Portwein - ein Trendgetränk mit Tradition

Adega Quinta do Seixo - Dourotal - Sogrape
Adega Quinta do Seixo - Dourotal - Sogrape
Über Ursprung, Geschichte und Herstellung des edlen Tropfens aus Portugal.

Sein Name ist ein wenig irreführend. Wer Portwein trinkt, schenkt sich keinen reinen Wein ein, sondern eher einen reinen Wein­likör: Ein edles Nebengetränk, das meist als Aperitif oder als krönender Abschluss eines guten Essens zum Dessert gereicht wird.

Die weit verbreitete Meinung, zumindest im deutschsprachigen Raum, dass Portwein, so süß, so schwer, so rot, ein typisches Frauen­getränk sei, lässt sich so eindeutig nicht bestätigen. Nicht alle Portwei­ne sind dunkel und vollmundig, und nicht alle Portweine sind gnaden­los süß. Es gibt Ports für nahezu jeden Geschmack. Die Zeiten scheinen vorbei, in denen Männer glaubten, ihre Potenz und sexuelle Identität unter anderem mittels des - teils maßlosen - Konsums trockener, harter Getränke demonstrieren zu müssen. Immer mehr Menschen beiderlei Geschlechts entdecken die breite Palette feiner Geschmacksnuancen der verschiedenen Portweinsorten. Der hochprozentige Wein ist heute auf dem besten Weg zum Modegetränk.

Die Erfindung des Portweins

Wann und wie der Portwein erfunden wurde, liegt im Dunklen. Die Legende munkelt, die Engländer mit ihrer Vorliebe für süße Getränke hätten den glorreichen Einfall gehabt, jungen Wein aus Portugal mit Weinbrand anzureichern, um ihn für den bewegten Schiffstransport besser zu konservieren. Das nationale Portweininstitut wiederum bemerkt in einer Broschüre, der Portwein sei, so überliefere es die Ge­schichte, das "Produkt eines önologischen Unfalls". Die eine Variante schließt die andere nicht aus. Weiter wird berichtet, dass der besonders bei den Engländern und Flamen beliebte Wein grauenhaft geschmeckt haben soll. Sein komplexes, geschmacklich ausgewogenes Volumen haben die Weinmacher erst über die Jahrhunderte entwickelt.

Die weltweit erste kontrollierte Ursprungsbezeichnung

Entscheidend für diese Entwicklung des Portweins zu einem wohl­schmeckenden Qualitätsprodukt war das Abkommen von Methuen aus dem Jahr 1703, mit dem sich die Engländer verpflichteten, den portu­giesischen Wein dem französischen vorzuziehen. 1757 schließlich legte der rege Marquês de Pombal die genauen Grenzen für jenes Anbauge­biet am Douro fest, aus dem die Trauben für die Ports ausschließlich kommen durften. Pombal schuf damit die weltweit erste kontrollierte Ursprungsbezeichnung für Weine, die "Regiäo Demarcada do Douro".

Das Douro-Tal im Nordosten Portugals umfasst etwa 250000 Hek­tar, von denen lediglich 40000 mit Weinstöcken bebaut sind. Gängige Reben sind Touriga Francesa, Tinta Roriz, Tinta Barroca und Touriga Nacional. Exklusive Produzenten wie Dirk van der Niepoort holen sich die Trauben für ihre besten Weine jedoch aus alten Weinstöcken und mischen zehn bis zwanzig Rebsorten. Niepoort kommt es weniger auf die Sortenreinheit an, er achtet mehr auf Alter und Lage der Reb­stöcke. Unter den Weinerzeugern im Douro gibt es starke Bestrebungen neben dem altbekannten Portwein neue moderne Rot- und Weißweine zu produzieren, die auf traditionellen Methoden basieren und in vorsich­tiger Weise neue önologische Erkenntnisse einbeziehen.

Touristen helfen beim Traubentreten

Die Produzenten profitieren von ihrer jahrhundertealten Erfahrung in der Portweinherstellung. Sie haben zum Teil bereits beachtliche Erfolge erzielt. Es kommt nicht von ungefähr, dass einer der bekanntesten und teuersten Weine Portugals aus dem Douro-Gebiet stammt: der Barca Vel­ha aus dem Hause Ferreira mit seiner nunmehr 50-jährigen Geschichte.

Die Weinernte von Anfang September bis Ende Oktober ist mittlerweile eine touristische Attraktion, bei der Urlauber und Wochenendausflügler begeistert selbst Hand und Fuß anlegen. Auf vielen Quintas, den Domä­nen, werden die Trauben noch auf traditionelle Weise in den Lagares mit den Füßen zu Rhythmen populärer Lieder gestampft. Die Produzenten schwören auf diese Methode, die verhindert, dass die Traubenkerne zer­quetscht werden und der Saft ihre starken Gerbstoffe aufnimmt.

Der junge Süße reist nach Porto

Die Vergärung des Traubenmostes für Portwein unterscheidet sich nicht von der andrer Weine. Sobald der Most aber den gewünschten Süßegrad erreicht hat, wird er mit 77-prozentigem Weinbrand ange­reichert und damit der Gärungsprozess gestoppt. Im Frühjahr wird ein Großteil des jungen Weins nach Vila Nova da Gaia, am gegenüberlie­genden Douro-Ufer von Porto, transportiert. Dort lagert der Wein in Eichenfässern oder in Flaschen bis zu seiner endgültigen Reife - teilweise jahrzehntelang: zum Beispiel in den Kellern (Caves) der Traditionshäuser Taylor, Ferreira, Rozès, Ramos Pinto, Niepoort, Sandeman oder Offley.

Die allmächtige Kontrollinstanz für Portweine ist das 1933 gegründete nationale Portweininstitut, das mit seinem Siegel die Güte und Origina­lität des Weins garantiert.

Weinprobe in angenehmer Atmosphäre

Eine gute Gelegenheit, verschiedene Portweine in einer ruhigen und angenehmen Atmosphäre zu recht günstigen Preisen zu genießen, hat das Portweininstitut mit seinen drei Portweinstuben in Porto, Lissabon und Régua geschaffen. Das "Solar do Vinho do Porto" in Régua ist 2002 eingeweiht worden. Das Solar in Lissabon besteht schon seit 1946 und das in Porto seit 25 Jahren. Hier bekommt man alle gängigen Portweine glasweise zur Degustation und kann auf Wunsch auch ein kleines, geschmacklich auf den Wein abgestimmtes, Häppchen zu sich nehmen.