Grosse braune Augen, flauschiges Fell, das hört sich nach dem perfekten Kuscheltier an, aber bei dieser Beschreibung handelt es sich um das Possum. Um 1848 wurde es von australischen Siedlern nach Neuseeland mitgebracht, um eine Pelzindustrie entstehen zu lassen. Leider sind einige Tiere in die Wildnis gelangt und haben sich fleißig vermehrt, kein Wunder, denn ohne natürliche Feinde lässt es sich herrlich Leben.
Der Feind in Neuseelands Wäldern
Mittlerweile leben ca. 70 Millionen Possums in Neuseeland, das bedeutet in Neuseeland leben mehr Possums als Schafe. Die braunäugige Plage ist nachtaktiv und alle zusammen schaffen es in einer Nacht ca. 20 000 Tonnen der neuseeländischen Vegetation zu verzehren. Sie fressen ganze Bäume kahl, besonders gefährdet ist der breitblättrige Rata-Baum.
Auch Neuseelands Nationalvogel der Kiwi bleibt nicht verschont. Nie hatte der Kiwi natürliche Feinde, aber nun ist seine Population in großer Gefahr durch die gefräßigen Possums, die Nester plündern und sich an den Vogeleiern laben.
Nicht nur die Gefräßigkeit der Possums lässt die Neuseeländer rotsehen, sondern die Tatsache, dass die Possums eine Tuberkuloseart auf Rinder und Schafe übertragen, somit ist auch der stärkste Wirtschaftszweig Neuseelands in Gefahr.
Eine Nation nimmt den Kampf auf
Die Neuseeländer lassen sich nicht unterkriegen und haben den Kampf gegen die flauschige Plage aufgenommen und einen ganzen Wirtschaftszweig um ihren Feind herum aufgebaut. In Neuseeland trägt man gerne Pelz und zieht den Possums dafür das Fell über die Ohren. Possumfell gilt nach dem Eisbärfell als das wärmste Fell der Welt.
Auch Umwelt- und Tierschutzorganisationen unterstützen Neuseeland dabei das Problem in den Griff zu bekommen und betiteln den Possum-Pelz als ersten Öko-Pelz der Welt.
Mit jedem gekauften Possum-Produkt wird der Kampf unterstützt. Possum-Wolle vermischt mit Merino und Seide ergibt eine edle Faser und eignet sich bestens für Allergiker, somit zeigt das ungeliebte Possum doch noch seine nützlichen Seiten auf.
Mit Gift und quitschenden Reifen gegen das Possum
Schon fast ein Nationalsport ist der roadkill geworden. Dabei wird nicht auf die Bremse getreten, wenn ein Possum Neuseelans Straßen überqueren möchte. Das ist völlig legal und zählt als Wildunfall, so trägt jeder seinen Teil zum Naturschutz bei
In Neuseeland sieht man das Possum nicht nur gern totgefahren auf der Straße, sondern auch gut zubereitet auf dem Teller.Tatsächlich gibt es am anderen Ende der Welt Restaurants, die sich auf die kulinarische Zubereitung von eliminierten Possums spezialisiert haben.
Ein Dorn im Auge ist den Neuseeländern allerdings der Einsatz von Giftködern, die im Kampf gegen die Possums eingesetzt werden. Diese Methode ist sehr wirksam, trifft aber nicht nur die Possums. In der Vergangenheit kam es vor, daß freilaufende Hunde qualvoll sterben mußten. Zwar weisen Warnschilder auf den Einsatz von Giftködern hin, aber der bittere Beigeschmack bleibt, denn die Natur wird stark in Mitleidenschaft gezogen.
