Präsidentschaftswahlen 2011 in Peru

Die etwas andere Wahlwerbung in Peru - Sabrina Železný
Die etwas andere Wahlwerbung in Peru - Sabrina Železný
Am 10. April 2011 wird in Peru ein neuer Präsident gewählt. Wer sind die Kandidaten um die Nachfolge von Alan García?

Alle fünf Jahre wird in Peru gewählt. Am 10. April 2011 ist es wieder so weit, dann sind die Peruaner aufgerufen, nicht nur 130 Kongressabgeordnete zu wählen, sondern auch neue Vizepräsidenten und eben einen neuen Präsidenten. Seit 2006 im Amt ist Alan García von der APRA. García hatte den Posten bereits in den 1980er Jahren einmal inne, dass ihm nach der damaligen desaströsen Wirtschaftspolitik eine erneute Wahl gelang, überraschte viele.

Eine direkte Wiederwahl des Präsidenten ist nach peruanischem Recht nicht möglich, auch wenn der mittlerweile inhaftierte einstige Machthaber Alberto Fujimori die diesbezüglichen Spielregeln zeitweilig geändert hatte, um von 1990 bis 2000 ununterbrochen im Amt zu bleiben. Wer tritt also 2011 um die Gunst der peruanischen Wähler an?

Keiko Fujimori (Partei: Fuerza 2011)

Im April 2009 wurde Alberto Fujimori wegen seiner Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen zu 25 Jahren Haft verurteilt. Nun tritt seine Tochter Keiko Fujimori um sein politisches Erbe an. In aktuellen Umfragen liegt Keiko Fujimori bei knapp 20 Prozent, vielversprechende Werte, und das, obwohl ihre politische Agenda eher dünn ist. Für ihre Kritiker ist es offensichtlich, dass sie lediglich ihren Vater aus dem Gefängnis holen will, auch wenn Keiko betont, dass sie diese Entscheidung dem Verfassungsgericht überlassen will. Zudem ist Keiko Fujimori auch aus anderen Gründen nicht unumstritten. Sie genoss ein teures Studium in den USA – wohl auf Kosten peruanischer Steuerzahler. Ein entsprechendes Verfahren gegen sie wurde erst in diesem Jahr eingestellt.

Luis Castañeda Lossio (Partei: Solidaridad Nacional)

Der von seinen Anhängern »Lucho« genannte Castañeda liegt in den aktuellen Umfragen Kopf an Kopf mit Keiko Fujimori, oft auch vor ihr – Befragungen aus dem November 2010 sehen ihn bei stolzen 24 Prozent. Der gelernte Rechtsanwalt war bislang Bürgermeister der Hauptstadt und Provinz Lima, politisch dürfte wohl mit einer Fortsetzung von Alan Garcías wirtschaftlich liberalem Kurs zu rechnen sein.

Alejandro Toledo (Partei: Perú Posible)

Mit Alejandro Toledo kehrt ein bekanntes Gesicht in den Wahlkampf zurück. Von 2001 bis 2006 war der in der Hafenstadt Callao aufgewachsene Toledo bereits einmal Präsident – der erste in Südamerika, der indigene Wurzeln vorzuweisen hatte, was damals die Hoffnungen der Vertreter indigener Bewegungen beflügelte – obwohl Toledo beispielsweise nicht einmal Quechua spricht. Toledos Politik für die Rechte der Indigenen erwies sich dann doch als recht halbherzig. Seitdem er – erst sehr spät – seine offizielle Kandidatur bekannt gegeben hat, sind seine Umfragewerte aber recht nah bei Keiko Fujimori und Luis Castañeda – gerade bei den kleinen Leuten kann Toledo wohl aufgrund seiner Herkunftsgeschichte noch immer auf Sympathien bauen.

Ollanta Humala (Partei: Partido Nacionalista)

2006 stand Humala bereits einmal kurz vor dem Einzug in den Präsidentenpalast, musste sich dann aber im zweiten Wahlgang Alan García geschlagen geben. Für viele Peruaner war das keine Überzeugungsfrage, sondern die Wahl des kleineren Übels. Sie kreiden Humala allerdings weniger an, dass er als ehemaliger Militär an einem Putschversuch unter Fujimori beteiligt war – und sein Bruder Antauro 2005 an einer ähnlichen Aktion gegen Toledo -, sondern titulieren ihn lieber als »Kommunisten« und potentiellen Freund einer linkspopulistischen Politik à la Hugo Chávez. Momentan betont Humala unermüdlich, dass dies nicht sein politischer Kurs ist. Wohin der aber genau geht, scheint auch in dieser Kampagne weiter unklar zu bleiben. Umfragen sehen Ollanta Humala im November bei acht bis zehn Prozent, deutlich hinter den Spitzenreitern.

Mercedes Aráoz (Partei: APRA)

Lange wurde gegrübelt, wen die Regierungspartei ins Rennen schicken würde. Dabei ist die erste Finanzministerin Perus eigentlich parteilos. Während ihrer Amtszeit wurde sie unter die zehn schönsten Politikerinnen der Welt gewählt, was allerdings nichts ist, womit sie im Wahlkampf punkten wollen wird. Aráoz war zudem als Außenhandelsministerin maßgeblich an verschiedenen Verhandlungen um Freihandelsverträge zwischen Peru und Ländern wie den USA, Japan, China und auch der Europäischen Union beteiligt. In den Novemberumfragen liegt sie bei nur knapp acht Prozent, was aber auch daran liegt, dass ihre Nominierung erst spät erfolgte.

Marco Arana (Partei: Fuerza Social)

Der Priester und Gründer der Bewegung »Moviemiento Tierra y Libertad«, der sich vor allem im nordperuanischen Cajamarca für Menschenrechte einsetzt, dürfte einer der interessantesten Kandidaten im Wahlkampf sein. Antreten wird er wohl im Rahmen einer politischen Allianz mit Fuerza Social, jener Partei, die die neue Bürgermeisterin Limas, Susana Villarán, stellt. Marco Arana erhielt in diesem Jahr den Aachener Friedenspreis, seine Kandidatur zog er Anfang 2011 zurück.

Alberto Pizango (Partei: Alianza para la Alternativa de la Humanidad)

Alberto Pizango ist der andere »Paradiesvogel« unter den Kandidaten. Sein Name ging im Juni 2009 um die Welt, als es im amazonischen Bagua zu blutigen Konflikten zwischen Polizei und Indigenen kam. Pizango ist das Sprachrohr der amazonischen Organisation AIDESEP im Engagement für eine nachhaltige Nutzung der Amazonasressourcen und musste für mehrere Monate ins nicaraguanische Exil flüchten, weil in Peru gegen ihn Haftbefehl vorlag.

Der Wahlkampf bleibt spannend

Es steigen noch weitere Kandidaten in den sprichwörtlichen Ring. Die heiße Phase des Wahlkampfes steht jedoch noch aus. Spannend bleibt auch, welche Themen die Kandidaten ausreizen werden. Die lange geforderte Rückgabe von archäologischen Fundstücken aus Machu Picchu durch die US-amerikanische Universität Yale scheidet als Thema jedenfalls aus – die diesbezüglichen Verhandlungen hat Peru für sich entschieden.

Sabrina Zelezny, Sabrina Zelezny

Sabrina Železný - " ... volando vengo, volando voy deprisa, deprisa al rumbo perdido ..." (Manu Chao) Ich wurde 1986 geboren und schreibe, seit ich ...

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