiche männliche Fadistas (= FadosängerIn) gibt. Darunter der zeitgenössische Camané oder der erfahrende Carlos do Carmo. Dennoch sind es Namen wie Marisa, Mísia, Ana Moura, Mafalda Arnauth, Cristina Branco, Katia Guerreiro oder auch Dulce Pontes, die dem Fado international zur Bedeutung verhelfen. Amália war die Grand Dame unter allen Sängerinnen. Neben den Interpreten spielt auch die Begleitung eine wichtige Rolle. Allen voran die zwölfsaitige mandolinenartige Guitarra Portuguesa, die mit ihrem charakteristisch metallischen Klang den Rhythmus vorgibt. Desweiteren kommt eine Akkustikgitarre (Viola) zum Einsatz. Die Fadistas werden immer von zwei Musikern begleitet.
Fado als Tourismusattraktion
In den ältesten Stadtvierteln Lissabons, der Alfama und dem Bairro Alto wird der Fado auch heute noch in Bars, Restaurants und Tavernen zelebriert. Mal mehr authentisch, mal weniger. Es gibt von professionellen Sängern mit festen Engagements bis zu spontanen Gesangsvorführungen alles. In einigen Bars trifft man auf Fadistas, die schon seit Jahrzehnten jeden Abend ihr Können zum Besten geben. Auch Amalias Schwester, Celeste Rodrigues, singt noch mit über 80 Jahren in der Alfama. Die meisten Fadolokale bieten gleichzeitig typisch portugiesische Küche an und haben regen Zulauf vor allem ausländischer Touristen. Dennoch gibt es auch noch richtige „einheimische“ Tascas, wo der Fado aus Freude am Singen praktiziert und oft spontan vorgetragen wird.
Fado – wenn die Seele weint
Der Weltkulturerbe-Titel des Fado kam zum richtigen Zeitpunkt. Gerade jetzt, in Zeiten der Krise und unsicheren Zukunftsaussichten besinnen sich die Portugiesen wieder verstärkt auf ihre kultureigenen Traditionen. Auch passt die Melancholie zur aktuellen Stimmung, in nationalem Selbstmitleid kann man sich gemeinsam bedauern und bessere Zeiten in nostalgischen Texten beschwören. Vielleicht kann der Titel auch einiges in finanzieller Hinsicht bewirken und dem Vermarkten des sentimentalen Reiselandes den nötigen Motivationsschub geben. Auch wenn die traurige und etwas depressive Seite des Fado nicht jedermanns Sache ist, einzigartig und mit nichts vergleichbar ist diese Musikart zweifellos auf der Welt.
Quelle:
Radio Antena 1, Portugal
