
- Sambische Flagge - Barbara Lechner
Sambia 2011: Nach einem Bericht der Lusaka Times am 28. Juli löste der noch amtierende Präsident Rupiah Banda das Parlament auf und kündigte den Wahltermin für 20. September 2011 an. Die sambische Verfassung verlangt eine sofortige Auflösung des Parlaments, sobald der nächste Wahltermin feststeht. Seit Wochen spricht man in Sambia von den bevorstehenden Wahlen, die Kandidaten reisen mit Trucks und Pick-Ups durchs ganze Land, begleitet von Musikern und Tänzern, um für ihre Parteien zu werben. Wie jedes poltische Ereignis wird auch dieses lange gefeiert, so haben die meisten Schulen in Sambia, sowie viele offizielle Büros in der Woche vor den Wahlen geschlossen, man muss ja vorbereitet sein. Auch in der Woche der Wahlen haben Schulen geschlossen, falls es Probleme oder Unruhen geben sollte.
Probleme bei den Wahlen
Alle Bürger Sambias, die über 18 Jahre alt sind und einen Ausweis besitzen, durften sich bereits 2010 bis Februar 2011 registrieren lassen, um wahlberechtigt zu sein, allerdings ist die Mehrheit der Population in Sambia unter 18 Jahre alt. Problematisch ist auch, dass nicht in allen ländlichen Gegenden Registrierungsbüros errichtet wurden. So wirft man der MMD, der Partei Rupiah Bandas, die seit 1991 an der Macht ist, vor, dass Registrierungsbüros nur in den Gebieten errichtet wurden, in denen Anhänger Bandas oder einer Opposition vorherrschend sind. Der Wahlkampf in Sambia ist generell hart und es herrschen keine bestimmten Regeln, so ist Banda als noch amtierender Präsident definitiv im Vorteil, da er mehr Medien auf seiner Seite hat und es für ihn einfacher ist, seine Kampagnen durchzuführen.
Auch Kirchen und andere nichtpolitische Gruppen werden in den Wahlkampf gezogen und machen gegen Bezahlung Werbung für einzelne Kandidaten. Auch Jugendliche wurden in der Vergangenheit bezahlt, um gewalttätige Aktionen durchzuführen. Wo das Geld für die aufwendigen Kampagnen herkommt, weiß niemand so genau. Jüngere Parteien können bei diesen ganzen Tumult in der Regel nicht mithalten, so wird der Wahlkampf im Prinzip von zwei Parteien und zwei Kandidaten dominiert: Zu einem Rupiah Banda (MMD) und zum anderen Michael Sata (PF). In der Vergangenheit kam es bei Wahlen in Sambia häufig zu Unruhen.
Rupiah Banda und die MMD
Rupiah Banda war ab 1965 zunächst Botschafter für Sambia, dann Außenminister und dann Staatsminister für Minen. Er zog sich 2000 etwas aus der Politik zurück und bewirtschaftete eine große Farm in Chipata. In dieser Zeit starb auch seine erste Frau, Hope, an Brustkrebs. 2002 schloss sich Banda der MMD an, der Partei Movement for Multiparty Democracy, die zuerst gegründet wurde, um den ersten Präsidenten Kenneth Kaunda (UNIP) abzulösen, und sich gegen Korruption einzusetzen. Die MMD kam 1991 an die Macht, zunächst mit dem kürzlich verstorbenen Frederick Chiluba als Präsidenten. Chiluba wurde 2002 von Levy Mwanawasa, ebenfalls von der MMD, als Präsident abgelöst.
Mwanawasa war es, der Rupiah Banda 2006 als seinen Vizepräsidenten in die Politik zurückholte. In dieser Zeit heiratete Banda auch seine Frau Thandiwe, eine ehemalige Lehrerin, mit der er Zwillinge hat. Mwanawasa starb 2008 nach einem Schlaganfall in Paris und Banda übernahm das Präsidentschaftsamt zunächst auch nach erneuten Wahlen, wobei er aber nur sehr knapp gegen Michael Sata gewann. Banda hat bisher in seiner Amtszeit einiges reformiert. Das Gesundheits- und Schulsystem wurde verbessert; er setze sich für Frauenbewegungen ein und auch für die Wirtschaft des Landes hat er einiges getan. Banda hat im Wahlkampf viele Mittel zur Verfügung, unter anderem die Handybetreiber, so bekam jeder Handybesitzer eine SMS vom Absender BANDA 4Z (Banda for Zambia, Banda für Sambia): "Who lowered Mealie Meal prices, brought ordinary households greater prosperity, built schools, hospitals, you know you can trust RP. Vote RP on 20 September."
Michael Sata und die PF
Sata ging 1963 in die Politik, nachdem er zunächst bei der Polizei, Eisenbahn und Gewerkschaft tätig war. Er war zuerst in der UNIP, wo er sich unter dem ersten Präsidenten Sambias Kenneth Kaunda zum Gouverneur von Lusaka hocharbeitete. Sata bekam damals den Beinamen "Actionman", mit dem er 2001 bei der Präsidentschaftswahl warb. Als es klar wurde, dass die Kaunda-Ära zu Ende ging, gründete er zusammen mit anderen zunächst die MMD. Er war enger Mitarbeiter von Chiluba, der aber trotzdem Mwanawasa und nicht ihn als seinen Nachfolger empfahl. So verließ er die MMD, um seine eigene Partei zu gründen.
2001 trat er erstmals mit der demokratisch-sozialistischen Partei Patriotic Front (PF) zur Präsidentschaftswahl an, erfolglos, denn er gewann nur 3,4 Prozent der Stimmen. Anders verlief die Wahl 2006. Es war ein harter Wahlkampf, bei dem Sata scharfe Anschuldigungen gegen Mwanawasa äußerte und 2005 sogar wegen Spionage angeklagt wurde. Trotzdem schaffte er es, dass die PF mit 29 Prozent der Stimmen zweitstärkste Partei wurde. Äußerst knapp war dann die Wahl 2008. Banda erreichte 40,09 % der Stimmen und Sata mit der PF 38,13 %. Sata warf damals der Wahlkommission Betrug und Korruption vor und die Stimmen mussten erneut ausgezählt werden. Tumulte und Unruhen in der Bevölkerung waren die Folge. Sata wird oft als Populist bezeichnet und er ist bekennender Bewunderer von Simbabwes Präsidenten Robert Mugabe.
Quellen und weiterführende Literatur: Besuch von Kampagnenveranstaltungen, Sambische Tageszeitungen (Lusaka und Mazabuka Times, Post, et cetera), Sambisches Fernsehen (ZNBC, TV2, et cetera), Sambisches Radio (Radio Mazabuka, BBC Zambia, Phoenix, et cetera), Unterlagen über vergangene Wahlen aus dem Rathaus Mazabuka
