Postmoderne

Umschwung in Kunst, Kultur und Architektur

Die Postmoderne bedient sich zahlreicher Stilelemente und setzt diese in neue Zusammenhänge. Die sinnliche Wahrnehmung wird wieder hervorgehoben.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts bildet sich der Begriff der Postmoderne als eine Strömung, die sich aus der Moderne und dem Verständnis von Kunst und Wissenschaft entwickelt hat. Entgegen dem Fortschrittsgedanken der Moderne, besinnt sich die Postmoderne auf die Philosophie Friedrich Nietzsches zurück und sieht die Weltgeschichte als eine willkürliche Folge der Ereignisse und nicht mehr als einen Entwicklungsprozess an.

Postmoderne Kunst

Die Postmoderne Kunst widersetzt sich dem Freiheitsgedanken der Darstellung und versucht bewusst Bezüge zu historischen Werken herzustellen. Es entstehen neuartige Interpretationen und Zusammenhänge. Epochen und Stile werden gemischt und erstrahlen in einem neuen Design.

Postmoderne Architektur

In der Architektur findet die Postmoderne erst in den siebziger Jahren ihren Ausdruck. Wie auch in der Kunst bedient sie sich an Elementen vergangener Epochen. Dabei werden Motive aufgegriffen und nicht Stile imitiert. Die Sinnlichkeit und die sinnliche Wahrnehmung werden in den Vordergrund gestellt; das Gefühl scheint im Gegensatz zur Vernunft zu stehen. Ornamente, auf die zuvor verzichtet wurde, werden gezielt wieder eingesetzt. Eine Vielzahl von Stilen wird parallel verwendet, Aspekte der Vergangenheit werden neu dargeboten und interpretiert.

Untergang der Moderne

Der Autor und Architekt Peter Blake, selbst ein Anhänger der Modernen Architektur, betitelte eines seiner Werke mit „Form Follows Fiasco: Why Modern Architecture Hasn't Worked“ und beschreibt den Untergang der Modernen Architektur. Bildhaft stellt Stanley Tigerman den Untergang in seiner Collage „Untergang der Titanik“ dar. Zu sehen ist wie Ludwig Mies van der Rohes Crown Hall sinnbildlich für die Moderne, eben wie die Titanik, in dem Meer versinkt. Eine tatsächliche Zerstörung eines Teils der Moderne wird mit dem Abriss von Teilen der Sozialsiedlung Pruitt-Igoe. Charles Jenck, Architekt der Postmoderne, beschrieb es als „the day Modern Architecture died“.

Die Postmoderne – Sammlung von Stilelementen

Charles Moore errichtete in New Orleans die Piazza d´Italia. Er verwendete Versatzstücke aus dem römisch-antiken Stil und der Renaissance und versetzt diese mit Neon und Chrom. Er transformiert Bekanntes in etwas Neues.

Das Getty Museum in Malibu weist eine reichhaltige Formenwelt an antiker Architektur auf. Arkadengänge weisen auf die Wandelgänge eines Gymnasiums hin.

In seinen Entwurf für den Wettbewerb "Townhouses" verwendet Frederic Read sowohl ironische als auch sinnlich wahrnehmbare Ornamente. Bei der Zusammenstellung der Wettbewerbsmodelle wurden viele Zitate verwendet, die jedoch keine Kopie darstellten.

Thomas Gordon Smith verfremdet bei seinem Matthew Street House in San Francisco die Ordnung der griechischen Tempel, indem er drei Säulen dem Eingang vorstellt, so nimmt er diesem die Eindeutigkeit.

Die im Rahmen der Internationalen Bauausstellung entstandene Bebauung des Tegeler Industriehafens weist einen außergewöhnlichen Reichtum an Formensprache und Anspielungen auf. Eine Reihe von Architekturzitaten- und motiven wurden verwendet. Der Typus der Villa wurde im Innern mit Wohnungen aufgebaut.

Allerlei Bekanntes wird in der Postmoderne verwendet und sogar aus dem Zusammenhang gerissen. Kopien oder Nachahmungen sollte es aber nicht geben. Vielmehr werden neue Zusammenhänge und Aussagen getroffen, bei denen auf die Architektursprache der vergangenen Zeit hingewiesen wird. Dekor und Ornamentik heben die wiederentdeckte Sinnlichkeit hervor.