
- Karriereleiter - © René Weigel / PIXELIO
"Praktikantenkarriere" nennt man den Zustand, in dem sich heute viele Studenten bewegen. Von einem Praktikum zum nächsten hangeln. Ein großer Unterschied besteht dabei zwischen den studienrelevanten Praktika, die während der Semesterferien stattfinden und denen, die nach dem Studium absolviert werden, inhaltlich nicht. Beide ködern die jungen Menschen mit der Aussicht auf spätere Festanstellung, die meist jedoch ausbleibt.
Leere Zeilen im Lebenslauf
Die meisten Studenten gehen jedoch freiwillig den Weg der unzähligen Praktika, um Berufserfahrung zu sammeln. "Sammeln" sie in der Tat Namen und Zeilen für den Lebenslauf, doch auch verlängerte Studienzeiten und Urlaubssemester. Viel Zeit für das eigene Studium bleibt neben der Arbeit nicht. Aus Angst, nicht die notwendigen Qualifikationen und Erfahrungen vorzuweisen, die ihre Kommilitonen bereits erworben haben, glauben viele Studenten ihr Curriculum Vitae sähe vergleichsweise "leer" aus.
Spreu vom Weizen trennen
Doch wie vieles andere gibt es auch bei Praktika Vor- und Nachteile. Sorgfältig prüfen sollte man den Arbeitgeber schon vor der Bewerbung. Denn wer möchte die unangenehme Erfahrung einer "Briefkastenfirma" erst machen, nachdem ein Arbeitsvertrag abgeschlossen wurde? Im Internet lassen sich viele Informationen abrufen, über den Standort der Firma, die Geschäftsführung, Abteilungsleitung und deren Tätigkeitsbereiche. So lässt sich schnell ein erster Eindruck gewinnen, der ja bekanntlich oft zählt.
Unseriöse Web-Auftritte lassen meist auf eine verantwortungslose Firma schließen. Start-Up-Unternehmen, also neu gegründete Firmen, die oft aus einer oder zwei Personen bestehen, müssen zunächst einmal eine Website erstellen und dafür notwendige Qualifikationen aufweisen oder diese einkaufen. Nicht hinter jeder "under-construction"-Seite im Internet steckt also eine negative Firmenphilosophie.
Herantasten an spätere Berufe
Es ist durchaus sinnvoll Praktika zu absolvieren, auch wenn dazu eventuell ein Urlaubssemester eingelegt werden muss. Neben der Berufserfahrung lassen sich auch persönliche Interessen im Alltag überprüfen. So können schon früh bestimmte Berufsfelder erschlossen oder ausgeschlossen werden. Wer erst nach dem Studium beginnt Praktika zu absolvieren, tut sich damit keinen Gefallen. Viele Unternehmen wissen um die Orientierungslosigkeit der Absolventen und stellen diese im Praktikum auf die Probe. So ist es nicht unüblich, dass diplomierte Wissenschaftler unterbezahlte Arbeit auf bestimmte Zeit verrichten. Wenn die Vorgesetzen nicht von der Person überzeugt sind, können sie diese grundlos wieder entlassen, nachdem der Praktikumsvertrag abgelaufen ist.
Risikoreiches Unterfangen
Ein größeres Risiko entsteht dabei jedoch für die Absolventen, die sich nicht nur unter Wert verkaufen, aber auch für spätere Arbeitgeber uninteressant machen, wenn sie sich nach dem Studium als Praktikanten einstellen lassen. Sobald man den Eindruck bekommt, ein Berufseinsteiger würde die gleiche Tätigkeit auch zu einem Praktikanten-Lohn verrichten, ist der ökonomische Anreiz gegeben, eben diesen weitaus geringeren Lohn zu zahlen.
Licht am Horizont
Einen Hoffnungsschimmer gibt es trotz allem. Irgendwann ist das Studium beendet, der Abschluss schwarz auf weiß belegt und der Berufseinstieg naht. Dann sollte man sich grundsätzlich nicht mehr auf Praktikantenstellen bewerben, sofern man diese schon während des Studiums vorweisen kann. Mit einem gesunden Selbstvertrauen und der Gewissheit, das Studentenleben hinter sich gelassen zu haben, sollte der Berufseinstieg reibungslos funktionieren. Vielleicht nicht beim ersten Anlauf, aber mit Sicherheit bei einem der folgenden Versuche.
Länderspezialisierungen
Wer sich für ein Praktikum interessiert, möglicherweise sogar im Ausland, der sollte auf Webseiten zurückgreifen, die sich mit diesem Thema befassen. Praktika.de bietet verlässliche Informationen für In- und Auslandspraktika, aber auch viele Universitäten nutzen eigene Praktikumsbörsen und vermitteln Auslandsaufenthalte. Leonardo hat sich auf Praktikumsstellen in Europa spezialisiert und unterstützt diese mittels Stipendien.
Spezifische Praktika im Studiengang lassen sich am besten über die Universität organisieren, so haben einige fremdsprachliche Studiengänge Auslandsaufenthalte im Studienverlauf vorgesehen und bieten Unterstützung in der Organisation.
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