
- Das Sony Center auf dem Potsdamer Platz - Peter Kirchhoff - Pixelio.de
Wer das wirklich neue Berlin erleben möchte, kommt um einen Besuch des Potsdamer Platzes in Mitte (Osten) an der Grenze zu Tiergarten (Westen) nicht herum. In einer einmaligen, postmodernen Architektur wurde hier innerhalb von nur vier Jahren Bauzeit nach der Wiedervereinigung Deutschlands auf dem ehemaligen Todesstreifen ein Viertel errichtet, das den Anspruch erhebt, rund um die Uhr mit Leben erfüllt zu sein.
Die Geschichte: vom verkehrsreichsten Ort zum ungenutzten Brachland im Todesstreifen
Ab 1838, dem Jahr der Eröffnung des Potsdamer Bahnhofs, entwickelte sich der seinerzeit noch "Platz vor dem Potsdamer Thor" genannte Potsdamer Platz innerhalb nur weniger Jahrzehnte zum verkehrsreichsten Ort innerhalb ganz Europas in den 1920er Jahren. Hier standen die erste Ampel in Europa und zahlreiche Luxushotels. Im Zweiten Weltkrieg jedoch wurde das Gelände fast vollständig zerstört, nur das alte Weinhaus Huth und die Ruine des Hotels Esplanade überdauerten die Nachkriegszeit. Fassadenfragmente der Luxusherberge sind bis heute im Sony-Center zu sehen. Mit dem Mauerbau ab 1961 wurde der Potsdamer Platz brachliegender Bestandteil des Todesstreifens, der erst ab 1989 wieder ins Bewusstsein der Menschen rücken sollte.
Heute pulsiert am Potsdamer Platz wieder das volle Leben
Die Daimler-Benz AG hatte sich bereits zum Kauf des Geländes entschlossen, als in Deutschland noch keiner an eine zeitnahe Wiedervereinigung glaubte. Quasi über Nacht rückte das Brachland dann ins Zentrum der Stadt, und das internationale Architektenteam um Renzo Piano war damit beschäftigt, ein gigantisches Projekt der Postmoderne innerhalb von vier Jahren zu planen. Nach rekordverdächtigen weiteren vier Jahren Bauzeit konnte der Potsdamer Platz am 2. Oktober 1998 eröffnet werden. Das ursprüngliche Ziel, ein Quartier zu schaffen, in dem 24 Stunden am Tag das Leben pulsiert, ist vor allem nachts umstritten. Dennoch: Täglich arbeiten hier rund 10.000 Menschen, zwischen 70.000 und 100.000 Besucher nutzen das vielfältige Angebot in den 19 architektonisch einmaligen Häusern entlang von zehn Straßen und viele wohnen sogar hier.
Die Berlinale am Potsdamer Platz und beeindruckende Kinowelten
Nicht ohne Grund ist seit dem Jahr 2000 auch das große internationale Filmfestival der Hauptstadt - die Berlinale - am Potsdamer Platz ansässig. Knapp 20.000 Fachbesucher, darunter etwa 4.000 Journalisten, unzählige Stars & Sternchen aber auch 270.000 verkaufte Eintrittskarten machen den jährlichen Event zum weltweiten Publikumsmagneten. 19 Kinosäle im CinemaxX (Potsdamer Platz 5) und ein beeindruckendes IMAX-3D-Kino (im Sony-Center) mit einer der größten Leinwände Europas locken nicht nur innerstädtische Cineasten auch außerhalb der Berlinale hierher.
Der Potsdamer Platz mit der ganzen Familie: Legoland und Fastfood
Für den Berlin-Trip mit Kindern könnte am Potsdamer Platz nicht nur der Kinobesuch interessant sein. Auch das Legoland betreibt hier eine attraktive Dependance (Potsdamer Straße 4 in 10785 Berlin). In der Fabrik verfolgt man die Entstehung der kleinen Steine vom Granulat an bis zum fertigen Modellbausatz. Im 4D-Kino bestaunen die Besucher sogar in einer vierten Dimension, die beispielsweise mit Regen oder Schnee, Blitzen und Windböen das Publikum fasziniert, diverse Filme. Danach besteigt man entweder die animierte Drachenburg oder begibt sich auf den Spuren von Indiana Jones auf eine abenteuerliche Expedition in den Dschungel. Die Eintrittsgelder sind mit 18 Euro für Erwachsene und 15 Euro für jedes Kind allerdings recht happig. Preiswerter wird' s mit einem Nachmittagsticket ab 15.00 Uhr (pro Person nur sieben Euro, an Wochenenden, Ferien- und Feiertagen acht Euro). Geöffnet ist täglich zwischen 10.00 und 19.00 Uhr, letzter Einlass um 17.00 Uhr.
Kulinarisch entdeckt man am Potsdamer Platz tendenziell eher die Küche des gehobenen Segments. Bei den meisten Kids hingegen ist der amerikanische Fastfood-Gigant mit dem Clown in gelber Hose und mit den roten Haaren in der Regel viel beliebter (Alte Potsdamer Straße 7, rund um die Uhr geöffnet). Auch empfehlenswert ist das Steakhouse einer bekannten Kette (Potsdamer Platz 1).
Weitere Highlights am Potsdamer Platz und das Nachtleben
- Die Potsdamer Platz Arkaden sind eine etwa 180 Meter lange Einkaufmeile mit diversen Geschäften. Geöffnet ist von Montag bis Samstag, jeweils zwischen 10.00 und 22.00 Uhr. Adresse: Alte Potsdamer Straße 7 in 10785 Berlin.
- Die "Blue Man Group" eine unbeschreibliche, grandios erfolgreiche US-Show am Marlene-Dietrich-Platz 4 in 10785 Berlin.
- Berliner Spielbank am Marlene-Dietrich-Platz 1
- Wilde (Afterwork-) Partys gibt's im Adagio, ebenfalls am Marlene-Dietrich-Platz 1.
- Das "40 seconds" ist ein exklusiver Club mit Dancefloor, edlen Lounges und Dachterrasse, inklusive eines einmaligen Rundumblicks über die ganze Stadt. Adresse: Potsdamer Straße 58 in 10785 Berlin.
- Bei den "Winterwelten" von Anfang November bis zum Jahresbeginn Anfang Januar macht sich am Potsdamer Platz Alpenromantik breit: Wintersport, Weihnachtsmarkt und gastronomische Köstlichkeiten werden hier angeboten.
Lesen Sie als Ergänzung den Suite101-Artikel zum Potsdamer Platz von Rüdiger Meixner.
Auf dem weiteren Weg der Sightseeing-Tour liegen relativ nah das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, das Brandenburger Tor und der Berliner Reichstag
Bildnachweis: Sony Center von Peter Kirchhoff - Pixelio.de
